Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.02.2019


Bezirk Reutte

Bergrettung über Vorwürfe nach Lawinenabgang in Berwang empört

Das Opfer des glimpflich verlaufenen Lawinenabgangs im Berwanger Thanellerkar hatten sich in deutschen Medien echauffiert, dass der Hilfseinsatz der Tiroler Retter erst mit großer Verzögerung angelaufen sei.

Exakt 27 Minuten nach der Alarmierung standen die Bergretter der Ortsstelle Berwang/Namlos auf dem Lawinenkegel im Thanellerkar, um nach Verschütteten zu suchen.

© Bergrettung BerwangExakt 27 Minuten nach der Alarmierung standen die Bergretter der Ortsstelle Berwang/Namlos auf dem Lawinenkegel im Thanellerkar, um nach Verschütteten zu suchen.



Von Helmut Mittermayr

Berwang – Die Berwanger Bergretter sind fassungslos über die Vorwürfe Geretteter in deutschen Medien (die TT berichtete), die sie nach dem Lawinenabgang vom Sonntag erheben. Die zentrale Vorhaltung der Schwaben: Die Bergretter hätten viel zu lange gebraucht, erst eine Stunde nach dem glimpflich verlaufenen Lawinenabgang mit elf Betroffenen seien Lawinenhunde zur Nachsuche erschienen. Ein Allgäuer Mitglied der Bergwacht, vergleichbar mit der Bergrettung in Tirol, versteigt sich in der Augsburger Allgemeinen sogar zur Behauptung, dass die Einsatzkräfte in Bayern innerhalb von ein, zwei Minuten nach Eingang des Notrufs einsatzbereit sein müssten.

Markus Wolf, Ortsstellenleiter der Bergrettung Berwang/Namlos, machen solche Aussagen wütend. „Die Vorwürfe sind absurd. Wir waren so schnell wie noch nie im Einsatz. Die Alarmierung erfolgte um 13.53 Uhr. Bereits um 14.20 Uhr standen wir mit neun Mann an der Bergstation auf dem Lawinenkegel. Bald kamen weitere Kollegen der Bergrettung Bichlbach hinzu.“ Wolf macht deutlich, dass ja kein Bergrettungsmitglied daheim neben der Ausrüstung warte, bis es zur Alarmierung komme. Jeder müsse erst von der Arbeit wegspringen: „Wir machen das alle freiwillig, ehrenamtlich und ohne Entschädigung.“ Unter diesem Gesichtspunkt seien 27 Minuten eine Superzeit. Außerdem sei kurz zuvor ein zweiter Einsatz am Kelmer Joch mit einer Knieverletzung zu bewältigen gewesen, was einen Teil der Kapazitäten gebunden habe.

Für den Bergretter sind die Vorwürfe, dass etwa die Lawinenhunde zur Nachsuche erst nach einer Stunde gekommen seien, weltfremd. „Das Wetter war schlecht, es konnte nicht geflogen werden. Die Hundeführer aus Reutte, Nesselwängle und Stanzach, die an diesem Tag nach der Alarmierung in Einsatz gingen, mussten mit dem Auto nach Berwang fahren. Auch sie hätten keine Sekunde schneller sein können, nachdem der an sich übliche Überstellungsflug mit dem Hubschrauber nicht möglich gewesen sei. Wolf, auch Bergrettungs-Bezirksstellenleiter, sorgt sich um sein Team: „Wenn nach einem geradezu perfekt verlaufenen Einsatz mit größtem persönlichen Einsatz aller beteiligten Bergretter plötzlich haltlose Anschuldigungen in den Raum gestellt werden, kann das für Einzelne richtig demotivierend sein. Was ich nicht hoffe.“

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