Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 27.03.2018


Tirol

Ein „gutmütiger“ Winter: Weniger tödliche Lawinenunfälle

Ein Osttiroler starb in Kärnten unter einer Lawine. Insgesamt gingen die tödlichen Unfälle heuer bisher aber zurück. Das hat mehrere Ursachen – auch den vielen Schnee.

Auch wenn es heuer sehr viele Bergungen gab, bei denen die Wintersportler lebend davonkamen, gab es sechs Tote zu beklagen. (Symbolfoto)

© zeitungsfoto.atAuch wenn es heuer sehr viele Bergungen gab, bei denen die Wintersportler lebend davonkamen, gab es sechs Tote zu beklagen. (Symbolfoto)



Von Marco Witting

Innsbruck – Die Tragödie ereignete sich bereits am Sonntag. Im Skigebiet Heiligenblut/Kärnten war ein 54-jähriger Skifahrer aus Osttirol im freien Skiraum in Richtung Fleißtal unterwegs. In einem circa 45 Grad steilen Osthang löste der Mann vermutlich selbst ein Schneebrett aus. Dabei wurde der erfahrene Skifahrer, der mit einem Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) ausgestattet war, etwa 360 Meter von den Schneemassen mitgerissen und rund eineinhalb Meter tief verschüttet. Einsatzkräfte der Bergrettung und Bedienstete der Bergbahnen entdeckten mittags das Schneebrett. Der 54-Jährige wurde von Bergrettern und der Besatzung des Notarzthubschraubers C 7 befreit, doch der Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen.

Auch auf Tiroler Gebiet gab es am vergangenen Wochenende mehrere Lawinenabgänge mit Verschütteten. Insgesamt ist die Zahl der Lawinentoten heuer stark rückläufig. Sechs Menschen starben bisher unter einer Lawine – das sind 50 Prozent weniger als im langjährigen Schnitt. Für Rudi Mair, Chef des Lawinenwarndienstes, hat das vor allem eine Ursache: „Wir hatten heuer zwar einen kernigen Winter. Doch solche schneereichen Perioden sind oft gutmütiger als andere. In den vergangenen zwei Jahren gab es jedenfalls insgesamt gesehen speziell für Tourengeher wesentlich schwierigere Bedingungen.“

Jedenfalls sei der Unterbau der Schneemengen auf den Bergen „sensationell gut“, wie Mair erklärt. Es habe kaum sehr flächige Abgänge gegeben, wo ein ganzer Hang abrutscht. Dazu komme, dass derartige Winter vor allem sehr gefährliche Spitzen hätten – sich die Lage dann aber rasch wieder entspanne. „Und wenn wir diese ganz gefährlichen Tage heuer hernehmen, etwa den 22. und 23. Jänner, dann muss man dazu sagen, dass es da dann auch weitläufige Straßensperren gab und auch gesperrte Skigebiete.“ Das habe dafür gesorgt, dass an diesen Tagen keine Wintersportler unterwegs waren und somit das Risiko auch gering war.

Natürlich gebe es auch den Faktor Glück. „Aber den haben wir immer“, sagt Mair. „Der Lawinengott ist durchaus auch ein gnädiger.“ Gleichzeitig seien natürlich alle tödlichen Unfälle sehr tragisch.

Was sich durchaus feststellen lasse, so der Leiter des Lawinenwarndienstes, sei, dass die Tourengeher mittlerweile alle sehr gut ausgerüstet und ausgebildet sind. Und informiert: „Uns erzählen teilweise die Hüttenwirte, dass der Lagebericht in der Früh reißenden Absatz findet.“

Eher gefährdet seien dagegen solche Wintersportler, die mit dem Lift nach oben fahren und dann im freien Skiraum abfahren, ohne sich mit der Lawinensituation befasst zu haben oder entsprechend ausgerüstet zu sein. „Man kann hier schon absolut sagen, dass es eine große Bewusstseinsbildung in weiteren Kreisen der Sportler gegeben hat.“