Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.08.2019


Bezirk Landeck

Gebirgssee plötzlich entstanden: Naturjuwel entpuppt sich als Gefahr

Im Radurschl bei Pfunds bildete sich kürzlich ein kleiner Gebirgssee. Experten sehen Gefahrenpotenzial, BM Schuchter strebt Entleerung an.

Dieser (noch namenlose) Gebirgssee in 2200 m Seehöhe bei Pfunds hat sich erst vor wenigen Tagen gebildet. Er dürfte die Größe von zwei Fußballfeldern haben und bis zu drei Meter tief sein.

© WittingDieser (noch namenlose) Gebirgssee in 2200 m Seehöhe bei Pfunds hat sich erst vor wenigen Tagen gebildet. Er dürfte die Größe von zwei Fußballfeldern haben und bis zu drei Meter tief sein.



Von Helmut Wenzel

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Pfunds — Dutzende Wanderer und Bergsteiger im Glockturmkamm (Teil der Ötztaler Alpen) haben in den vergangenen Tagen eine ebenso überraschende wie reizvolle Entdeckung gemacht: Im Radurschl, unweit der alten Zollhütte und der DAV-Schutzhütte Hohenzollernhaus, findet sich in rund 2200 m Seehöhe ein völlig neuer Gebirgssee. „Ein Naturjuwel, das durch eine Mure entstanden ist", schrieb einer der Wanderer begeistert im Kommentar zum Foto, das er an die TT geschickt hat.

Im zwei Fußballfelder großen und bis zu drei Meter tiefen See glitzert glasklares Wasser. Doch das war nicht immer so, weiß Bürgermeister Rupert Schuchter, der sich mit weniger romantischen Aspekten befassen muss — nämlich mit der Sicherheit für das Radurschl­tal und Pfunds. „Am Gletscher hat sich ein Teich entleert und eine Mure hat das zunächst schmutzige Wasser gestaut", schilderte Schuchter am Montag. In nur wenigen Tagen habe sich der Schlamm am Boden abgelagert und der Gebirgssee sich auf natürliche Art und Weise gereinigt.

Vorige Woche hatte der Bürgermeister eine Sitzung mit Experten einberufen, beim anschließenden Lokalaugenschein war die Landesgeologie ebenso präsent wie WLV-Gebietsleiter Daniel Kurz. „Ein Gutachten der Landesgeologie ist in Ausarbeitung", sagte Schuchter. Weil die Mure die Wasserfassung eines Kraftwerks am Radurschlbach zerstört hatte, ließ er einen kleinen Bagger vor Ort bringen. „Damit es keine Überschwemmungen gibt und kein Wasser austritt, müssen wir auch einen Damm baue­n."

Später müsse der See jedoch aus Sicherheitsgründen entleert werden — mit vorsichtiger Dosierung des Wassers, das dann im Radurschlbach abfließen soll.

WLV-Gebietsbauleiter Kurz unterstützt vorbeugende Maßnahmen. „Die Gefahr ist nicht zu unterschätzen. Vor allem, wenn der See durch zusätzliches Wasser vom Glockturmgletscher gespeist wird. Da könnte noch etwas nachkommen." Dass der optisch reizvolle See überhaupt entstehen konnte, sieht Kurz als „Phänomen in engem Zusammenhang mit der Gletscherschmelze".

Das Hohenzollernhaus in 2123 m Seehöhe ist Anhaltspunkt für alle, die den neuen Gebirgssee im Radurschl finden möchten.
Das Hohenzollernhaus in 2123 m Seehöhe ist Anhaltspunkt für alle, die den neuen Gebirgssee im Radurschl finden möchten.
- Geiger



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