Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 19.06.2019


Natur

Studie: Skipiste als Öko-Raum



Ob eine Skipiste abseits des Winters als Heimat für Tiere dient, hänge weniger von der Beschneiung ab, sondern von der Intensität der Landwirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Ökologen, die Pisten im Salzburger Skigebiet Schmittenhöhe untersucht haben. „Die Studie wurde mit Wissenschaftern durchgeführt, die unangreifbar sind“, betonte Studienautor Helmut Wittmann vom Biodiversitätszentrum des Hauses der Natur, um nicht den Anschein einer Auftragsarbeit aufkommen zu lassen. Präsentiert wurde die Studie gestern von der Interessengemeinschaft Vitalpin.

Die untersuchten Skipisten würden Pflanzen sowie vielen Tieren einen Lebensraum geben, die auf der roten Liste gefährdeter Arten stehen: etwa Heuschrecken, die ihren Lebenszyklus von einem Jahr auf der Piste verbringen. „Sie legen dort Eier und im Frühjahr entwickeln sich daraus Heuschrecken“, erklärte Wittmann. Skipisten können demnach „sehr wertvolle Lebensräume sein“. Bereits bei der ersten Pistenbegehung seien „70 bis 80 Arten“ erkennbar gewesen.

Beschneiung und Präparrierung der Pisten seien nicht entscheidend für deren Biodiversität. „Die Qualität ist abhängig von der Bewirtschaftung im Sommer“, so Wittmann. Je seltener gemäht werde, desto artenreicher seien die Pisten. Eins zu eins umlegen ließe sich die Studie nicht auf alle Skigebiete — die Lifte der Schmittenhöhe reichen bis höchstens 2000 Meter. Zudem habe die Seilbahn im Sommer die Kontrolle über alle Flächen, die anderswo oft Bauern gehören.

Wittmann rät zu Kooperationen mit Bauern oder Ersatzzahlungen, um die Intensität der Landwirtschaft auf Flächen, die nicht der Produktion dienen, zu verringern und die Artenvielfalt zu fördern: „Für das Image der Seilbahnen wäre es gut, in diese Richtung zu investieren.“ (mas)