Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 18.04.2019


Natur

In die Tiroler Karwendelmoore kehrt das Leben zurück

Wofür die Natur Jahrtausende brauchte, das zerstörte der Mensch innerhalb kurzer Zeit: In Tirol gelang es nun, die Karwendelmoore wieder zum Leben zu erwecken.

Das renaturierte Raberskopfmoor im Karwendel.

© G. Haselwanter, Archiv NaturparkDas renaturierte Raberskopfmoor im Karwendel.



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Die Flächen werden als Weidegebiet genützt oder aufgeforstet, der Torf als Brennstoff abgebaut: Mooren wird wegen verschiedener, meist wirtschaftlicher Interessen das Wasser zum Leben abgegraben. Das macht sie zu den weltweit am stärksten bedrohten Lebensräumen, in Österreich wurden vor allem in den 60er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts riesige Feuchtgebiete trockengelegt, darunter auch die Karwendelmoore in Tirol. Gestern wurden in Innsbruck die Ergebnisse eines vor mehr als zehn Jahren ins Leben gerufenen Renaturierungsprojekts präsentiert, und die sind laut Karwendelpark-Geschäftsführer Hermann Sonntag beeindruckend: Zumindest den weniger beeinträchtigten Mooren stehe nach vielen Jahrzehnten erstmals „das Wasser wieder bis zum Hals“ – in diesem Fall eindeutig ein Grund zur Freude. „Vor dem Hintergrund, dass die Natur Jahrtausende dafür brauchte, sind wir überrascht, in diesem unglaublich kurzen Zeitraum überhaupt signifikante Ergebnisse erreicht zu haben.“

Für Naturschutz-Landesrätin LHStv. Ingrid Felipe geht es bei dem Projekt des Landes Tirol gemeinsam mit den Österreichischen Bundesforsten und dem Naturpark Karwendel nicht nur um den Artenerhalt, sondern auch um Klimaschutz: „Obwohl Moore weltweit nur drei Prozent an Fläche einnehmen, speichern sie rund 30 Prozent des ergebundenen Kohlenstoffs.“ Das bedeute umgekehrt, dass durch die Trockenlegung der Moore wieder CO2 freigesetzt werde. Bleiben sie bestehen oder werden renaturiert, werde „mit relativ geringem Aufwand ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet“.

Feuchtgebiete sind aber nicht nur Akteure im Klimawandel, sondern auch Betroffene: „Die trockenen Sommer in den Extremjahren 2013, 2017 und 2018 bremsen oder stoppen das Moorwachstum“, sagt Hermann Sonntag. Der Wasserstand dürfe nicht zu lange unter das Idealmaß von 15 Zentimeter sinken.

Die Arbeiten für die Errichtung der Dämme.
Die Arbeiten für die Errichtung der Dämme.
- Günter Haselwanter

Zur Wiederherstellung der fünf Karwendelmoore wurden in den vergangenen Jahren 290 Lärchenholzdämme errichtet, viele Freiwillige haben dabei geholfen, berichtet Egon Fritz, Leiter des Forstbetriebs Oberinntal der Bundesforste. Rund 4000 Laufmeter Zäune wurden errichtet, um die Lebensräume frei von Beweidung zu halten. Moore beherbergen ganz spezielle Pflanzen- und Tierarten, wie die Libellenart „Kleine Moosjungfer“, die Moorbeere oder die fleischfressende Pflanze Sonnentau. Um diese Lebensräume weltweit zu erhalten, kann jeder einen Beitrag leisten, indem er für seine Pflanzen im Garten auf torffreie Erde zurückgreift, meint Otto Leiner von der Abteilung Umweltschutz des Landes.

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In Mooren wächst der Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze.
In Mooren wächst der Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze.
- G. Haselwanter, Archiv Naturpark



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