Letztes Update am So, 13.01.2019 17:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Frankreich

Gasexplosion in Paris forderte vier Todesopfer

In einer Bäckerei im neunten Arrondissement kam es am Samstagvormittag zu einer Detonation. Zwei Feuerwehrleute und eine Frau kamen ums Leben, 47 weitere Menschen wurden verletzt. Nun wurde ein viertes Todesopfer entdeckt.

Die Einsatzkräfte mussten neben dem fordernden Einsatz auch den Tod von zwei Kameraden verkraften.

© AFPDie Einsatzkräfte mussten neben dem fordernden Einsatz auch den Tod von zwei Kameraden verkraften.



Paris – Eine schwere Gasexplosion hat im Zentrum von Paris vier Menschen das Leben gekostet. 45 weitere Menschen wurden nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft bei dem Unglück am Samstag verletzt, neun von ihnen schwer. Bei den Todesopfern handelt um zwei Feuerwehrleute, die ein Gasleck in einem Gebäude untersuchen wollten, sowie um eine spanische Touristin und eine weitere Frau.

Am Einsatzort herrscht Chaos, Autos wurden zerstört, Fensterscheiben barsten durch die Druckwelle der Detonation.
Am Einsatzort herrscht Chaos, Autos wurden zerstört, Fensterscheiben barsten durch die Druckwelle der Detonation.
- AFP

Unglücksursache sei offensichtlich der Gasaustritt in dem Haus gewesen, erklärte Innenminister Christophe Castaner. In dem Gebäude im neunten Arrondissement der französischen Hauptstadt befanden sich neben Wohnungen eine Bäckerei und ein Restaurant.

Fensterscheiben barsten, Autos kippten um

Durch die Wucht der Detonation barsten die Fensterscheiben in der Umgebung, geparkte Autos kippten um. Auf der Straße lagen Trümmerteile, der untere Teil des Gebäudes war verwüstet und stand in Flammen. Die Schockwelle war vier Häuserblöcke weit zu spüren.

Mehrere Menschen wurden verletzt, zwei Feuerwehrleute starben.
Mehrere Menschen wurden verletzt, zwei Feuerwehrleute starben.
- AFP

In den Trümmern des zerstörten Gebäudes wurde einen Tag nach der Explosion die Leiche einer Frau gefunden. Kurz zuvor hatte die Feuerwehr erklärt, es werde nach einer vermissten jungen Frau gesucht, deren Wohnung über dem Zentrum der Explosion lag.

Nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft war die Feuerwehr wegen eines Gaslecks zu dem Gebäude gerufen worden. Die beiden getöteten Feuerwehrleute im Alter von 27 und 28 Jahren befanden sich demnach im Haus, als es zu der Explosion kam. Dem Außenministerium in Madrid zufolge erlag eine spanische Touristin, die mit ihrem Mann Paris besuchte, im Krankenhaus ihren Verletzungen.

Innenminister Christophe Castaner.
Innenminister Christophe Castaner.
- AFP

Knapp 200 Feuerwehrleute standen im Einsatz.
Knapp 200 Feuerwehrleute standen im Einsatz.
- AFP

Präsident Emmanuel Macron erklärte auf Twitter, seine Gedanken seien bei allen Opfern des Unglücks. Die beiden getöteten Feuerwehrleute bezeichnete er als „Helden“.

Nach der Explosion war die Feuerwehr mit 200 Einsatzkräften im Einsatz, um die Flammen zu löschen und Hausbewohner über Leitern in Sicherheit zu bringen. Rettungskräfte versorgten die Verletzten vor Ort. Die meisten wurden wegen Kopfverletzungen behandelt.

Rund 50 Anwohner verbrachten die Nacht in Unterkünften, die die Stadtverwaltung kurzfristig organisiert hatte. Passanten legten am Sonntag zum Gedenken an die Opfer Blumen an der Unglücksstelle nieder.

Augenzeugin schildert Panik-Situation

„Ich schlief und wurde von der Erschütterung geweckt“, berichtete Claire Sallavuard, die in dem betroffenen Gebäude in der Rue de Trévise wohnt. „Alle Fenster der Wohnung explodierten, alle offenen Türen sprangen aus den Angeln. Um aus dem Zimmer zu kommen, musste ich über die Tür laufen, die Kinder waren in Panik, weil sie nicht aus ihrem Zimmer kamen.“ Die Feuerwehr brachte die Familie schließlich über eine Leiter in Sicherheit.

Viele Touristen verließen überstürzt ihre Hotels in der Gegend, wie eine AFP-Reporterin beobachtete. Einige liefen im Schlafanzug oder halb angezogen auf die Straße. Zu sehen war auch ein verstört wirkender Mann, der barfuß und mit staubbedeckten Haaren von Rettungskräften versorgt wurde.

Der Pariser Stadtrat Alexandre Vesperini sagte in einem Interview, das Gasnetz in Paris sei in einem „Zustand des fortgeschrittenen Verfalls“. Die Explosion verglich er mit „einer wirklich mörderischen Kanonenkugel“. (APA/AFP)

Wegen eines Gaslecks waren Feuerwehrleute zu der Bäckerei angerückt. Dann kam es zu der Explosion.
Wegen eines Gaslecks waren Feuerwehrleute zu der Bäckerei angerückt. Dann kam es zu der Explosion.
- AFP