Letztes Update am Mo, 21.07.2014 23:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Flammeninferno in Innsbruck

Großbrand im O-Dorf: Technisches Gebrechen ausgeschlossen

Am Dach eines Wohnhauses im Olympischen Dorf in Innsbruck brach am Sonntagabend ein Brand aus, mehrere Gasflaschen explodierten. Die Bewohner konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Die Ermittlungen gehen nun in Richtung Fahrlässigkeit oder Brandstiftung.

Auf dem Dach des Wohnhauses explodierten drei Gasflaschen.

© SchneiderbauerAuf dem Dach des Wohnhauses explodierten drei Gasflaschen.



Innsbruck - Am Dach eines elfstöckigen Wohnhauses in der An-der-Lan-Straße im Innsbrucker Olympischen Dorf ist am Sonntag gegen 22 Uhr ein Brand ausgebrochen. Auf dem Flachdach war es laut Polizei zu drei Explosionen gekommen (siehe auch die Videos von Julian Rampl und Volkan Uzel unten). Dort waren Gasflaschen sowie Dämm- und Isolationsmaterialien für bevorstehende Flämmarbeiten gelagert. Die Flammen schlugen mehrere Meter in die Höhe, dicker schwarzer Rauch stieg auf. Alle Bewohner konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.

Technisches Gebrechen ausgeschlossen

Die Ermittler haben ein technisches Gebrechen vorerst ausgeschlossen. „Nach derzeitigem Stand deutet vieles daraufhin, dass es ein Zutun von außen gegeben hat“, erklärte LKA-Ermittler Markus Hammerl. Ob es sich dabei um Fahrlässigkeit oder um Brandstiftung gehandelt habe, sei unklar.

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- ZOOM-TIROL

„Wir ermittlen in alle Richtungen. Fest steht derzeit nur, dass es keine technische Ursache gab“, so Hammerl. Brandbeschleuniger hätten die Ermittler keine gefunden. Aber die Materialen, die auf dem Dachboden vorhanden waren, seien ohnedies leicht brennbar gewesen.

Konkrete Hinweise auf einen möglichen Täter gab es vorerst keine. Zudem liege auch die Vorgehensweise derzeit im Dunkeln, erklärte Hammerl. In den nächsten Tagen würden die Ermittlungen unter anderem mit tiefergehenden Untersuchungen und Befragungen fortgeführt. Unter anderem sollen die Bewohner nach etwaigen verdächtigen Wahrnehmungen befragt werden.

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Großteil der Bewohner kann am Montag zurückkehren

In einer Pressekonferenz der Stadt informierten am Montagvormittag Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, Vizebürgermeister Christoph Kaufmann, Branddirektor Erwin Reichel und der Amtsvorstand für Allgemeine Sicherheit, Elmar Rizzoli, über den Großbrand. Der Großteil der Bewohner wird demnach bereits im Laufe des Tages wieder in das Haus zurückkehren können. Der zehnte Stock allerdings, der direkt unter dem Dach liegt, ist aufgrund des umfassenden Wasserschadens durch die Löscharbeiten unbewohnbar. Die Sanierungsarbeiten dürften dort zumindest zwei Monate in Anspruch nehmen.

Betroffen sind acht Wohnungen. In Gesprächen mit den Bewohnern sollen für diese nun vorübergehende Unterkünfte organisiert werden.

Gasflaschen konnten in Sicherheit gebracht werden

„Als wir am Einsatzort eintrafen, explodierten drei der Gasflaschen. Wir traten daraufhin erst einmal den Rückzug an, bis wir uns über die Situation informieren konnten“, erklärte Einsatzleiter Christoph Grubhofer von der Berufsfeuerwehr Innsbruck am Montagmorgen im Interview mit LIFE Radio Tirol. „Weitere Gasflaschen konnten wir kühlen und in Sicherheit bringen. Es bestand bei dem Einsatz große Gefahr, es ist Glück, dass keine Einsatzkräfte verletzt wurden.“ Knapp 150 Feuerwehrleute standen im Einsatz, in den frühen Morgenstunden wurde die gesamte Mannschaft ausgetauscht, um frische Kräfte an den Einsatzort zu bringen.

