Letztes Update am Do, 17.04.2014 09:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Garten

Gib den Bienen Futter: Die besten Fresspflanzen für Insekten

Jeder Einzelne kann gegen das Bienensterben ankämpfen: Mit einem grünen Daumen lassen sich im Garten, auf der Terrasse und sogar der Fensterbank bunte Fressbuffets schaffen. Auf welche Blumen, Kräuter und Bäume Insekten fliegen, verrät Buchautor Bruno P. Kremer.



Es summt und brummt nicht mehr so laut auf den Wiesen. Seit Jahren verschwinden immer mehr Bienen und mit ihnen Fliegen, Schmetterlinge und Vögel. Imker beklagen ein Massensterben. Die Verluste waren in den letzten Perioden immens, von bis zu 30 Prozent wird berichtet. Umweltschützer warnen vor dem Aussterben der für die Nahrungsvielfalt wichtigen Insekten. In Europa soll bereits jede vierte Hummelart akut bedroht sein. Nicht nur Pflanzenschutzmittel und Klimaveränderungen setzen den Tieren zu.

Eintönige Landwirtschaftsflächen und monotones Grün lassen Bienen, Hummeln, Fliegen und Schmetterlinge buchstäblich verhungern. Denn ohne Blüten fehlen Nektar und Pollen und somit überlebensnotwendige Nahrung. Eine bunte Blumenwiese ist dafür unerlässlich und ein wahres Schlemmerbuffet für Bienen: „Artenreich und möglichst bunt bestückt mit vielen blühaktiven Wild- und Gartenpflanzen statt quadratmeterweise Zwergkoniferen und Zierrasen“, das ist für den Kölner Buchautor Bruno P. Kremer das „Bienenparadies“.

„Den absoluten Universal-Hit“ gäbe es nicht, um möglichst viele Bienen anzulocken. „Auf die Mischung kommt es an“, betont Kremer. Manche Blütenpflanzen würden nur Nektar (beispielsweise die Taubnesseln), andere ausschließlich Pollen (darunter fallen alle Mohnarten) bieten. „Viele Insektenarten zeigen im Übrigen ganz spezielle Vorlieben für bestimmte Arten.“

Bunte Vielfalt statt karger Wiesen

In seinem Buch beschreibt Kremer 200 Pflanzen, die für das große Schwirren im Garten sorgen sollen. Neben Blumen, Kleearten und Stauden können auch Bäume volle Nahrungsschränke für die Insekten sein. Rosskastanie, Weide, Ahorn, Vogelbeere, Apfel- und Kirschbaum etwa sind fleißige Nektar- und Pollenspender. Auch der Gewöhnliche Efeu sei laut Kremer eine wichtige Bienenpflanze. Er wird von Schwebfliegen, Wespen und Schmetterlingen gern besucht und ernährt mit seinen Früchten Singvögel.

„Pflanzen Sie ein gutes Dutzend blühender Stauden auf ein 10-Quadratmeterbeet und setzen Sie sich an einem sonnigen Tag im Liegestuhl daneben. Sie werden staunen“, meint der deutsche Biologe im TT-Gespräch. Es müssen jedoch nicht gleich Stauden sein, ein Blumenbouquet mit nektar- und pollenreichen Pflanzen – und die Insekten geraten sprichwörtlich in Wallungen. Rose, Raps, Disteln und Aster – die bunte Blütenvielfalt lässt die Bienen überleben. „Container-Pflanzen aus dem Gartenfachhandel bringen auch in der angebrochenen Saison etwas. Ich empfehle zum Beispiel Lichtnelken, Zitronenmelisse und Lavendel oder zur direkten Aussaat Ringelblumen, Büschelschön, Färberkamille und Sonnenblumen.“

In Tirol sind bereits jetzt die Bienen los: Zwei, drei Wochen früher als in den letzten Jahren locken die warmen Temperaturen und Blüten. Auch ohne großen Aufwand kann den Insekten ein Festmahl bereitet werden. „Aktiver Naturschutz im eigenen Garten ist mit wenigen Handgriffen und einfachen Mitteln zu erreichen. Gärten als private Naturschutzgebiete sollte man nicht unterschätzen – ihre Flächensumme ist meist viel größer als die der offiziellen Schutzgebiete“, betont Kremer. Vom Frühjahr bis zum Herbst wären Frühlingskrokusse, Lungenkraut, Akelei und Dost (dazu gehören Oregano und Majoran) seine Favoriten.

Nicht nur der Garten lässt sich dabei zum Bienenparadies umwandeln. Auch auf der Terrasse und sogar auf der Fensterbank finden Töpfe voll bienenfreundlicher Pflanzen Platz. Frische Kräuter ziehen nicht nur die menschlichen Nasen magisch an, sondern haben es auch den Insekten angetan. Empfehlenswert wären etwa Salbei, Rosmarin, Minzen und Melisse.

Vom Minigarten profitieren nicht nur die Bienen. Eine intensivere Bestäubung bringt einen größeren Ertrag und mehr Früchte. Denn der Naturschutzorganisation Global 2000 zufolge müssen 90 Prozent der Wildpflanzenarten bestäubt werden, ein Drittel der Nahrung hängt von Bienen ab. „Insekten haben in der öffentlichen Meinung zwar keine besonders gute Reputation, sind aber extrem wichtige und absolut unentbehrliche Glieder der verschiedenen Nahrungsketten in der Natur. Als Bestäuber von Obstgehölzen haben sie einen direkt messbaren wirtschaftlichen Nutzen. Ohne Insektenheere gäbe es zum Beispiel auch keine Singvögel oder Fledermäuse“, erklärt Buchautor Bruno P. Kremer.

Vielfalt statt Eintönigkeit ist das oberste Credo, um aus grünen Landschaftswüsten wieder bunte Bienenoasen zu machen. „Eine gigantisch blühende Fettwiese mit Löwenzahn bringt eben nur etwas für wenige Tage im April. Im Sommer ist die gesamte Flur fast nur noch monoton grün.“ Deshalb gilt es, den grünen Daumen auszureizen und zu pflanzen bis der Pfeffer wächst. (Deborah Darnhofer)