Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.04.2019


Bezirk Reutte

Die Flussuferläufer sind wieder im Anflug auf den Lech

Mit Spannung wird die Rückkehr der Watvögel erwartet. Die Bestände am Lech erholen sich langsam, Brutplätze werden besonders geschützt.

Der Flussuferläufer gilt als stark gefährdet. Mit Glück kann man ihn am Lech im Flug beobachten.

© Felix LassacherDer Flussuferläufer gilt als stark gefährdet. Mit Glück kann man ihn am Lech im Flug beobachten.



Von Simone Tschol

Lechtal – Es ist es wieder so weit: Der Flussuferläufer kehrt von seinem Winterquartier im Süden Afrikas zurück. „Wir freuen uns schon auf die Rückkehr dieser für unsere alpinen Wildflüsse so typischen Art“, erklärt Sabine Tappertzhofen, Projektleiterin beim Landesbund für Vogelschutz (LBV), die sich gemeinsam mit vielen anderen Vogelkundlern seit vielen Jahren um den Schutz der Brutplätze kümmert.

Im Rahmen des Interregprojekts „Vielfältiges Leben an unseren Gebirgsflüssen“ engagiert sich der LBV grenzüberschreitend mit dem Landratsamt Tölz-Wolfratshausen, dem Naturpark Tiroler Lech und dem Naturpark Karwendel für ein Miteinander von Naturschutz und Freizeitnutzung.

Der Flussuferläufer zählt innerhalb der Ordnung der Watvögel zur Familie der Schnepfenvögel. Ab Mitte April erreicht der etwa starengroße Vogel auch seine Brutgebiete an den zentralen Schotterbänken im Lech. In Österreich ist die geschützte Art als „stark gefährdet“ eingestuft. Aber es gibt gute Neuig­keiten aus dem Lechtal. Der Bestand hat sich in den letzten Jahren stabilisiert und nimmt sogar leicht zu. „Bei der Zählung im Jahr 2012 waren es 13 bis 20 Brutpaare am Lech, jetzt gehen wir von mindestens 20 aus“, erklärt Yvonne Markl, studierte Biologin und stellvertretende Geschäftsführerin im Naturpark Tiroler Lech. Dies sei einerseits auf die Baumaßnahmen, die zur Schaffung von zusätzlichen Schotterbänken dienen, andererseits aber auch auf die Besucherlenkung zurückzuführen, so Markl.

Dem Flussuferläufer soll neben anderen typischen Vogel- und Heuschreckenarten im neuen Interreg­projekt besondere Beachtung geschenkt werden. Eine einheitliche Beschilderung soll den Besuchern am Lech nicht nur die Orientierung erleichtern, sondern vor allem mehr Verständnis für die Störempfindlichkeit der Brutplätze schaffen. Zielgruppe sind im Speziellen Wassersportler wie Rafter und Kanufahrer. Sie sollen unmissverständlich darauf hingewiesen werden, dass das Betreten der Schotterbänke von Mitte März bis Mitte August verboten ist. Markl: „Wir werden hier am Lech speziell an den beliebten Ein- und Ausstiegsstellen Schilder aufstellen, die auf die Brutplätze hinweisen.“

Das Interregprojekt läuft noch bis Ende Dezember 2020. Der finanzielle Umfang des Maßnahmenpakets liegt bei 338.435 Euro.