Letztes Update am Mo, 09.09.2019 16:50

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Tödlicher SUV-Unfall: Hinweise auf epileptischen Anfall des Fahrers

Der Unfall in Berlin, bei dem ein SUV vier Menschen auf dem Gehsteig erfasste, könnte durch einen medizinischen Notfall des Fahrers ausgelöst worden sein.

Der  zerstörte SUV wird auf einen Abschleppwagen gehoben.

© dpaDer zerstörte SUV wird auf einen Abschleppwagen gehoben.



Berlin – Nach dem schweren Autounfall mit vier Toten in Berlin verdichten sich die Hinweise auf einen medizinischen Notfall des Fahrers als Ursache. Nach ersten Erkenntnissen könnte der 42-jährige Mann am Steuer des Sportgeländewagens (SUV) einen epileptischen Anfall erlitten haben. Das war am Montag aus Ermittlerkreisen zu erfahren.

Ein Sprecher der Polizei wollte das am Montag weder bestätigen noch dementieren. Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagte: „Wir schließen nach wie vor definitiv medizinische Gründe nicht aus.“ Die Polizei hatte nach dem Unfall mitgeteilt, dass es Hinweise auf einen medizinischen Notfall gegeben habe. Ob sie von dem Fahrer selbst, der älteren Beifahrerin oder Dritten stammten, wurde nicht mitgeteilt. Die Polizei will nun mit Hilfe der Krankenakte des Fahrers und einer Blutuntersuchung klären, ob er krank war und die Hinweise auf den Anfall stimmen.

Dazu muss die Staatsanwaltschaft die Beschlagnahmung der Akte in die Wege leiten. Ob das am Montag bereits geschehen war, war noch unklar. Die Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung führt, teilte lediglich mit: „Eine Ermittlungsgruppe der Polizei soll im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Umstände des Unfalls aufklären. Es werden Zeugen vernommen, die Daten des Unfallfahrzeugs ausgelesen sowie ein Video vom Unfallhergang ausgewertet. Weiteres kann derzeit nicht veröffentlicht werden.“

Vier Menschen auf dem Gehsteig niedergefahren

Der Porsche Macan war am Freitagabend von der Straße abgekommen und hatte vier Fußgänger überfahren. Nach Zeugenaussagen und einem Video fuhr der Wagen sehr schnell auf der Gegenfahrbahn am Verkehr, der auf der rechten Spur stand, vorbei. Er rammte eine Ampel, überfuhr die vier Menschen auf einem Gehweg, darunter einen dreijährigen Buben, durchbrach einen Bauzaun und kam erst auf einem Baugrundstück zum Stehen.

An der Unfallkreuzung Invalidenstraße und Ackerstraße musste am Montag die Polizei zwischenzeitlich den Verkehr regeln, weil die Fußgängerampel bei dem Unfall zerstört worden war. Die Beamten verließen den Unfallort nach Polizeiangaben im Laufe des Vormittags, so dass es laut Medienberichten zu einigen gefährlichen Situationen im Verkehr gekommen sein soll. Ab Mittag war die Polizei dann wieder im Einsatz. Ab dem Abend sollte nach Angaben der Senatsverkehrsverwaltung eine provisorische Ampel aufgestellt werden.

Unfall löste Debatte über SUVs in Städten aus

Bei der Berliner Polizei gab es am Montag inoffiziell heftige Kritik an Teilen der Politik, die schon in der Früh nach dem Unfall eine Debatte über Geländewagen in Städten losgetreten hatten – ohne Rücksicht auf die Familien der Opfer und ohne etwas über den Unfallverlauf und die Ursache zu wissen, wie es in der Behörde hieß.

Grünen-Politiker, die Deutsche Umwelthilfe, alternative Verkehrs-und Fußgänger-Verbände hatten am Samstag Einschränkungen für die Geländewagen gefordert. Auch bei einer Mahnwache am Samstag waren entsprechende Transparente und Flugblätter zu sehen.

Nach Einschätzung von Experten aus der Unfallforschung und der Polizei gibt es aber keine Hinweise dafür, dass der Unfall mit einer Limousine, einem Mittelklasseauto, einem Familien-Van oder einem Taxi anders verlaufen wäre. Viele Limousinen sind genauso schwer und schnell wie das Unfallauto. (APA, dpa)