Letztes Update am So, 26.10.2014 07:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Katastrophenübung in Tirol

Bahntunnel fordert die Helfer



Kramsach – Es ist eine gespenstische Szene. Tief im Berg, zwischen zwei Notausgängen, steht ein Zug, aus dem Wimmern und verzweifelte Schreie zu hören sind. Mühsam müssen sich die Rettungsmannschaften entlang oder auf den Schienen des Münsterer Tunnels der Unterinntalbahn den Weg zu dem Zug bahnen. Ihnen kommen verschreckte und verletzte Menschen entgegen. Ein Katastrophenfilm scheint hier Realität geworden zu sein. Und wenn das Übungsszenario, das gestern an die 400 Helfer und 100 Statisten auf Trab hielt, Realität werden würde, dann müsste auch der Katastrophenalarm in Tirol ausgelöst werden. Denn ein Unfall mit einem Zug im rund 17 Kilometer langen Münsterer Tunnel würde eine im Land einmalige Rettungskette auslösen. So sind gestern an die 300 Feuerwehmänner aus dem Bezirk Kufstein, 80 Notärzte und Sanitäter, Polizisten und ÖBB-Mitarbeiter an vier Stellen des Tunnels im Einsatz. Annahme ist, dass es zu einem Zusammenstoß eines Reisezuges mit einem Arbeitszug kommt und ein weiterer Arbeitszug zu brennen beginnt.

„Es ist eine besondere Herausforderung“, weiß Bezirksfeuerwehrinspektor Stefan Winkler. Man müsse sehr beengt arbeiten und im Falle eines Feuers mit schwerem Atemschutz bei beeinträchtigter Sicht in den Tunnel vordringen. Zwar sind befahrbare Rettungsstollen bis zum Haupttunnel vorhanden, aber trotzdem wäre auch der Einsatz der Gerätschaften nur bedingt möglich. Eine extreme psychische wie physische Belastung für die Helfer. Daher sind Übung wie jene gestern dringend notwendig. Wobei sie in dieser Dimension nur alle vier Jahre stattfinden können. Geübt wurde auch das Zusammenspiel mit dem ÖBB-Personal vor Ort.

Nach zwei Stunden konnten die Züge wieder durch den Tunnel rollen und die Helfer in der Hoffnung, dass die Übung nie Realität wird, nach Hause fahren. (wo)