Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 11.07.2019


Natur

Zäune als Gefahr für Wildtiere: Was schützen soll, wird oft zur Falle

Sie bleiben hängen oder schneiden sich an Stacheldraht: Bei Begegnungen mit Zäunen werden Wildtiere häufig verletzt oder sterben sogar. Richtiges und regelmäßiges Instandhalten kann das Risiko minimieren.

Oft verheddern sich Tiere, besonders Hirsche und Rehböcke, in Zäunen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie dann verenden, ist groß, sagt Tirols Landesjägermeister Anton Larcher.

© TatznerOft verheddern sich Tiere, besonders Hirsche und Rehböcke, in Zäunen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie dann verenden, ist groß, sagt Tirols Landesjägermeister Anton Larcher.



Von Benedikt Mair

Innsbruck – Passiert ist es schnell. Der folgende Kampf ums Überleben dauert hingegen lange an und endet nicht selten mit einem qualvollen Tod. Eigentlich dienen Zäune zum Schutz des Viehs auf den Weiden. Besonders während der Sommermonate verheddern sich immer wieder Wildtiere in ihnen und verenden. Nicht sachgerecht abgebaute oder schlecht gewartete Anlagen können in den anderen Jahreszeiten zur verhängnisvollen Falle werden.

„Insbesondere Hirsche und Rehböcke sind davon massiv betroffen. Die typischen netzartigen Elektrozäune der Kleinviehweiden werden Wildtieren am häufigsten zum Verhängnis“, erzählt Landesjägermeister Anton Larcher. Genaue Zahlen gibt es für Tirol nicht. Es komme aber, insbesondere während die Weiden bestoßen werden, „häufig vor, dass sich Wildtiere in Zäunen verhängen“. Habe sich das Geweih einmal in einem Zaun verfangen, versuche das Wild, sich durch Drehen und Zerren daraus zu befreien. Dadurch werde die Schlinge um den Hals immer enger, bis das Tier schließlich erdrosselt werde, weiß Larcher. Können sich die Tiere losreißen, „schleifen sie diese Zaunstücke oft noch tagelang mit“, sagt er. „Und sie verenden dann meist, wenn sich der Zaun wieder wo verfängt.“

Zu Beginn der heurigen Almsaison hat das Land Tirol mehrere mobile Herdenschutzzäune, die Wölfe und Bären von den Weiden aussperren sollen, angeschafft. Auch diese sind für Hirsch und Co. gefährlich, zeigt ein Fall aus Südtirol. Ende Juni haben sich mehrere Rehe darin verfangen und sind verendet, wie die Tageszeitung Dolomiten vor Kurzem berichtete.

Hierzulande sind keine ähnlichen Fälle mit den mobilen Schutzzäunen bekannt, heißt es von den zuständigen Behörden. „Die Probleme gibt es meistens eh nur dann, wenn diese nicht abgebaut oder richtig gewartet werden“, sagt Martin Janovsky, Beauftragter des Landes für große Beutegreifer. In vielen Fällen verletzten sich die Tiere außerdem an ausgebrachtem Stacheldraht, der im Wald oder auf Weiden zurückgelassen werde.

Das bestätigt auch Anton Larcher. „Grundsätzlich betonen wir Jäger, dass die sichere Einzäunung von Weidevieh ein wichtiges Instrument für die Viehhaltung der Tiroler Landwirte ist.“ Die Errichtung stabiler Holzzäune sei, aus seiner Sicht, aber „vorzuziehen und ist tierschutzfreundlicher“. Bei Einfriedungen aus Netzen oder Seilen, sofern diese notwendig seien, helfe das Anhängen von kleinen Streifen aus leichtem Absperrband, welche im Wind wehen, oder Blinklichter, welche das Wild warnen. Larcher: „Nach der Nutzung eines Zaunes sollte dieser umgehend abgebaut und vollständig entfernt werden. Denn von nicht genutzten Zäunen geht die größte Gefahr aus.“


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