Letztes Update am Sa, 20.04.2013 20:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Natur

Mobbing an der Schule: Pädagoginnen vor Gericht

Landesschulinspektorin wehrt sich mit Klage gegen Vorwürfe und weckt damit düstere Erinnerungen bei ehemaligen Schülerinnen und Schülern.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Eigentlich haben die ehemaligen Schüler der Innsbrucker Villa Blanka beschlossen, einen Schlussstrich unter die Causa zu ziehen. Als sie jedoch hörten, dass ein angeblicher Mobbingfall an der HWL (Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe) in Kufstein heute vor Gericht weiterverhandelt wird, wollten die Ex-Schüler nicht länger schweigen.

„Wie es sich anfühlt, gemobbt zu werden, mussten auch wir als Schüler am eigenen Leib erfahren. Das Besondere daran ist, dass es sich um dieselbe Person handelt, die auch eine Lehrerin gemobbt haben soll und das nun vor Gericht ausgestritten wird“, erzählt einer der Betroffenen, der anonym bleiben will.

An die damaligen Stunden mit der Lehrerin – die heute Landesschulinspektorin ist – erinnern sich die Ex-Schüler nur ungern: „Mochte sie dich, waren der Umgang, der Unterricht und die Noten recht gut. Ansonsten hatte man ein Problem.“ So soll die Lehrerin immer wieder gedroht haben, dass gewisse Schüler „sicher“ bei ihr nicht maturieren können oder dass sie ihnen das Schulleben schwer machen würde. Die Ex-Schüler werfen ihrer damaligen Lehrerin auch vor, dass sie manchen Klassenkollegen und -innen „Probleme eingeredet hat, ihnen unterstellte, magersüchtig zu sein oder Drogen zu nehmen“.

Die Schüler fühlten sich dieser angeblichen Willkür so ausgeliefert, dass sie 2008 beschlossen, die Direktion in einem Brief, der auch von den Eltern unterschrieben wurde, über das Verhalten der Lehrerin zu informieren. Zudem wurde die damalige Landesschulinspektorin über die Situation informiert. „Es gab keine Reaktion. Wir wissen nicht, wie und wo die Dinge im Sand verlaufen sind“, zeigen sich die betroffenen Schüler und -innen noch heute enttäuscht.

Landesschulratspräsident Hans Lintner hört zum ersten Mal von diesem Fall. „Davon kann ich leider nichts wissen, weil ich damals noch nicht im Amt war“, so Lintner. Den Mobbingvorwürfen habe man sich aber viele Jahre später, 2012 (als die Jugendlichen schon ausgeschult waren) nach einem neuerlichen Beschwerdebrief an das Ministerium, gewidmet. „Wir haben die Vorfälle damals genau analysiert und sind zum Ergebnis gekommen, dass sie nicht berechtigt sind.“

Das sieht auch der Anwalt der Inspektorin, Hannes Schmid, so: „Der Landesschulrat hat die Sache ordnungsgemäß behandelt und die Angelegenheit war damit erledigt. Wir sehen das daher in keinem Zusammenhang zu dem aktuellen Gerichtsfall.“

Vor das Landesgericht Innsbruck tritt die inzwischen zur Landesschulinspektorin aufgestiegene Pädagogin heute nach mehrmonatiger Verhandlungspause. Eine Lehrerin hatte ihr in aller Öffentlichkeit vorgeworfen, eine Kollegin an der HWL gemobbt zu haben. Diese Vorwürfe wollte sich die Inspektorin nicht bieten lassen und klagte darauf auf Unterlassung und Widerruf.

Rechtsanwalt Albert Heiss, der die Beklagte vertritt, will den Fall auch als Paradebeispiel für das gesamte österreichische Schulsystem sehen. „Meine Mandantin hat nichts anderes getan, als sich für eine Kollegin einzusetzen. Aber in diesem System hat nur derjenige eine Chance, der in den richtigen politischen Netzwerken agiert“, so Heiss. Auch für Lintner ist das Verfahren alles andere als erfreulich. „Wir haben in mehreren Gesprächen versucht zu schlichten, aber es gab keine einvernehmliche Lösung. Das macht natürlich kein gutes Bild und erweckt den Eindruck, dass wir die Dinge intern nicht regeln können.“




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