Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.02.2019


Exklusiv

Gefahr für Umwelt: Streit rund um Ampasser Abwasser

Die Fischereigesellschaft Innsbruck befürchtet, dass von der Pumpstation beim Haller Innsteg weiterhin ungefilterte Abwässer in den Inn fließen könnten. Die Gemeinde Ampass verweist u. a. auf neue Pumpen.

Durch Notüberläufe sei ungereinigtes Abwasser aus Ampass immer wieder  in den Inn gelangt, hier etwa im März 2014, kritisiert die Fischereigesellschaft Innsbruck. Neue Pumpen und andere Maßnahmen würden dies  fast ausschließen, erklärt der Bürgermeister.

© TöchterleDurch Notüberläufe sei ungereinigtes Abwasser aus Ampass immer wieder in den Inn gelangt, hier etwa im März 2014, kritisiert die Fischereigesellschaft Innsbruck. Neue Pumpen und andere Maßnahmen würden dies fast ausschließen, erklärt der Bürgermeister.



Von Michael Domanig

Ampass – Luis Töchterle, Geschäftsführer der Fischereigesellschaft Innsbruck, übt massive Kritik an der Gemeinde Ampass: Diese betreibe ihre Abwasser-Pumpstation am rechten Innufer unterhalb des Haller Innstegs nach wie vor so, dass „jederzeit ungeklärte Abwässer direkt in den Inn fließen können“. Zudem habe sie sich in dieser Sache wiederholt behördlichen Entscheidungen widersetzt.

Kurz zum Hintergrund: Die Abwässer der Gemeinde Ampass werden an besagter Stelle hochgepumpt, um sie per Druckrohrleitung unterhalb der „Badlbrücke“ auf die andere Innseite weiterzuführen. Beim alten Haller Klärwerk übernimmt der Abwasserverband Hall-Fritzens die gesammelten Abwässer.

Bei Pannen an den Pumpen, so Töchterles Kritik, sei das Ampasser Abwasser aus den – automatisch angesprungenen – Notüberläufen immer wieder ungereinigt in den Inn geflossen, bis zur Schadensbehebung durch Gemeindemitarbeiter. Dieses unappetitliche und umweltgefährdende Schauspiel samt starker Geruchsbelästigung habe er auch selbst beobachtet – die Fischereigesellschaft hat ein Revier am rechten Innufer. Man habe die Sache mehrfach bei der Polizei angezeigt, er selbst etwa im März 2014.

Da die Gemeinde nicht auf den Missstand reagiert habe, habe er, Töchterle, die Situation im Dezember 2016 schließlich beim Umweltreferat der BH Innsbruck angezeigt. In der Folge wurden der Gemeinde von der Behörde zusätzliche Auflagen gemäß Wasserrechtsgesetz vorgeschrieben – u. a. neue Pumpen, „ebenso eine andere technische Lösung, damit die Notüberläufe nicht mehr automatisch anspringen“, wie Wolfgang Nairz, Leiter der Abteilung Wasser-, Forst- und Energierecht im Amt der Tiroler Landesregierung, auf TT-Anfrage erklärt.

Diesem Bescheid dürfte die Gemeinde zunächst offenbar nicht nachgekommen sein: Denn nach der Überprüfung durch einen Amtssachverständigen im Jänner 2018 wurde der Sachverhalt der BH Innsbruck „zur Durchführung eines Verwaltungsstrafverfahrens“ übermittelt – laut BH wurde dieses auch eingeleitet.

Im März 2018 erhielt die Gemeinde eine neuerliche Aufforderung, die Auflagen zu erfüllen und gegenüber der Abteilung eine Stellungnahme abzugeben. Im November reagierte die Gemeinde schließlich mit einem „Zwischenbericht“, in dem unter anderem darauf hingewiesen wurde, dass man die neuen Pumpen eingebaut habe. Seither sei eine „klaglose Funktion des Pumpwerkes gegeben“.

Mit der Installation der Pumpen „sollte das Gröbste behoben sein“, bestätigt Nairz. Doch auch den weiteren Auflagen müsse Genüge getan werden. Ob das erfolgt ist, soll nun eine weitere Überprüfung durch den Amtssachverständigen zeigen, die bereits angeordnet wurde und nach der Schneeschmelze so bald wie möglich stattfinden soll.

Aus Sicht des Ampasser Bürgermeisters Hubert Kirchmair ist, in Absprache mit den Behörden, bereits „alles erledigt“. Neben dem Einbau der zwei Pumpen habe man auch den Überlauf technisch neu geregelt. „Einen Notüberlauf müssen wir aber haben, schon damit der Gasthof Badl und andere tiefer liegende Gebäude nicht absaufen“, so Kirchmair. Nun sei es aber „fast nicht mehr möglich, dass etwas überläuft“ – auch wenn sich so etwas „nie vollständig ausschließen“ lasse. Man habe die Anlage jedenfalls auch mit Blinklicht versehen, ein Gemeindemitarbeiter erhalte bei Problemen automatisch eine SMS-Nachricht.

Töchterle ist damit nicht zufrieden: „Die Gemeinde riskiert weiterhin, dass der Notüberlauf automatisch anspringt, das ist in dieser Form keinesfalls Stand der Technik.“ Für ihn ist auch „völlig unverständlich“, warum die Gemeinde einem Angebot des Abwasserverbandes, die Pumpstation online überwachen und per 24-h-Dienst professionell warten zu lassen, bisher nicht nachgekommen ist – obwohl dies auch die Behörde empfohlen habe.

„Wir arbeiten ebenfalls mit Überläufen“, erklärt GF Christian Callegari vom Abwasserverband Hall-Fritzens den allgemeinen Stand der Technik. „Diese gehen aber nicht automatisch auf, sondern müssen händisch geöffnet werden, mit eigener wasserrechtlicher Bewilligung für jeden Fall.“ Bisher sei Ampass – im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinde-Pumpstationen – nicht beim Online-Überwachungssystem dabei. „Der Bürgermeister müsste sich dazu einfach nur an den Verband wenden. Wir würden dann auch die Wartung übernehmen – die Kosten wären natürlich von der Gemeinde zu tragen.“

Kirchmair schließt dies gegenüber der TT nicht völlig aus: „Sollte es noch eine bessere, zusätzliche Lösung durch ein Online-Überwachungssystem geben – warum nicht?“