Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 01.10.2019


Bezirk Kufstein

Feuchtgebiet in Wörgl: „Die Natur war meine erste Liebe“

Die „Wörgler Filz“ bietet mit ihren seltenen Tier- und Pflanzenarten ein Naturschauspiel der besonderen Art. Zu verdanken ist dies u. a. Maria Ringler. Sie widmet dem geschützten Feuchtgebiet viel Zeit – und noch mehr Herzblut.

Maria Ringler verbringt täglich mehrere Stunden in der Filz – für ihr Engagement wurde sie 2017 mit der Landesverdienstmedaille geehrt.

© HrdinaMaria Ringler verbringt täglich mehrere Stunden in der Filz – für ihr Engagement wurde sie 2017 mit der Landesverdienstmedaille geehrt.



Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Für viele mag es nicht mehr sein als ein dreckiger Tümpel mit wildem Gestrüpp und jeder Menge „lästiger Mücken“, die da im Wörgler Westen herumschwirren. Doch die Filz ist ein rares Naturjuwel – eines, das es zu schützen gilt, betont Maria Ringler. Die 61-jährige Wörglerin ist so etwas wie „die gute Fee“ des Biotops. Ist sie doch maßgeblich dafür verantwortlich, dass im mittlerweile als geschützter Landschaftsteil ausgewiesenen Feuchtgebiet Hunderte seltene Tier- und Pflanzenarten leben. „Meine erste Liebe war immer die Natur“, sagt die geborene Söllerin. Und die ist bekanntlich zerbrechlich und braucht viel Engagement.

Bereits in den 1980er-Jahren erkannte eine Gruppe Naturbegeisterter das Potenzial der Filz und versuchte, den Wörglern den Wert dieses grünen Fleckerls mit Hilfe von Trampelpfaden, Infotafeln und viel Idealismus zu vermitteln. Über die Jahre fehlte es dann aber an personellen Ressourcen und der Landschaftsteil überwucherte. Bis vor knapp zehn Jahren Maria Ringler das Ruder – oder vielmehr Rechen, Säge und Hammer – in die Hand nahm. Mit Hilfe von Schulen und Einrichtungen wurde das Biotop wieder aufgepäppelt, neue Stege gebaut, Kraftplätze geschaffen, das biologische Gleichgewicht gesichert. Studien des Landes Tirol aus den Jahren 2005 und 2018 belegen: In der Filz sind heute mehr als 470 Schmetterlings-, 18 Libellen- und elf Heuschreckenarten heimisch. Obwohl es sich hier um pure Natur handelt – ganz von selbst erhält sich das Paradies nicht. „Es gibt immer etwas zu tun“, meint Ringler, die fast täglich mehrere Stunden in „ihrer Filz“ verbringt. Jahrelang kämpften die dreifache Mutter sowie dreifache Großmutter, Schutzgebietsbetreuer Philipp Larch und der „Ökologiekreis Wörgl und Umgebung“ mit einem Goldfischproblem. Jemand hatte die Wirbeltiere im Teich ausgesetzt – wohl nichts ahnend, dass diese nicht heimische Art das Leben zahlreicher anderer Fische und Insekten gefährden würde. Auch invasive Neophyten wie das Springkraut und die Goldrute drohen das Gleichgewicht zu kippen. Und dann wäre da noch der für Ringler größte Risikofaktor: die naturferne Lebensweise der Menschen. „Die Leute kennen die Zusammenhänge in der Natur nicht mehr. Wahrnehmen und staunen – auch das haben viele verlernt.“

Schutzgebietsbetreuer Philipp Larch entfernt Wüchslinge der Grauerle – diese würden das Moor zu schnell überwuchern.
Schutzgebietsbetreuer Philipp Larch entfernt Wüchslinge der Grauerle – diese würden das Moor zu schnell überwuchern.
- Hrdina

Neugierige Passanten begleitet Ringler nur allzu gerne spontan durch das Kleinod. Egal, was da kreucht und fleucht, blüht und gedeiht – so schnell, wie Ringler die Arten bestimmt, könnte man sie gar nicht googlen. „Ich glaube, es gäbe in Tirol viele ähnliche Gebiete wie die Filz – nur schaut dort keiner nach und kümmert sich darum.“ Tatkräftige Unterstützer – am 5./12. Oktober steht die Mahd an – sind jederzeit willkommen (Tel. 069981171422).

Viele seltene und teils geschützte Tier- und Pflanzenarten sind in der Filz anzutreffen, darunter der fleischfressende Sonnentau.
Viele seltene und teils geschützte Tier- und Pflanzenarten sind in der Filz anzutreffen, darunter der fleischfressende Sonnentau.
- Ringler
Eine Ringelnatter schlängelt sich durchs Schilf.
Eine Ringelnatter schlängelt sich durchs Schilf.
- Ringler