Letztes Update am Mo, 18.11.2019 17:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wetterchaos in Tirol

650 Gäste können aus Stubaital raus: Ranalter Straße geöffnet

Die Sperre im hinteren Stubaital wurde aufgehoben. Am Sonntag war ein Kleinbus mit sechs Insassen von einer Lawine erfasst worden. Ein Hangrutsch sorgte indes für eine Sperre der Brennerstraße bei Schönberg. Zu Überschwemmungen kam es im Unterland.

Die Stubaier Gletscherstraße musste wegen einer Lawine gesperrt werden. Seit Montagnachmittag ist sie wieder befahrbar.

© zeitungsfoto.atDie Stubaier Gletscherstraße musste wegen einer Lawine gesperrt werden. Seit Montagnachmittag ist sie wieder befahrbar.



Innsbruck — Nachdem im hinteren Tiroler Stubaital am Montagvormittag noch Hunderte Gäste und Mitarbeiter der Gletscherbahnen beim Gletscherskigebiet eingeschlossen waren, kann nun Entwarnung gegeben werden: Oberhalb der L232 Ranalter Straße wurden Lawinensprengungen durchgeführt, die anfallenden Schneeräumarbeiten werden am Nachmittag abgeschlossen. Seit 14 Uhr ist die Ranalter Straße wieder einspurig befahrbar.

Die von der Straßensperre betroffenen Personen — wie am Vormittag bekannt wurde, insgesamt 650 Gäste und Mitarbeiter — können talauswärts ausfahren.

Nach einem Lawinenabgang auf die Ranalter Straße in der Nähe der Talstation musste die Straße am Sonntag gesperrt werden. Die Eingeschlossenen mussten die Nacht im Hotel bei der Talstation und in den Räumlichkeiten der Gletscherbahn verbringen. Die Lawine war auf die Privatstraße der Stubaier Gletscherbahnen zwischen der "Goldschrofengalerie" und der "Tschangelairalm" abgegangen und hatte den Pkw eines talauswärts fahrenden 48-jährigen Deutschen erfasst, der noch fünf weitere Insassen in seinem Kleinbus dabei hatte. Das Fahrzeug wurde von einem Ausläufer des Lawinenkegels erwischt, neben die Straße in einen Graben geschoben und von mittransportierten Baumstämmen überdeckt.

Die sechs Insassen konnten sich selbst befreien und blieben bis auf zwei 52-jährige Frauen, die sich Schnittverletzungen an den Händen zugezogen hatten, unverletzt. Der Pkw wurde schwer beschädigt. Die Fahrbahn selbst wurde auf mehreren Metern komplett verschüttet. Aufgrund der vor Ort herrschenden Witterungsbedingungen und der Lawinengefahrenstufe mussten die Räumungsarbeiten abgebrochen werden. Die Straße blieb also vorerst gesperrt. Davon waren etwa 250 Personen betroffen, die sich noch innerhalb der derzeit nicht passierbaren Stelle der Straße befinden und im Hotel bei der Talstation in Mutterberg und weiteren Räumlichkeiten der Stubaier Gletscherbahnen untergebracht und versorgt wurden.

Brennerstraße zwischen Stefansbrücke und Schönberg gesperrt

Nach einem Hangrutsch am Sonntag auf die Brennerstraße (B182) zwischen Stefansbrück und Schönberg muss die Straße voraussichtlich bis Mittwoch gesperrt bleiben. "In der Nacht ist weiteres Material abgerutscht. Zudem drückt feuchtes Gesteinsmaterial auf die bestehende Sicherungswand aus Holz", erklärte Landesgeologe Roman Ausserlechner.

Auch auf der Sellrainer Straße (L13) wurde bereits am Sonntagvormittag ein Fahrzeug von einem Schneebrett erfasst. Eine 29-jährige Deutsche war gegen 9 Uhr mit ihrem Auto von Kühtai Richtung Kematen unterwegs, als eine etwa 20 Meter breite Lawine das Auto im Frontbereich "streifte". Verletzt wurde die Frau zum Glück nicht, ihr Auto war nur leicht mit Schnee bedeckt. Die L13 wurde daraufhin ab dem Ortsteil Haggen gesperrt.

