Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 04.06.2019


Unfall

Wenn das Auto plötzlich nicht nur aus dem Auspuff raucht

Durchschnittlich viermal pro Tag geht in Österreich ein Auto in Flammen auf. Experten raten dazu, einen Feuerlöscher mitzuführen.

Steht ein Auto erst einmal in Vollbrand, lässt sich mit einem Handfeuerlöscher nichts mehr retten.

© zeitungsfoto.atSteht ein Auto erst einmal in Vollbrand, lässt sich mit einem Handfeuerlöscher nichts mehr retten.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Unterwegs auf der Brennerautobahn, ein plötzlicher Leistungsverlust des Pkw, gefolgt von Rauch aus der Motorhaube: Wie berichtet, ging vergangene Woche während der Fahrt das Auto von Tirols Rodelass Peter Penz in Flammen auf. Trotz Löschversuchs konnte er den Pkw nicht löschen, er brannte vollständig aus. Ebenfalls während der Fahrt fing am Sonntag ein Auto auf der Inntalautobahn Feuer, auch hier blieben die Löschversuche erfolglos, die Feuerwehr musste den Vollbrand löschen.

Dass Fahrzeugbrände keine Seltenheit sind, zeigt eine Statistik des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Demnach gehen jährlich in Österreich rund 1500 Fahrzeuge in Flammen auf – das sind im Schnitt immerhin vier Fahrzeuge täglich. Die Auslöser für Fahrzeugbrände sind in den meisten Fällen die „üblichen Verdächtigen“, wie Erwin Lettner, Stützpunktleiter des ÖAMTC Innsbruck, weiß: „Beim Lkw sind es sehr oft klemmende Bremsen, die zu einer enormen Hitzeentwicklung und schließlich zum Brand führen. Beim Pkw ist die Brandursache meist im Bereich der Elektronik zu suchen.“ Hier gehe die Gefahr vor allem von Kurzschlüssen oder Überlastung aus. Wer etwa im Auto zu viele Geräte an den Stromkreis anschließt, könnte damit die teilweise sehr dünnen Drähte und Kabel überhitzen. „Wenn die Kinder hinten einen Film schauen und vorne auch noch Handys angesteckt sind, kann das bereits zu viel sein“, warnt Lettner. Er rät daher Fahrzeughaltern, einen Feuerlöscher mitzuführen. „In den meisten Fällen steht das Auto ja nicht von einer Sekunde auf die andere in Vollbrand, sondern beginnt zunächst in Form eines Schwelbrandes zu rauchen“, so Lettner. Wer sein Fahrzeug dann sofort anhält und rechtzeitig mit der Brandbekämpfung beginnt, kann mit einem Feuerlöscher möglicherweise Schlimmeres verhindern. Bei Rauch im Motorraum sollte man die Haube allerdings vorsichtig nur einen Spalt öffnen, um den Brand nicht durch zusätzlichen Sauerstoff anzufachen. Wenn jedoch bereits größere Flammen zu sehen sind, sollte man sich und andere Fahrzeuginsassen in Sicherheit bringen und die Feuerwehr verständigen. „Um das Gewicht der Autos möglichst gering zu halten, wird heutzutage sehr viel Plastik verbaut. Wenn das einmal brennt, kann man mit einem Feuerlöscher nicht mehr viel retten“, weiß der Experte.

Auch Rene Staudacher von der Tiroler Landesstelle für Brandverhütung legt Autofahrern nahe, zumindest einen Zwei-Kilo-Löscher im Fahrzeug zu haben. „Dabei sollte es sich um einen Pulver- oder Schaumlöscher für die Brandklassen A und B – also für Feststoffe und Flüssigkeiten – handeln“, sagt Staudacher. Im Gegensatz zu Ländern wie Bulgarien, Griechenland, Montenegro, Polen, Rumänien oder Russland besteht in Österreich keine gesetzliche Verpflichtung, sein Auto mit einem Feuerlöscher auszurüsten.