Letztes Update am Sa, 05.04.2014 13:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gletscherbericht 2012/13

Wetterextreme schützen Eisriesen: Endlich wieder Gletschervorstöße

Das Jahr 2013 hat den heimischen Gletschern gut getan. Aufgrund der starken Schneefälle im Juni konnten viele Eisriesen die Sommersaison unter einer Schutzschicht überdauern. Nach mehreren Jahren, in denen fast alle Gletscher Rückgänge verzeichneten, gab es heuer erstmals wieder zwei Vorstöße.



Innsbruck - Bei den heimischen Gletschern konnten in der Saison 2012/13 seit drei Jahren erstmals wieder Vorstöße verzeichnet werden. Aufgrund der starken Schneefälle im Juni konnten viele der „Eisriesen“ die Sommersaison unter einer Schutzschicht überdauern, erklärte Glaziologin Andrea Fischer, Leiterin des Alpenverein-Gletschermessdienstes, am Freitag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.

„Heuer gab es erstmals wieder zwei Vorstöße und sieben Gletscher, die stationär geblieben sind“, meinte Fischer bei der Präsentation des „Gletscherberichts 2012/13“. Das Kalser Bärenkopf-Kees und das Kleinelend-Kees sind um 2,5 Meter bzw. 1,8 Meter gewachsen. Im Vorjahr waren hingegen 98 Prozent der Gletscher zurückgegangen und nur zwei Prozent unverändert geblieben.

„Das Berichtsjahr 2013 war durch die meteorologischen Extreme wie Starkniederschläge und Temperaturrekorde extrem spannend. Es ist erfreulich zu sehen, wie schnell einzelne Gletscher wieder vorstoßen können. Auch wenn dies auch noch lange keine Trendumkehr darstellt, zeigt es wie schnell kleine Gletscher reagieren“, kommentierte Gletscherforscherin Fischer.

Wetterextreme schützten die Gletscher

Die meteorologischen Extreme im Jahr 2013 hätten laut Fischer den verzögerten Gletscherrückgang bewirkt. „Die Starkniederschläge Anfang Juni haben noch bis zu eineinhalb Meter Schnee im Hochgebirge deponiert. Unter dieser Schutzschicht konnten die Gletscher die Rekordtemperaturen im Sommer besser überstehen und sind erst spät ausgeapert“, erklärte die Glaziologin. Außerdem hätten die Schneefälle im August und September die Schmelzsaison deutlich verkürzt, fügte sie hinzu.

Große Längenverluste bei den Gletscherzungen

Trotz der positiven Nachrichten für hochgelegene Gletscher mussten die Eiszungen in den Tälern auch 2012/13 enorme Längenverluste hinnehmen. Davon betroffen seien vor allem die großen Gletscher. So schrumpften der Schalfferner und der Gepatschferner in den Ötztaler Alpen beide um über 100 Meter (-173 Meter bzw. -114 Meter). Starke Rückgänge wurden ebenfalls beim Obersulzbachkees (-75,5 Meter), dem Niederjochferner (-47,5 Meter), dem Untersulzbachkees (-39,9 Meter) sowie bei der letztjährigen Rekordhalterin, der Pastereze (-41 Meter, 2011/12: -97,3 Meter), registriert.

Insgesamt ist laut der Forscherin im Jahr 2012/13 trotzdem eine geringere Abschmelzung als in den Vorjahren zu erkennen. Der mittlere Rückgang von 15,4 Metern sei 2012/13 niedriger ausgefallen als im Vorjahr, in dem die beobachteten Gletscher um 17,4 Meter zurückschmolzen.

Die 15 stärksten Rückgänge (Längenverluste in Metern)

Schalfferner (Ötztaler Alpen) -173,3

Gepatschferner (Ötztaler Alpen) -114,0

Obersulzbachkees (Venedigergruppe) -75,5

Niederjochferner (Ötztaler Alpen) -47,5

Latschferner (Ötztaler Alpen) -45,6

Schmiedingerkees (Glocknergruppe) -43,9

Pasterze (Glocknergruppe) -41,0

Untersulzbachkees (Venedigergruppe) -39,3

Waxeggkees (Zillertaler Alpen) -35,0

Viltragenkees (Venedigergruppe) -29,5

Hornkees (Zillertaler Alpen) -26,0

Vernagtferner (Ötztaler Alpen) -22,6

Umbalkees (Venedigergruppe) -22,0

Langtalerferner (Ötztaler Alpen) -21,7

Hochjochferner (Ötztaler Alpen) -20,3




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