Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.07.2019


Tirol

Bär in Sellrainer Bergen: „Holen sich die leichte Beute“

Eine Sichtung am Donnerstag in Flaurling untermauert die Vermutung, dass ein Bär in den Sellrainer Bergen umherstreift. Die Rufe nach einem Abschuss werden lauter.

In den Sellrainer Bergen wurden in den vergangenen Tagen mehr als 20 Schafe gerissen. Die Verunsicherung ist groß.

© AMAIn den Sellrainer Bergen wurden in den vergangenen Tagen mehr als 20 Schafe gerissen. Die Verunsicherung ist groß.



Von Benedikt Mair

Innsbruck – Fernrohr war keines zur Hand, fotografieren ging auch nicht und obwohl er das Tier in einigen hundert Metern Entfernung gesehen hat, ist sich der Mann sicher: Es war ein Bär, den er am Donnerstagnachmittag bei Holzarbeiten auf dem Gemeindegebiet von Flaurling über eine Wiese huschen gesehen hat. Die Sichtung würde die Vermutung bestätigen, dass ein Bär in den vergangenen Tagen in den Sellrainer Bergen rund 20 Schafe gerissen hat – und immer noch in dem Gebiet umherstreift.

„Diese Meldung ist bei uns eingegangen“, bestätigt Martin Janovsky, Beauftragter des Landes Tirol. „Auf größere Dis­tanz will jemand einen Bären gesehen haben.“ Da kein Bildmaterial vorliegt, könne Janovsky den Fall aber auch nicht weiter kommentieren. „Er widerspricht zumindest nicht der aktuellen Meinung, dass sich ein Bär zwischen dem Sellrain- und Inntal aufhält.“ Weitere Sichtungen seien nicht bekannt, auch wurde das Tier – Stand gestern – von Wildkameras nicht erfasst.

Erste vage Hinweise auf die Anwesenheit eines großen Beutegreifers im Raum Oberperfuss und Inzing gab es bereits Ende vergangener Woche. Warum wurde das vom Land Tirol erst am Donnerstag kommuniziert? Anfangs hätten sich für die Experten „keine ausreichend konkreten Hinweise auf einen großen Beutegreifer ergeben, um einen konkreten Verdacht äußern zu können“, erklärt Florian Kurzthaler, Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit. „Auch die eigens aufgestellten Wildkameras ließen zunächst den Schluss auf das Vorkommen von großen Beutegreifern nicht zu. Nach weiteren Untersuchungen und neuerlichem Augenschein haben sich die Hinweise auf einen möglichen Bärenriss erhärtet, sodass in der Folge unverzüglich die Öffentlichkeit informiert wurde.“

Seine Sorge darüber, dass Wolfs- und Bärenpopulationen in Zukunft größer und immer öfter auch durch Tirol streifen werden, äußerte gestern Landesjägermeister Anton Larcher. „Das Problem wird sich zuspitzen. Und zuerst holen sie sich die leichte Beute, wie Schafe, Ziegen oder Rinder.“ Larcher findet es unverständlich, dass große Beutegreifer mehr zu zählen scheinen als Haus- und Nutztiere. „Das ist Tierschutz mit gespaltener Zunge.“ Für den Landesjägermeister führt kein Weg an einem auf EU-Ebene verankerten Wolf- und Bär-Management vorbei.

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„Die Rückkehr von Bär und Wolf und damit verbundene Folgen werden verharmlost und unterschätzt", meint Mario Gerber (Landtagsabgeordneter).
„Die Rückkehr von Bär und Wolf und damit verbundene Folgen werden verharmlost und unterschätzt", meint Mario Gerber (Landtagsabgeordneter).
- Thomas Boehm / TT

„Die Rückkehr von Bär und Wolf und damit verbundene Folgen werden verharmlost und unterschätzt“, befindet unterdessen der ÖVP-Landtagsabgeordnete und Tourismussprecher Mario Gerber. Er fordert in einer Aussendung klare Konsequenzen nach den Rissen in den Sellrainer Bergen. Diese Wildtiere würden zu einem Problem für die Almwirtschaft, die Schlagzeilen seien auch schädlich für den Tourismusstandort. „Die Wiederansiedelungsprogramme müssen gestoppt werden“, fordert Gerber.