Die Berufsfeuerwehr stand stundenlang mit allen verfügbaren Kräften im Einsatz, sie wurde unterstützt von mehreren Freiwilligen Feuerwehren aus Innsbruck und Umgebung. Auch der Rettungsdienst hatte Großalarm ausgerufen.

Knapp 300 Menschen evakuiert

Aufgrund des Windes zog die Brandwolke über das gesamte Stadtgebiet. Die Leitstelle Tirol hatte deshalb die Bevölkerung aufgerufen, die Fenster geschlossen zu halten. Die Bewohner des betroffenen Hauses sowie eines Nachbarhauses mussten evakuiert werden. Insgesamt mussten knapp 300 Personen ihre Wohnungen verlassen. 20 mussten die Nacht im Turnsaal der naheliegenden Schule verbringen, andere kamen bei Freunden oder Verwandten unter. Die Polizei sperrte das Einsatzgebiet großräumig ab.

Die Alarmierung der Rettungskräfte dürfte von außerhalb des Hauses erfolgt sein. Als die Bewohner des Hauses den Rauch bemerkten, seien bereits Feuerwehrsirenen zu hören gewesen, sagten diese gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Den Knall der Explosionen beschrieben Bewohner als schmerzhaft laut, Panik sei aber nie aufgekommen.

Am Vormittag bekamen die evakuierten Bewohner die Möglichkeit, unter Begleitung der Feuerwehr wichtige Gegenstände wie Medikamente oder Dokumente aus den Wohnungen zu holen. Wie es dann weitergeht, müssten Techniker und Statiker entscheiden, erklärte Elmar Rizzoli, Leiter der Abteilung Allgemeine Sicherheit bei der Stadt. Laut Einsatzleiter Grubhofer musste im Zuge des Einsatzes das oberste Stockwerk aus statischen Gründen abgestützt werden.

Offiziell „Brand aus“ am Montagmittag

Auch im Laufe des Montagvormittags mussten immer wieder Nachlöscharbeiten durchgeführt werden, erst zu Mittag konnte laut der Leitstelle Tirol offiziell „Brand aus“ gegeben werden. Derzeit laufen noch Aufräumarbeiten und Kontrollen der gelöschten Brandherde.

Laut Polizeiangaben versorgte die Rettung 18 Bewohner, neun davon wurden in die Klinik Innsbruck u.a. wegen des Verdachts auf Rauchgasvergiftungen eingeliefert.

Das gesamte Gebäude musste rasch evakuiert werden.
Das gesamte Gebäude musste rasch evakuiert werden.
- Leserfoto Eric Hosp

Auch Rotes Kreuz mit Großaufgebot vor Ort

Zusätzlich zum normalen Nachtdienst bot auch das Rote Kreuz 73 Einsatzkräfte und mehr als 20 Einsatzfahrzeuge auf. „Wir mussten bis Mitternacht 16 Patienten versorgen, dabei waren einige Patienten, die aufgrund ihres schlechten Allgemeinzustandes unabhängig vom Feuer zu Notfallpatienten wurden“, so der Leitende Notarzt Dr. Daniel Oberladstätter.

In einer benachbarten Mehrzweckhalle wurde notdürftig eine Sammelstelle für Unverletzte eingerichtet. Dort kümmerten sich einige Kriseninterventionsteams um die Menschen in Not. „Betten, Getränke und Babynahrung wurden durch das Rote Kreuz an den Einsatzort gebracht, sodass die ersten Grundbedürfnisse gestillt werden können“, erklärte Bezirksrettungskommandant Christian Schneider in einer Presseaussendung. (TT.com/APA)

In der Nacht zum 21. Juli brach im O-Dorf am Dach des Hochhauses in der An-der-Lan-Straße 41/43 ein Feuer aus.
In der Nacht zum 21. Juli brach im O-Dorf am Dach des Hochhauses in der An-der-Lan-Straße 41/43 ein Feuer aus.
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