Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 03.11.2019


Tirol

Verschuldeter Radunfall brachte Studenten an Rand des Ruins

Ein Fall zeigt, wie schnell ein Leben ohne Haftpflichtversicherung existenzbedrohend werden kann. Ein Tiroler musste selbst für Behandlungs- und Anwaltskosten von 12.000 Euro aufkommen.

Radfahrern ist oft nicht bewusst, dass eine Haftpflichtversicherung wichtig wäre.

© Getty ImagesRadfahrern ist oft nicht bewusst, dass eine Haftpflichtversicherung wichtig wäre.



Innsbruck – Ein Großteil der Tiroler ist über die Haushaltsversicherung auch haftpflichtversichert. Armin Singer, Prokurist der Tiroler Versicherung, schätzt das Bewusstsein der Tiroler hoch ein und hofft auf eine Versorgung von drei Viertel der Bewohner.

Ein Fall, der die Gerichte beschäftigt, zeigt, wie schnell ein Leben ohne Haftpflichtversicherung existenzbedrohend werden kann. Ein Radfahrer hatte einen Passanten, der einen Zebrastreifen querte, übersehen, der Mann wurde niedergestoßen und verletzt. Für Behandlungskosten des Opfers in der Höhe von rund 5000 Euro muss nun der unversicherte Student selbst aufkommen, zudem schlagen die Anwaltskosten mit rund 7000 Euro zu Buche.

„Die meisten jungen Menschen sind über die Eltern haftpflichtversichert. Zieht man von zu Hause aus, ist es wichtig zu schauen, dass weiterhin ein Versicherungsschutz besteht.“ Der Fall, in dem eine derartige Versicherung schlagend wird, tritt häufig ein. Singer weiß vom höchsten Versicherungsfall zu berichten. „Für einen 25-jährigen Skifahrer, der in einen 65-jährigen Sportler gerast war, mussten wir 46.000 Euro bezahlen.“ Man stelle sich vor, der junge Mann hätte keine Haftpflichtversicherung gehabt. Die Prämien sind bei dieser Versicherung relativ günstig, da sie über die Haushaltsversicherung abgedeckt wird. Gabi Kreindl vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) erklärt, dass die Haftpflichtversicherung unverzichtbar sei. „Jungen Menschen, die nicht mehr zu Hause mitversichert sind, ist das oft nicht bewusst, sie versichern eher ihr Handy, als eine Haftpflichtversicherung abzuschließen.“ Zwar komme es nur selten zu hohen Schadenersatzforderungen, wird aber wie etwa beim Radfahren jemand verletzt, könne das schnell existenzbedrohend werden.

Laut Kreindl sind oft einzelne Bausteine in Versicherungsprodukten unnötig. Immer wieder gebe es Angebote, die auftauchen, wie etwa eine tageweise Unfallversicherung via App für die Skipiste, die aber auch bald wieder vom Markt verschwand. „Eine private Unfallversicherung ist sinnvoll, aber fürs ganze Jahr, rund um die Uhr und nicht nur für den Tag auf der Skipiste“, so Kreindl. Auch Hochzeits-Rücktrittsversicherungen oder Schlechtwetterversicherungen gebe es. „Da braucht es eine genaue Bedarfsprüfung“, rät Kreindl. Wichtig ist, dass Hundebesitzer eine erweiterte Haftpflichtversicherung abschließen. Viele Gemeiden schreiben das bereits vor. (pla)

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