Letztes Update am Mi, 26.12.2012 22:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Natur

Syrien-Hilfe aus Tirol rollt an

Mit Hilfe von Spenden aus Tirol will der Exil-Syrer Ayad Shihab der humanitären Katastrophe in seiner Heimat entgegenwirken.



Von Simon Hackspiel

Innsbruck – „Es sind Bilder zum Weinen“, sagt Ayad Shihab sichtlich aufgewühlt. Der in Innsbruck lebende Arzt spricht über die fatalen Auswirkungen des Bürgerkriegs in seiner Heimat Syrien, die er vor mehr als 20 Jahren verließ. „Es mangelt an allem, insbesondere an Nahrungsmitteln, Kleidung und medizinischer Versorgung. Dort ist jetzt auch Winter, was die Lage noch dramatischer macht.“

Shihab wollte nicht länger tatenlos zusehen und gründete deshalb vor zwei Monaten den Verein „Syrisches Hilfswerk“, um Geld- und Sachspenden zu sammeln und diese an die Kriegsopfer zu liefern. „Die großen Hilfsorganisationen dürfen nicht ins Land“, erklärt der Aktivist. „Deshalb müssen wir über Wege helfen, die das Regime nicht so leicht nachvollziehen kann.“ Auch wenn der Norden des Landes mittlerweile von den Rebellen kontrolliert wird, erfolgen die Lieferungen unter Lebensgefahr. Die Regierung zerstörte alle Krankenhäuser, provisorische Krankenlager wurden versteckt unter den Trümmern zerbombter Gebäude eingerichtet. Dort werden Verwundete und Kranke unter katastrophalen hygienischen Bedingungen so gut es geht versorgt.

Von der Gefahr lassen sich die Mitglieder des „Syrischen Hilfswerks“ nicht abschrecken. Der anerkannte Verein „Humanic Relief“ in Wien unterstützt sie in Sachen Know-how. Für die Fahrten wurden zwei ausrangierte Rettungsautos angeschafft. Das Rote Kreuz Tirol spendete alte Defibrillatoren, abgelaufene Medikamente und Verbandsmaterial. Hunderte Kilo Kleidung und Decken wurden mittlerweile gesammelt. Im Jänner soll die erste Fahrt – im Konvoi mit rund zehn Autos aus anderen EU-Staaten – Richtung Syrien starten.

Der Verein benötigt aber noch dringend Gelder (Spendenkonto: 03301282145, BLZ 20503), um die Menschen auch mit Lebensmitteln versorgen zu können, die in der Türkei gekauft werden sollen. „Deshalb will ich Aktionen organisieren, um noch stärker auf die Situation aufmerksam zu machen“, erklärt Shihab.

Unter anderem ist ein arabischer Abend im Integrationshaus, ein Kerzenmarsch durch Innsbruck und ein Sommerfest in Kooperation mit dem Eltern-Kind-Zentrum geplant. Derzeit hat aber die Vorbereitung der Hilfslieferung Priorität. „Es ist vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, meint Shihab, „aber es beruhigt mein Gewissen, dass ich meinen Landsleuten helfen kann.“




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