Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 06.05.2019


Bezirk Imst

“kuisa 2019“: Das heimische Grauvieh bleibt weiterhin beliebt

Die „kuisa 2019“ begeisterte durch die Qualität der Tiere sowie durch das Rahmenprogramm. Die Passion der Zucht wird weiter gegeben.

Die Youngsters, Kinder, die ihre maximal einjährigen Kälber präsentierten, eroberten die Herzen des Publikums im Sturm und durften sich über die Anerkennung ihrer Leistungen durch die Juroren freuen.

© PloderDie Youngsters, Kinder, die ihre maximal einjährigen Kälber präsentierten, eroberten die Herzen des Publikums im Sturm und durften sich über die Anerkennung ihrer Leistungen durch die Juroren freuen.



Von Thomas Ploder

Imst – Mit der „kuisa 2019“ erreichte die neue Form der Veranstaltungen im Agrarzentrum West in Imst einen vorläufigen Höhepunkt. Die alle fünf Jahre stattfindende Grauvieh-Leistungsschau folgte anfangs den traditionellen Strukturen mit dem ausschließlichen Fokus auf die Bewertung der aufgetriebenen Tiere. Zunehmend wollten die Organisatoren neben Ausstellern, Bauern und fachlich Interessierten auch die breite Bevölkerung für das Grauvieh begeistern. Dies sollte heuer unter anderem mit einem umfangreichen Rahmenprogramm erreicht werden. Dabei erwies sich die Auktionshalle, die bereits einen guten Ruf als Konzertarena genießt, auch als Galerie mit besonderem Flair. „Ich hoffe, dass diesem Beispiel viele weitere folgen und das Agrarzentrum auch eine deutliche kulturelle Komponente entwickelt“, hofft Martin Kapeller, Obmann des Agrarzentrums. Mit Kulinarium, Modeschau und einem Tag der offenen Tür am Gutshof in Brennbichl trug auch die LLA Imst wesentlich zur Gestaltung des bunten Rahmens bei.

Die zahlreich anwesenden Besucher zeigten reges Interesse an den rund 400 Rindern von knapp 200 Züchtern aus Tirol und Vorarlberg und den spezifischen Fakten rund ums Grauvieh. „Für mich ist das Grauvieh ein Synonym für Extreme in der Landwirtschaft“, erklärte BR Peter Raggl, „eine Rasse mit besonderer Klasse, die in extremen Höhenlagen eine Bewirtschaftung unter extremen Bedingungen möglich macht.“ Raggl richtet deshalb einen Appell an die Bundes- und Europapolitik, die Förderung der Bergbauern in der folgenden Periode besonders im Auge zu behalten. Ins gleiche Horn stößt der Direktor der Tiroler Landwirtschaftskammer, Ferdinand Grüner. „Das Grauvieh ist eine Tiroler Rasse, die sich ideal für alpine Regionen eignet und sowohl in Bezug auf Fleisch- wie Milchqualität herausragt“, so Grüner weiter.

Die Arena des Agrarzentrums West ist Rahmen für kulturelle Events.
Die Arena des Agrarzentrums West ist Rahmen für kulturelle Events.
- Ploder

Aus der Sicht des Agrarökonomen, Touristikers und Regionalpolitikers betrachtet Lukas Scheiber, Vorstandsmitglied des Ötztal Tourismus, den Wert des Grauviehs. „Bergbauern sind unter anderem auch die Träger der Landschaftspflege, einer wesentlichen Komponente für die Attraktivität einer Region“, so Scheiber. „Gleichzeitig freut es mich, dass so viele Kinder und Jugendliche ihr Interesse an der Landwirtschaft zeigen und sich aktiv engagieren, was auf eine gute Zukunft hindeutet.“ Die Sicherung der landwirtschaftlichen Nutzung geeigneter Flächen in allen Höhenlagen benötigt seiner Ansicht nach eine Nachfolgegeneration, die die Natur liebt und sich ihr verpflichtet fühlt. Grauviehzüchter zählen nach Scheibers Ansicht allerdings überwiegend zu den Idealisten unter den Viehhaltern. „Grauvieh zu züchten bedeutet gelebte Passion und erlaubt keine nennenswerten Erträge“, meint der Insider aus Gurgl. „Das Grauvieh bietet eine ausgezeichnete Qualität, die Nachfrage kann derzeit nicht gedeckt werden“, bedauert Scheiber.

Attraktive und ambitionierte Initiativen wie beispielsweise jene der Bergbahnen Serfaus, Fiss, Ladis zeigen, dass das Grauvieh durch Abnahmegarantien bei guten Preisen auch gegen Rassen mit höherem Fleischertrag bestehen kann.

Klassische Viehversteigerungen gehören auch zur "kuisa".
Klassische Viehversteigerungen gehören auch zur "kuisa".
- Ploder