Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.03.2019


Bezirk Kufstein

Wildschweine in Kufstein Nein, Wildfütterung Ja

Der Kufsteiner Bezirksjägermeister Michael Lamprecht verteidigt die Wildfütterung und sieht im Zuzug von Wildschweinen aus dem benachbarten Bayern ein großes Problem auf den Bezirk zukommen.

Immer mehr Wildschweine sind im Bezirk Kufstein unterwegs.

© E+Immer mehr Wildschweine sind im Bezirk Kufstein unterwegs.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Sie sind schlau, ständig in Bewegung, „pflügen“ so manchen Garten und Acker um und sind bayerische Einwanderer, die der Jägerschaft im Bezirk Kufstein noch einiges abverlangen werden – die Rede ist von den Wildschweinen. Das gastronomische Lieblingstier der Comic-Helden Obelix und dessen Freund Asterix ist immer öfter, aus dem Nachbarland kommend, auch im Bezirk Kufstein unterwegs, wie Bezirksjägermeister Michael Lamprecht erzählt.

So beschäftigten die Tiere auch 2018 die Weidmänner. Zehn Exemplare seien erlegt worden. Bislang seien es jährlich nur zwei bis drei Stück gewesen. Noch halten sich die Schäden in Grenzen, „aber die Zahlen sind ein Alarmsignal für uns. Die Wildschweine werden in den kommenden Jahren ein großes Problem“, ist Lamprecht im Gespräch mit der TT überzeugt. Auch der Wolf klopfe an die Türen des Bezirks. Die derzeit nur vereinzelt auffindbaren Spuren von dessen Besuchen werden in den kommenden Jahren sicher mehr werden.

Der Bezirksjägermeister blickt bei den Unterinntaler Jagdtagen mit Trophäenschau am Wochenende (15. bis 17. März, siehe Programm rechts unten) zudem auf ein schwieriges Jahr zurück. Zwar dürfte die so genannte Abgangserfüllung (Abschüsse samt verunglücktem Wild) zu hundert Prozent erreicht werden, aber der extrem harte Winter zeigt Auswirkungen, auch auf die Reviere im Bezirk. Wobei das schon der zweite harte Winter in Folge für das Wild sei.

Bereits aufgrund der Schneesituation 2017 und der daraus resultierenden Schäden in manchen Wäldern waren von der Behörde in mehreren Gebieten die Abschusszahlen stark angehoben worden. Um sie zu erreichen, mussten sogar zeitliche Jagdausnahmegenehmigungen beantragt werden. „Das ist etwas, was ich nicht will und auch die Leute nicht“, sagt Lamprecht. Aber der starke Wildverbiss lasse oft keine andere Wahl, es gehe bis hin zur totalen „Entnahme“ des Wildes. Die andere Seite seien nämlich die Waldbesitzer, die große wirtschaftliche Schäden davontragen.

Das Problem ist im Bezirk Kufstein das gleiche wie in anderen Bezirken und teils hausgemacht. Immer öfter wird die Wildfütterung vom Grundbesitzer verboten. Die Meinungen über deren Notwendigkeit gehen weit auseinander. Manche Gegner pochen auf den natürlichen Kreislauf und die Auslese. Für Lamprecht hingegen ist das Füttern eine Notwendigkeit: „Wir wollen nicht den Tod der Tiere durch Verhungern herbeiführen. In der heutigen Zeit ist das nicht der richtige Ansatz.“ Es gehe auch nicht darum, „ein Gourmetlokal anzubieten“, so der Bezirksjägermeister. Vielmehr habe der Mensch den Lebensraum des Wildes stark eingeschränkt, „daher können die Tiere nicht mehr in andere Gebiete zur Futtersuche ziehen“, gibt er zu bedenken. Die Folge ist gerade bei Schneehöhen wie in den vergangenen Wintern, dass das Wild die Bäume schädige. „Daher muss der Mensch in solchen Extremsituationen für die Nahrung sorgen“, ist Lamprecht überzeugt. Den Jägern gehe es auch darum, die Tiere in Waldgebiete zu lenken, wo sie keinen großen Schaden anrichten können, so der Weidmann.

Programm Unterinntaler Jagdtage

Freitag, 15. März, 9 Uhr bis 12 Uhr, Hotel Andreas Hofer, Kufstein: Wald- und Wildpädagogik für Kinder.

Samstag, 16. März, Hotel Andreas Hofer: 13 bis 18 Uhr: Trophäenbesichtigung; 20.00 Uhr: „Jagarisch g'sunga, g'spüt und g'redt"; Sprecher und Programmgestaltung: Joch Weißbacher. Mitwirkende: Aufenfelder Jagdhornbläser, Grödner Frauendreigesang, Irrsee Bläser, Die jungen Ramsauer Sänger, Dreiagspann, Wengerboch Musi. Kartenvorverkauf: Rezeption Hotel Andreas Hofer und Klaus Seissl (0664/1873785).

Sonntag, 17. März, Hotel An­dreas Hofer: ab 8 Uhr: Trophäenschau, ab 10 Uhr: offizieller Teil.