Der Dauerrregen führt auch im Unterland zu Überflutungen durch übergegangene Bäche. In Hochfilzen stand die Feuerwehr am Sonntagnachmittag im Einsatz.
Der Dauerrregen führt auch im Unterland zu Überflutungen durch übergegangene Bäche. In Hochfilzen stand die Feuerwehr am Sonntagnachmittag im Einsatz.
- ZOOM.TIROL

Gesperrte Zugstrecken

  • In Osttirol bleibt die Bahnstrecke im Drautal unterbrochen. Auch dort ist ein Schienenersatzverkehr aufgrund von Lawinengefahr nicht möglich. Die Drautalbahn bleibt laut ÖBB vorraussichtlich bis zum 30. November gesperrt.
  • Die Streckensperre für die Bahnverbindung zwischen Lienz und San Candido/Innichen bleibt bis auf weiteres aufrecht. Die Schäden an der Strecke betreffen die Masten und Oberleitungen, sowie Verlegung der Strecke. Es gibt Schienenersatzverkehr zwischen Lienz und Sillian.
  • Die Strecke München — Verona konnte am Montag wieder für den Personenverkehr geöffnet werden. Züge verkehren demnach wieder planmäßig.
  • Salzburg-Tiroler-Bahn: Die nach einem Murenabgang gesperrte Bahnstrecke auf der Salzburg-Tiroler-Bahn im Abschnitt zwischen Hochfilzen und Saalfelden ist seit 14 Uhr wieder eingleisig befahrbar. Die Fahrgäste werden gebeten, mehr Reisezeit einzuplanen.
  • Weststrecke (Deutsches Eck): Die Unterbrechung aufgrund einer Oberleitungsstörung auf deutscher Seite bei Kiefersfelden wurde aufgehoben. Der Zugverkehr läuft dort wieder normal.
  • Die Außerfernbahn bleibt wegen Sturmschäden voraussichtlich bis Montagabend gesperrt.

Die ÖBB empfiehlt allen Reisenden, sich vor geplanten Reisen nochmals über den aktuellen Status online unter www.oebb.at oder telefonisch unter 07-1717 zu informieren.

Überschwemmungen und Muren im Unterland

Im Tiroler Unterland erreichten am Sonntag einige Pegel von Flüssen und Bächen jene Wasserstände, die im langjährigen Durchschnitt einmal in fünf Jahren zu verzeichnen sind. In Hochfilzen führten der Nassschnee und der Dauerregen zu Überschwemmungen. Zudem kam es in mehreren Bezirken zu kleinen Murenereignissen, bei denen zum Glück keine Personen verletzt wurden.

Auch am Zirlerberg kam es am Nachmittag infolge eines Unfalls zu einer kurzzeitigen Totalsperre.
Auch am Zirlerberg kam es am Nachmittag infolge eines Unfalls zu einer kurzzeitigen Totalsperre.
- Zeitungsfoto.at
Auf die Ranalter Straße ging am Sonntag eine Lawine ab und erfasste einen Kleinbus. Die Straße wurde in der Folge gesperrt.
Auf die Ranalter Straße ging am Sonntag eine Lawine ab und erfasste einen Kleinbus. Die Straße wurde in der Folge gesperrt.
- zeitungsfoto.at / Team

Lawinenwarnstufe 4 auch am Montag

In Osttirol und entlang der südlichen Ötztaler Alpen, in der Brennerregion und in den südlichen Stubaier Alpen bis zum Zillertaler Hauptkamm herrschte nach wie vor Lawinenwarnstufe 4 der fünfteiligen Skala, also große Lawinengefahr. Dementsprechend wurde von Aufenthalten abseits der gesicherten Pisten dringend abgeraten. Auch beim Aufenthalt im Wald bzw. im Freien sei Vorsicht geboten, denn aufgrund des schweren Nassschnees herrsche Baumbruchgefahr. (TT.com, APA)