Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.09.2019


Initiative

Haushalt viel gefährlicher als Straße: Aufklärung soll helfen

Unfälle verursachen in Tirol jährlich Kosten von rund 2,2 Mrd. Euro. Mehr Aufklärung soll die Risiken senken.

Sportmediziner Wolfgang Schobersberger, die Geschäftsführerin Rotes Kreuz Innsbruck Alexandra Tanda, LH-Stellvertreter Josef Geisler, der Präsident des Vereins Sicheres Tirol Karl Mark und Martin Pfanner vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. (v.i.)

© Sportmediziner Wolfgang Schobersberger, die Geschäftsführerin Rotes Kreuz Innsbruck Alexandra Tanda, LH-Stellvertreter Josef Geisler, der Präsident des Vereins Sicheres Tirol Karl Mark und Martin Pfanner vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. (v.i.)



Von Benedikt Mair

Innsbruck – Ob Hantieren mit einem Bügeleisen, Stutzen einer Hecke oder Treppensteigen – viele Menschen unterschätzen die Gefahren, die im Zuhause lauern. Nicht umsonst passieren in Tirol mehr als ein Drittel aller Unfälle mit einer Verletzung als Folge im Haushalt. Das hat das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) in einer Analyse im Auftrag des Vereins Sicheres Tirol festgehalten.

Insgesamt wurden hierzulande im vergangenen Jahr 82.400 Menschen bei einem Unfall verletzt. Mit 34.600 (42 Prozent) machen Freizeitunfälle den größten Teil aus, 24.900 davon passierten im Zusammenhang mit sportlichen Aktivitäten. Im Haushalt verunfallten 30.700 Menschen (37 Prozent), bei der Arbeit oder in der Schule 9900 (12 Prozent) und auf der Straße 7200 (9 Prozent).

Martin Pfanner, der für das KfV an der Erhebung mitgearbeitet hat, betonte bei der Vorstellung der Ergebnisse, dass besonders ältere Menschen vermehrt bei Unfällen verletzt werden. „Mit dem Eintritt in die Pension steigt das Risiko“, drückte er plakativ aus, was Zahlen aus der vergangenen Dekade belegen. Während in den Altersgruppen von null bis 64 Jahren zwischen den Jahren 2009 und 2018 die Zahl der Unfälle stark zurückging, stieg sie bei den über 65-Jährigen um 28 Prozent. Zum einen liege das an der demografischen Entwicklung, weiters seien Senioren immer aktiver. Bei den über 80-Jährigen steige dann hauptsächlich die Zahl der Haushaltsunfälle – etwa, wenn sie nachts auf dem Weg zur Toilette stolpern.

„Prävention ist ungemein wichtig“, sagte dazu Alexandra Tanda, Chefin des Roten Kreuzes Innsbruck. „Das zeigen auch die Zahlen der Analyse.“ Denn: Dort, wo seit Jahren Bewusstsein für Sicherheit geschaffen werde, wie beispielsweise auf der Straße oder bei der Arbeit, gebe es merklich weniger Verletzte. Da 30 Prozent aller Verunglückten beim Ausüben von Sport zu verzeichnen sind, brauche es „viele Maßnahmen, um das einzudämmen“, forderte Sportmediziner Wolfgang Schobersberger. „Um gezielt ansetzen zu können, braucht es noch genauere Analysen.“

Auch kostet die Behandlung von Unfallopfern und der Produktivitätsverlust durch Unfallopfer viel – im Jahr 2018 waren es in Tirol knapp 2,2 Milliarden Euro. Das sei eine „riesige Summe, da ist es auch wert, mehr Geld in Prävention zu stecken“, meinte Sicherheitslandesrat Josef Geisler (ÖVP). Wo genau mehr investiert werden soll, müsse noch erörtert werden. Genau dafür sei die Analyse auch gedacht, betonte Karl Mark, Präsident des Vereins Sicheres Tirol: „Sie ist eine wichtige Grundlage für politische Entscheidungen.“