Letztes Update am Mi, 12.06.2019 13:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Natur

Subtropische Riesenzecke hat erstmals in Österreich überwintert

Die eigentlich in südlichen Gefilden heimischen Zecken erreichen eine Körperlänge von bis zu 6 Millimetern. Auch in Norddeutschland wurden bereits Exemplare entdeckt.

Ein Exemplar der Gattung Hyalomma marginatum ist im April in einem Privathaushalt im Bezirk Braunau in Inn entdeckt worden.

© VETMEDUNI VIENNAEin Exemplar der Gattung Hyalomma marginatum ist im April in einem Privathaushalt im Bezirk Braunau in Inn entdeckt worden.



Wien – Eine neu eingewanderte subtropische Zeckenart hat erstmals in Österreich überwintert. Wie Georg Duscher vom Institut für Parasitologie an der Veterinärmedizinischen (Vetmed) Universität Wien am Mittwoch im Gespräch mit der APA berichtete, ist ein Exemplar der Gattung Hyalomma marginatum im April in einem Privathaushalt im Bezirk Braunau in Inn entdeckt worden.

Im Dezember 2018 wurde im Raum Melk erstmals ein geschlechtsreifer Parasit der Riesenzecke – mit einer Körperlänge von fünf bis sechs Millimeter wird sie deutlich größer als die in Europa verbreitetste Zeckenart, der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) – in Österreich nachgewiesen. Der vorangegangene warme und trockene Sommer war dafür ausschlaggebend, erklärte Duscher. Diese Zeckenart bevorzuge eine geringere Luftfeuchtigkeit als die hierzulande üblicherweise vorkommenden Zecken: „Es darf nicht zu nass sein.“

Eindeutiger Nachweis

An sich ist die Hyalomma marginatum in den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas heimisch. Sie kommt inzwischen aber – durchaus verbreitet – auch in Spanien und Kroatien vor. Hat sie sich einmal in noch weit nördlicheren Gebieten etabliert, kann sie dort auch strengere Winter wie den vergangenen überdauern. „Sie überwintert in Ritzen und Spalten in der Natur“, verriet Duscher.

An der Wiener Vetmed hätte man den Fund aus Oberösterreich gern eingehend untersucht. Die Riesenzecke sei aber „verschollen“, bedauerte Duscher: „Sie ist am Postweg verloren gegangen.“ Der Beleg, dass es sich tatsächlich um eine Hyalomma marginatum gehandelt hatte, sei aber „eindeutig“, betonte der Experte unter Verweis auf vom Finder angefertigte Fotos.

„Kein Grund zur Panik“

Mehrere Exemplare der Hyalomma marginatum wurden zuletzt auch in Norddeutschland gefunden, wo sie ebenfalls den Winter überstanden hatten. Im eurasischen Raum gelten die zu den Milben zählenden Tiere als Überträger des auch für den Menschen gefährlichen Krim-Kongo-Virus. Das Auftreten der Spezies in Mitteleuropa sei aber „kein Grund zur Panik“, beruhigte Duscher. Dass mit der Hyalomma-Zecke auch das Krim-Kongo-Fieber eingeschleppt werde, sei äußerst unwahrscheinlich, betonten Duscher und dessen Kollege Alexander Mathis, Parasitologe an der Universität Zürich, unisono.

„Die Zecken tragen den Erreger nicht automatisch in sich. Sie müssten zunächst in einem Juvenilstadium ein mit dem Krim-Kongo-Erreger infiziertes Tier stechen. Erst dann könnte das nächste Entwicklungsstadium der Zecke die Krankheit übertragen“, erläuterte Mathis. Dass sich die subtropische Riesenzecke in unseren Gefilden explosionsartig vermehrt, ist übrigens ausgeschlossen. Bei dieser Zeckenart gibt es nur einen Vermehrungszyklus pro Jahr. (APA/sda)