Letztes Update am Fr, 23.03.2012 13:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nach Unfall auf A13

Staatsanwalt ermittelt nach tödlichem Mauereinsturz

Das Unglück bei der Mautstelle wird zum Fall für den Staatsanwalt. Laut einem Geotechniker müsste so eine Stützmauer 100 Jahre halten.



Von M. Christler und M. Witting

Schönberg – Eine 32 Jahre alte Mauer, die schützen soll, stürzt um. Unfassbar. Aus zwei Gründen. Erstens schockiert jeden das unglaubliche Pech, dass genau in diesem Moment ein Lkw-Fahrer bei der Betonmauer vorbeifährt und darunter begraben wird. Und zweitens wundern sich Experten wie Dimitrios Kolymbas vom Arbeitsbereich für Geotechnik und Tunnelbau der Universität Innsbruck, wie es zu so einem Unglück kommen kann. „Bei einer Stützmauer darf so etwas nicht passieren. Bei einem Bauwerk ist das ähnlich wie mit dem Verfallsdatum bei Lebensmitteln: Nichts hält ewig, aber als grober Richtwert müsste die Mauer eher 100 Jahre und nicht 32 Jahre halten.“

Doch sie hielt nicht. Eine Stützmauer, die genau das Gegenteil macht, was ihrer eigentlichen Aufgabe entspricht. Kolymbas kann sich an nur einen ähnlichen Fall erinnern: „In Singapur ist im Jahr 2004 eine Stützmauer bei einer Autobahn eingestürzt, aber diese war gerade im Bau und das sind immer die kritischen Momente. Bei einer fertiggestellten Mauer gibt es meines Wissens nichts Vergleichbares mit dem Unglück bei Schönberg“, sagt Kolymbas.

Statiker und Geotechniker beschäftigt der Fall sicherlich noch länger. In Fachkreisen wird über Materialschäden und die Art der Konstruktion diskutiert. Es sei jedenfalls nicht ungewöhnlich, eine Winkelstützmauer ohne Verankerung im Erdreich zu bauen, sagt der in Athen geborene Professor. „Das funktioniert wie mit einer Buchstütze im Regal, bei dem die Bücher auch seitlich drücken, und durch die Belastung auf den Fuß bekommt die Konstruktion Stabilität.“ Ob Konstruktionsfehler vorliegen, müsse von Gutachtern geklärt werden.

Die Staatsanwaltschaft Innsbruck entscheidet in den kommenden Tagen, welche Gutachter die Stützmauer und das Erdreich unter die Lupe nehmen. Ein formales Ermittlungsverfahren wurde am Tag nach dem Unglück eingeleitet, bestätigt Hansjörg Mayr, Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft. Es wird wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt ermittelt.

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An der Unglücksstelle wurden gestern Aufschüttungen gemacht. Das soll einerseits nachrutschendes Material verhindern und andererseits als Arbeitsplattform für die Hangsicherung dienen. „Wir haben jetzt Messeinrichtungen an den Fugen der Stützwand installiert“, erklärte Martin Kirchmair von der Asfinag gestern. Damit sollen die anderen Elemente auf einer Länge von rund 450 Metern genauestens überwacht werden. Bisher wurde noch kein Kontakt zu jener Firma aufgenommen, die 1980 die Mauer aufgestellt hat. „Wir legen den Fokus derzeit auf die Sicherheitsmaßnahmen und stellen die Ursachenforschung vorerst hinten an.“ Dies müsse auch deshalb geschehen, weil die Bruchstelle derzeit nicht zugänglich ist.




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