Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 11.06.2019


Bezirk Landeck

Wallfahrt nur auf Umwegen

Der beliebte Wallfahrtsweg von Kauns nach Kaltenbrunn ist wegen Steinschlaggefahr auf unbestimmte Zeit gesperrt. Schnelle Lösung gibt es derzeit keine. Der Gerichtskreuzgang muss heute einen Umweg machen.

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© Reichle



Von Matthias Reichle

Kaunertal – Es ist Tradition seit 1635 – am heutigen Pfingstdienstag machen sich die Wallfahrer aus den Gemeinden des historischen Gerichtsbezirks Laudegg frühmorgens auf den Weg nach Kaltenbrunn. Der Gerichtskreuzgang geht auf den Pestzug von 1634 bis 1637 zurück. Heuer muss so mancher Pilger allerdings einen Umweg in Kauf nehmen. Das bei vielen beliebte Wegstück zwischen Kauns und der bekannten Wallfahrtskirche am Eingang des Kaunertals ist behördlich gesperrt.

Wenig Hoffnung auf eine schnelle Lösung für das Problem hat derzeit der Kaunerberger Bürgermeister Peter Moritz, in dessen Gemeindegebiet die Wegetappe liegt: „Ich gehe davon aus, dass es eine längere Geschichte wird“, betont er auf TT-Anfrage.

Grund für die Maßnahme sind massive Felsabbrüche knapp vor dem Kaunerberger Weiler Grünig im vergangenen Winter. Nach einer Begehung mit dem Landesgeologen wurden Warnschilder aufgestellt. Seither klingelt bei Moritz das Telefon häufiger als sonst: „Es wird pausenlos nachgefragt. Ich muss zu jedem dasselbe sagen“ – für viele ist die Antwort allerdings unbefriedigend, handelt es sich doch um einen beliebten Wanderweg. Gerade bei schönem Wetter sei schwer zu vermitteln, warum die Strecke nicht begangen werden darf, erklärt Moritz.

Wer die Warntafeln allerdings missachtet, der stößt schnell auf die Ursache für die Sperre. Am Weg liegen große Steine, die sich knapp oberhalb des Steigs gelöst haben dürften. Im Hang sind die Abbruchstellen deutlich zu sehen. Geräumt wurde der Bereich bislang nicht.

Landesgeologe Werner Thöny hat die Problemzone untersucht. „Es ist viel heruntergekommen“, betont er. Nun sei es Aufgabe der Gemeinde, lose Steine abzuräumen und den Fels zu stabilisieren, damit es nicht wieder zu Abbrüchen kommt. An einem Tag sei das sicher nicht getan, erklärt er.

Bis zu einer „geeigneten Sanierung“ ist die Sperre aufrecht – eine rasche Lösung dürfte derzeit eine Frage der Kosten sein. Der Kaunertaler Bürgermeister Pepi Raich, der sich für eine baldige Öffnung des Wegs zu „seiner“ Wallfahrtskirche ausspricht, hat inzwischen Kontakt zur Landesstraßenverwaltung aufgenommen, die mit der Kaunertaler Straße ebenfalls am Rande betroffen ist. Beim Abräumen der Abbruchstelle würde das Land mitzahlen, weiß er.

Alle weiteren Sicherungsmaßnahmen, falls solche notwendig werden, machen Moritz derzeit allerdings Kopfzerbrechen. „Wir wissen nicht, ob abräumen reichen wird.“ Einer ersten Schätzung nach würde eine Vernetzung um die 120.000 Euro kosten, erklärt er. „Das ist ein Zehntel meines Jahresbudgets. Das wird schwer, da werden wir die Muttergottes künftig von der anderen Seite besuchen müssen.“ Es müsse eine Lösung geben.

Zumindest für die heutige Wallfahrt ist gesorgt. Jene Gemeinden, die bisher über Kauns pilgerten, werden sich laut Dekan Franz Hinterholzer den Prutzer und Rieder Zügen anschließen, die „unter Polizeischutz“ der Landesstraße entlang hinauf nach Kaltenbrunn marschieren.