Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.11.2016


Außerfern

Der Hochvogel wirft ganze „Hochhäuser“ ab

Für Landesgeologe Gunther Heißel gibt es in ganz Tirol keinen Berg, der „so wild ausschaut“. Weitere riesige Felsstürze werden erwartet.

© Landesgeologie TirolGroße Teile des Hochvogels sind laut Landesgeologe Heißel dem Untergang geweiht. Allein die Gipfelspalte setzt sich (im Bild bis zum Korb des Hubschraubers) fort, weitere Spalten sind zu erkennen.Foto: Landesgeologie Tirol



Von Helmut Mittermayr

Hinterhornbach – Einer der markantesten Berge im Westen Tirols – Landesgeologe Gunther Heißel bezeichnet den Hochvogel als Matterhorn Tirols – ist dabei, sein Erscheinungsbild für immer zu verändern. Der Berg befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Auflösung, wie gerade letzte Erkundungsflüge gezeigt haben. Im Sommer ist es zu großen Felsstürzen gekommen; weitere werden – nun sogar auch im Winter – erwartet. Der Aufstieg von Vorderhornbach über den Bäumenheimer Weg ist bereits seit 2014 gesperrt – dort besteht absolute Lebensgefahr. Von deutscher Seite kommend kann der Gipfel allerdings noch erreicht werden. Heißel: „Vom einfachen Steinschlag, der auch schon tödlich enden kann, bis zum Sturzereignis von mehreren tausend Kubikmetern, eventuell auch mehr als 10.000 Kubikmetern, ist alles möglich und hat in der Größenordnung von mehreren 1000 m³ offensichtlich heuer zwischen Juli und Mitte Oktober auch stattgefunden.“ Von der TT um eine Übersetzungsleistung für die Kubatur gebeten, meint Heißel: „Gleich mehrere Hochhäuser in der Größe jener des Olympischen Dorfs sind in die Tiefe gebrochen.“

Die Spalten am Hochvogel werden immer größer und reichen viele „Meterzehner“ ins Berginnere, das in Auflösung besteht. Heißel und Kollege Thomas Figl prüfen nun die Möglichkeit von Messungen im Bereich der Gipfelspalte. Allerdings im gesicherten Wissen, dass gesicherte „alarmfähige“ Prognosen nicht möglich sein werden. Auf der Homepage des Wegerhalters DAV Donauwörth werde nämlich auf solch eine Möglichkeit seitens der TU München verwiesen. Heißel: „Wer so etwas sagt, dem ist gar nicht bewusst, dass die Leute, die diese Messungen machen (sollten), sich in absoluter Lebensgefahr befinden würden. Solche Meldungen werden außerdem Bergsteiger ermuntern, den gesperrten Bäumenheimer Weg weiter zu begehen, in der Meinung, dass eine Warnung mehrere Tage im Voraus ja erfolgen würde. Das ist aber völlig unmöglich.“

In der Gemeinde Hinterhornbach ist der früher stark begangene Weg zum Hochvogel inzwischen zugewachsen. Für Bürgermeister Martin Kärle ist die Implosion des Berges vor allem ein touristisches Problem, ist der kleine Ort von den Felsstürzen doch eigentlich nicht berührt. Die Ereignisse im Sommer kann er bestätigen, „wir haben aber immer nur Staubwolken gesehen.“ Kärle hat schon mehrmals gefordert, abzuklären, ob eine Alternativroute von Hinterhornbach aus „aufgemacht werden könnte, um den Fremdenverkehr bei uns wieder anzukurbeln“.