Letztes Update am Sa, 03.12.2016 09:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bezirk Kufstein

Flüchtlinge auf RoLa bei Wörgl von Lkw überrollt: Zwei Tote

Der Versuch, hinter Lkw versteckt mit dem Güterzug über die Grenze zu kommen, endete für zwei Flüchtlinge in Wörgl mit dem Tod, ein weiterer Mann schwebt in Lebensgefahr.

Zwei Menschen wurden getötet, einer schwerst verletzt.

© ZOOM.TIROLZwei Menschen wurden getötet, einer schwerst verletzt.



Wörgl – Schreckensbilanz nach einem tragischen Unfall auf der Rollenden Landstraße (RoLa) in Wörgl: Drei Flüchtlinge gerieten bei einer waghalsigen Fahrt mit einem Güterzug unter die Räder von tonnenschweren Lkw. Zwei von ihnen starben, einer überlebte schwerst verletzt.

Es war kurz nach 1 Uhr Früh, als ein 35-jähriger deutscher Lkw-Fahrer und sein 43-jähriger Landsmann die Schwerfahrzeuge vom Güterzug abladen wollten. Der Zug war aus Verona gekommen und hatte zwischen 22.19 Uhr und 23.46 Uhr einen Zwischenstopp am Brenner eingelegt. „Beim Entladen hat der hintere Fahrer dann etwas am Zug liegen sehen und seinem Vordermann Hupzeichen gegeben“, weiß Hubert Baldemair von der Polizei Wörgl.

Die beiden Fahrer stiegen aus, um sich den Fund auf der Ladefläche des Niederflugwaggons näher anzusehen. Sie dachten zunächst an einen Rucksack, aber bei näherer Betrachtung erschraken sie: Dort lag ein lebloser Körper. Die Lkw-Fahrer verständigten umgehend die Rettung und schauten auch unter den zweiten Lkw: Auch dort lag eine leblose Person. Schließlich fanden sie auch noch einen dritten menschlichen Körper. Zwei der Menschen konnten beim Eintreffen der Rettungskräfte nicht mehr gerettet werden, ein weiterer Mann wurde schwerst verletzt in die Klinik Innsbruck eingeliefert. Laut einem Sprecher der Uniklinik Innsbruck befindet er sich in äußerst kritischem Zustand.

Schon auf der Fahrt erfroren?

„Der Kleidung nach dürfte es sich bei der dritten Person, die tot aufgefunden wurde, um eine Frau gehandelt haben. Alle drei waren Schwarzafrikaner, aber wir haben keine Hinweise auf ihre Identität, da sie keinerlei Papiere bei sich trugen“, so Baldemair.

Die Polizei vermutet, dass die drei bereits in Trient oder am Brenner auf den Güterzug in Richtung Deutschland aufgestiegen sein könnten. „Es kann sein, dass sie erfroren sind durch den eisigen Fahrtwind oder zumindest davon bewusstlos geworden waren. Die Lkw mussten nämlich zehn bis 15 Minuten lang den Motor laufen lassen. So lange dauert der hydraulische Hochfahrprozess für die Fahrzeuge. Weil die drei zu diesem Zeitpunkt nicht davon gelaufen sind, vermuten wir, dass sie vielleicht nicht mehr bei Bewusstsein waren“, schildert der Wörgler Polizist.

Genaueres würde freilich erst eine Obduktion ergeben. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen zur Identitätsfeststellung übernommen. Die Beamten hoffen auf DNA-Treffer, dennoch wird der Prozess wohl schwierig.

Die beiden Lkw-Lenker erlitten einen Schock, einer von ihnen mussten vom Kriseninterventionsteam betreut werden. Im Einsatz standen Rettung, Feuerwehr und Polizei.

Der Zug war von den stichprobenartigen Kontrollen von Güterzügen, die die ÖBB und die Polizei wie berichtet seit gestern gemeinsam durchführen, nicht betroffen. (TT.com)

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