Letztes Update am So, 24.11.2019 22:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bilanz

Verheerende Unwetter: Tote in Frankreich und Italien

Am Wochenende sorgte das Wetter für Chaos und Gefahr in Südfrankreich und Norditalien. Auch Venedig stand erneut unter Wasser.

Bei Savona in Ligurien stürzte ein Autobahnviadukt auf einer Länge von etwa 30 Metern ein.

© Vigili del FuocoBei Savona in Ligurien stürzte ein Autobahnviadukt auf einer Länge von etwa 30 Metern ein.



Rom, Paris – Schwere Unwetter und Überschwemmungen haben am Wochenende in Südfrankreich und Norditalien für Chaos und massive Zerstörungen gesorgt. Es gab auch Tote.

Bei Savona in Ligurien stürzte ein Autobahnviadukt auf einer Länge von etwa 30 Metern ein. Ursache könnte ein Erdrutsch sein, schrieb die Region Ligurien auf Twitter. Tote oder Verletzte wurden in diesem Fall zunächst nicht gemeldet. Ein Video zeigte Fahrzeuge, die anscheinend dicht vor der Bruchstelle zum Stehen gekommen waren. Die Bilder riefen Erinnerungen an den Einsturz der Morandi-Brücke in Genua wach, bei dem im August vergangenen Jahres 43 Menschen ums Leben gekommen waren.

Die Autobahn A6 war zwischen Savona und Altare in Richtung Turin unterbrochen, aus Sicherheitsgründen wurde laut Nachrichtenagentur Ansa auch die Gegenfahrbahn gesperrt. Die Einsturzstelle liegt unweit der Abzweigung der A6 von der Küstenautobahn A10. Die A6 führt durch bergiges Gelände.

Keller überschwemmt, Straßen nicht passierbar

Der Nordwesten Italiens wird seit Tagen von heftigen Regenfällen heimgesucht. In Ligurien und dem Piemont machten Erdrutsche viele Straßen unpassierbar. Keller, Unterführungen und Geschäftsräume wurden überschwemmt. In Ligurien waren nach Angaben der Regionalregierung 374 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. 122 weitere seien in Sicherheit gebracht worden. In Teilen Liguriens und des Piemont galt am Sonntag noch die höchste Alarmstufe Rot, sie wurde in Ligurien aber am Nachmittag auf Gelb zurückgestuft. Viele Bewohner sind nach Erdrutschen von der Außenwelt abgeschnitten.

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Im Piemont wurde die Leiche einer 52-Jährigen aus ihrem Wagen geborgen, der von dem Hochwasser eines Bachs fortgerissen worden war. Medienberichten zufolge konnten sich zwei Insassen gerade noch retten.

In Turin, der Hauptstadt des Piemont, wurde der Marathon abgesagt. Der Wasserstand des Po erreichte kritische Höhen. In Sezzadio südlich von Alessandria stürzte ein Auto in den Fluss Bormida. Eine zunächst vermisst gemeldete Frau wurde tot aufgefunden, wie die Feuerwehr mitteilte. Im Aostatal schnitten Lawinen rund 1.000 Bewohner ab, wie ANSA meldete.

Venedig unter Wasser, Alarm auch in Kalabrien

In Genua hatte es bereits am Samstag vor allem im Polcevera-Tal schwere Überschwemmungen gegeben. Dies ist der Teil der Stadt, in dem 2018 beim Einsturz einer Autobahnbrücke 43 Menschen ums Leben kamen.

Zehn Tage nach den historischen Hochwassern stand auch Venedig wieder unter Wasser. Mit 130 Zentimetern erreichte der Pegel am Sonntagmorgen seinen Höchststand. Er lag jedoch deutlich unter den 187 Zentimetern vom 12. November. Während das Wasser wieder zurückging, beteiligten sich tausende Menschen am Nachmittag an einer Demonstration örtlicher Umweltaktivisten. Unter dem Motto „Rettet Venedig vor den Kreuzfahrtschiffen, dem Klimawandel und seinem Bürgermeister“ forderten sie besseren Hochwasserschutz für ihre Stadt sowie ein Fahrverbot für Kreuzfahrtschiffe.

Die Alarmstufe Rot galt am Sonntag auch für die südliche Region Kalabrien an der Fußspitze des italienischen Stiefels.

In Frankreich fielen Züge aus

In Südfrankreich waren Straßen gesperrt, zwischen der Ferienmetropole Nizza und der Hafenstadt Toulon fuhren zeitweilig keine Züge mehr. Der französische Innenminister Christophe Castaner besuchte am Sonntag das Krisengebiet und sicherte Betroffenen Unterstützung zu. Er bestätigte, dass zwei Menschen starben und dass nach vier Menschen gesucht werde.

Die Leiche eines etwa 50 Jahre alten Mannes wurde laut Franceinfo in einem Auto in Cabasse im Departement Var gefunden. Der andere Tote wurde in dem Ort Le Muy nordwestlich der Riviera-Stadt Frejus entdeckt. Dort war zuvor ein Mann nach dem Kentern eines Rettungsboots als vermisst gemeldet worden. Im Verwaltungsbezirk Var wurde im Ort Saint-Antonin-du-Var zudem ein 77 Jahre alter Mann vermisst. In dem Ort führt ein Fluss Hochwasser. Französische Medien berichteten auch von Verletzten.

Der Radionachrichtensender Franceinfo und andere Medien berichteten am Abend, in Tanneron im Hinterland von Cannes sei ein Ehepaar tot in einem Auto gefunden worden – die Bilanz erhöhe sich damit in Frankreich auf vier Tote.

Für die Departements Var und Alpes-Maritimes hatte Frankreichs Wetterbehörde am Samstag wegen der massiven Regenfälle, die Straßen in Flüsse verwandelten, die höchste Alarmstufe Rot ausgerufen. Wegen der Unwetterfolgen waren 1.600 Rettungskräfte im Einsatz. Mehrere Menschen mussten in der Nacht per Hubschrauber vor den Fluten gerettet werden. Am Sonntag wurde die Alarmstufe aufgehoben, doch noch immer waren Hunderte Feuerwehrleute an Ort und Stelle. Rund 4.500 Haushalte waren zudem weiter ohne Strom. Besonders betroffen waren die Menschen in Frejus und Saint-Tropez. Die Ortschaft Roquebrune-sur-Argens war nur noch per Boot oder Hubschrauber zu erreichen. (APA, dpa)




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