Letztes Update am Di, 16.04.2019 11:55

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Notre-Dame in Flammen

Notre-Dame brannte: Großbrand im Stephansdom „sehr unwahrscheinlich“

Nach dem verheerenden Brand in Paris stellt sich die Frage, ob das Wahrzeichen Wiens einem ähnlichen Brand zum Opfer fallen könnte. Dompfarrer Toni Faber beruhigt.

Der Wiener Stephansdom.

© APA/GEORG HOCHMUTHDer Wiener Stephansdom.



Wien, Paris – Einen verheerenden Brand wie in der Pariser Kathedrale Notre Dame, könne es im Wiener Stephansdom nicht geben, beruhigte Dompfarrer Toni Faber: „Vor so einer Katastrophe brauchen wir uns hier in St. Stephan nicht sorgen.“ Der Dachstuhl des Domes ist nämlich nicht wie jener der Notre Dame aus Holz, sondern aus Stahl. Zusätzlich ist der Innenraum mit einem speziellen Brandschutzsystem ausgestattet.

Faber betonte im Gespräch am Dienstag, dass die Grundkonstruktion des Dachstuhls aus Waagner-Biro-Stahl bestehe – das sei sicherer. Einzig die Latten, welche die 270.000 Dachziegel halten, seien aus Holz. Zudem erfolge gerade die Erneuerung der Brandschutzmelder im Dachboden. „Wir sind auf gutem Weg, up to date zu sein.“

Spezielle Sensoren lösen nicht bei Weihrauch aus

Auch im Kircheninnenraum gibt es spezielle Sicherheitsvorkehrungen, wobei es sich dabei nicht um Brand- und Rauchmelder im klassischen Sinn handelt, da diese auch bei Weihrauchentwicklung anschlagen würden. Vielmehr handelt es sich laut Faber um spezielle Sensoren, die bei Weihrauch nicht Alarm auslösen. Zusätzlich stünden im Stephansdom zahlreiche Feuerlöscher – etwa in der Sakristei, bei den Eingängen oder an den Orten, wo Kirchenbesucher Kerzen anzünden – bereit.

Der Stephansdom brannte zuletzt Ende des Zweiten Weltkrieges im April 1945.
Der Stephansdom brannte zuletzt Ende des Zweiten Weltkrieges im April 1945.
- picturedesk

In den Nebenräumen befindet sich außerdem eine „gute Sicherheitsanlage“, führte der Dompfarrer weiter aus. Diese habe allerdings keine Direktverbindung zu Feuerwehr. „Wir hatten seinerzeit so viele Fehlermeldungen, dass wir gesagt haben, da braucht es Menschen.“ Der Portiersdienst des Domes sei rund um die Uhr besetzt und wenn ein Alarm ausgelöst wird, halte dieser zunächst Nachschau, veranschaulichte Faber das Prozedere.

Auch der Dombaumeister des Stephansdoms, Wolfgang Zehetner, sieht einen Großbrand im Wiener Wahrzeichen mit Verweis auf den eisernen Dachstuhl als „sehr unwahrscheinlich“ an. Lokale Brände seien natürlich möglich, etwa wenn ein Bild oder ein Einrichtungsgegenstand Feuer fange. „Aber die große Brandlast gibt es nicht mehr“, sagte er der APA.

Feuerwehr übt auch Brandeinsatz im Stephansdom

Nichtsdestotrotz gibt es Brandschutzpläne für den Dom. Im Vorjahr habe es auch eine Übung mit der Feuerwehr gegeben, berichtete Zehetner. Sollte im Dom tatsächlich etwas passieren, seien die Zufahrtsmöglichkeiten besser als rund um Notre Dame. „Es ist hier nicht so eng wie in Paris, es gibt mehr Freiflächen.“

Was den Wiederaufbau für die Pariser Kathedrale anbelangt, meinte Zehetner, dass es für das Gebäude exakte dreidimensionale Vermessungen gebe: „Das weiß ich, weil wir ein gemeinsames Forschungsprojekt hatten.“ Die Unterlagen seien also da, „aber das Handwerk ist heute nicht mehr in dieser Qualität und in dem Ausmaß vorhanden“, gab der Experte zu bedenken. Eventuell werde man aber schon demnächst Personal der Europäischen Dombaumeistervereinigung nach Paris entsenden. Gespräche mit Frankreich gebe es zwar noch nicht, aber immerhin erste Abstimmungen mit deutschen Kollegen, so Zehetner: „Möglich, dass wir auch einen Steinmetz aus Wien hinschicken.“

Sollte trotz der Sicherheitsmaßnahmen ein Feuer im Stephansdom ausbrechen, wäre dies ein Schaden von unschätzbarem Wert – denn: Der „Steffl“ ist nicht versichert. „Wir haben nach dem Hofburg-Brand 1992 darüber nachgedacht. Doch zu welchem Wert? Das ist nicht zu versichern“, sagte Faber. „Da investieren wir lieber mehr als zwei Millionen Euro im Jahr in die Instandhaltung und Renovierung.“ (APA)