Letztes Update am Di, 09.09.2014 12:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


UNO-Bericht

Treibhausgaskonzentration laut UN auf neuem Rekord-Hoch

Zusätzlich sind die Ozeane von einer beispiellosen Übersäuerung betroffen. In Österreich stiegen die Emissionen erstmals seit 2009 wieder an.

(Symbolfoto)

© KEYSTONE/Volkmar Schulz(Symbolfoto)



Genf – Die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre hat nach einem Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) 2013 einen neuen Höchststand erreicht. Zugleich seien die Gas absorbierenden Ozeane von einer „beispiellosen“ Übersäuerung betroffen, heißt es in dem am Dienstag in Genf veröffentlichten Jahresbericht der UN-Organisation.

Die CO2-Konzentration habe im vergangenen Jahr auf 396 pro Millionen Teile oder 142 Prozent des vorindustriellen Wertes (aus dem Jahr 1750) zugenommen, schreiben die Klimaexperten. Das Plus habe von 2012 auf 2013 alleine 2,9 pro Millionen Teile betragen, das ist der stärkste Anstieg seit 30 Jahren. Die Methan-Konzentration habe im vergangenen Jahr bei 253 Prozent, die Stickstoffoxid(Lachgas)-Konzentration bei 121 Prozent des vorindustriellen Wertes gelegen. Alle drei Werte seien neue Höchststände, erklärte die WMO.

„Wir wissen mit Gewissheit, dass sich das Klima wandelt und die meteorologischen Bedingungen wegen des menschlichen Verhaltens immer extremer werden“, sagte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud bei der Vorstellung des Berichts. „Wir müssen den Trend stoppen, indem wir den Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen zurückfahren. Uns läuft die Zeit davon.“

Strahlungsantrieb stieg seit 1990 um 34 Prozent

Ein weiterer alarmierender Trend, den die WMO feststellte: Der sogenannte Strahlungs- oder Klimaantrieb (radiative forcing), der durch die Treibhausgaskonzentration verändert wird, nahm von 1990 bis 2013 um 34 Prozent zu. Und die Gase, die in Ozeanen gespeichert werden, haben weitreichende Konsequenzen. Täglich würden die Weltmeere rund vier Kilogramm CO2 für jeden auf der Erde lebenden Menschen aufnehmen. Der Säuregehalt der Ozeane sei dadurch auf den höchsten Stand seit mindestens 300 Millionen Jahren gestiegen, schreiben die Fachleute.

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„Vergangene, gegenwärtige und künftige CO2-Emissionen werden eine kumulative Auswirkung auf die Klimaerwärmung und die Säuerung der Ozeane haben“, sagte Jarraud. „Die Gesetze der Physik sind nicht verhandelbar.“

Emissionen in Österreich angestiegen

Nachdem die Emissionen in Österreich seit 2009 kontinuierlich gesunken sind, sind sie 2013 erstmals wieder gestiegen. „Wir rechnen mit einem Anstieg von ca. 0,3 Millionen Tonnen“, sagte Jürgen Schneider, Klimaexperte im Umweltbundesamt, bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Die 2020-EU-Klimaziele könnten aber dennoch erreicht werden.

Im Jahr 2012 wurden in Österreich 80,1 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert. Laut einer ersten Schätzung für 2013 (die genauen Zahlen werden im Jänner 2015 präsentiert, Anm.) rechnen die Experten des Umweltbundesamtes mit einer Steigerung um 0,4 Prozent. Hauptursache dafür dürfte der Straßenverkehr sein. Schneider zufolge ist es aber noch nicht klar, ob vermehrter Verkehr im Inland dafür verantwortlich ist oder der Tanktourismus.

Zusätzliche Maßnahmen für EU-Klimaziele 2020 gefordert

Das EU-Klimaziel 2020, das einen Rückgang der Treibhausgase um 20 Prozent vorsieht, kann aber dennoch erreicht werden. „In Österreich kann das Umweltbundesamt seit 2005 eine Reduktion um rund 14 Prozent nachweisen - im selben Zeitraum ist die Wirtschaft trotz Krisenjahre um elf Prozent gewachsen. Das bedeutet, dass viele sektorale Maßnahmen Wirkung zeigen und eine gute Ausgangsposition für die Zielperiode bis 2020“, so Schneider. Auch der Wert von 2013 liegt trotz Steigerung noch im Rahmen.

Ohne zusätzliche Maßnahmen werden die Vorgaben aber nicht erfüllt werden. Das Umweltbundesamt forderte, dass das bestehende Maßnahmenpaket 2013/2014 um ein Programm 2015/2020 ergänzt wird. „Ein Schwerpunkt sind die Energieeffizienzmaßnahmen, diese sind unumgänglich, um das im Energieeffizienzgesetz formulierte Ziel, den Energieverbrauch auf 1.050 Petajoule zu vermindern, zu erreichen“, meinte Schneider.

Zudem sollte der Anteil von erneuerbaren Energien auf 40 Prozent gesteigert werden. Besonders in den wesentlichen Sektoren Verkehr, Haushalte sowie Industrie und Gewerbe ließen sich die Treibhausgase bis 2030 (verglichen mit 2005) so um bis zu einem Drittel reduzieren. Die Erhöhung hätte zudem den Vorteil, dass Österreich weniger von importierten fossilen Energieträgern abhängig wäre. (APA/AFP)