Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.07.2018


Tirol

Bei Gewittern im Gebirge: „Umdrehen und ab durch die Mitte“

Im Sommer steigt im Gebirge die Gefahr, von einem Gewitter überrascht zu werden.

© ZOOM-TIROL Die richtige Planung und ein früher Start können verhindern, dass man am Berg in ein Gewitter gerät.Foto: zoom.tirol



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Sommerzeit ist Gewitterzeit. Und wer nun im Gebirge unterwegs ist, sollte sich der Gefahren der Naturgewalt bewusst sein. Denn nicht immer enden Blitzunfälle am Berg so glimpflich wie jener vergangene Woche in Eben am Achensee. Dort wurde ein 44-jähriger Engländer am Donnerstagnachmittag infolge eines Blitzschlages rund fünf Meter von einem Grat geschleudert und verletzt. Der Mann konnte selbstständig mit seinem Handy einen Notruf absetzen, er wurde ins Krankenhaus Schwaz geflogen.

Die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen oder auch nur gestreift zu werden ist außerordentlich gering: Laut Österreichischem Alpenverein liegt diese bei eins zu drei Millionen. Und dennoch: Zwischen 2006 und 2016 wurden österreichweit 45 Unfälle durch Blitzschlag registriert – mit 68 Verletzten und sechs Toten, verweist der Alpenverein auf eine Statistik des Kuratoriums für Alpine Sicherheit.

Karl Gabl, Präsident des Kuratoriums, rät grundsätzlich dazu, Wanderungen und Bergtouren im Sommer möglichst früh am Tag zu beginnen und so zu planen, dass der Gipfel zu Mittag erreicht ist. „Im Juli haben wir in Tirol jeden dritten Tag einen Gewittertag. Und meistens fängt es nicht am Vormittag oder Mittag, sondern erst am Nachmittag zu blitzen und zu donnern an.“ Abgesehen vom frühen Start sollte man dann während der Wanderung immer wieder einen prüfenden Blick auf den Himmel werfen und darauf, was sich dort zusammenbrauen könnte. Werden die Wolken dunkler und dichter, dann sollte man sich nicht von falschem Ehrgeiz leiten lassen und auch einmal eine Tour abbrechen. „Umdrehen und ab durch die Mitte. Runter von exponierten Stellen. Der Berg bleibt ja da“, appelliert Gabl an die Vernunft von Wanderern und Bergsteigern.

Lässt die Tour keinen raschen Rückzug zu, dann sollte die Planung so erfolgen, dass für den Fall der Fälle auf dem Weg Schutzhütten aufgesucht werden können. Keinesfalls geeignet, sondern sogar gefährlich sind laut Gabl Holzhütten ohne Blitzableiter. Auch große und dicke Bäume oder Baumgruppen eignen sich nicht als Blitzschutz. Wer in ein Gewitter gerät, sollte sich in eine Mulde setzen und die Beine eng beisammen lassen, um eine möglichst kleine Fläche zu bilden. Der Abstand zu Bäumen, Ästen oder Felsen sollte in jedem Fall mindestens drei Meter betragen.




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