Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.08.2015


Prägraten

Bergretter klagt nach Helidrama

Dass man als Opfer eines Flugunfalls schlechter dran ist als ein Pkw-Insasse, zeigte gestern die Klage eines ausgeklinkten Retters.

(Symbolfoto)

© TT/Thomas Böhm(Symbolfoto)



Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Prägraten – Im April 2012 kam es zu einem der bislang bittersten Ereignisse für die Tiroler Bergrettung und Alpinpolizei. Zwei Retter und ein Alpinpolizist hatten sich für einen Rettungseinsatz rund um einen verunglückten Slowaken per Hubschrauber am Bergetau zum Rainer Törl am Großvenediger begeben. Dort war der Hubschrauber jedoch in einer Nebelwand und starkem Föhn in Turbulenzen geraten. Der Pilot klinkte in Panik und unter Falscheinschätzung der Flughöhe das Tau aus.

Alle drei Personen stürzten darauf aus mindestens zehn Metern auf Eis. Der Chef der Osttiroler Alpinpolizei starb, die Bergretter wurden verletzt. Einer von ihnen wurde so schwer verletzt, dass er den Arbeitsplatz wechseln musste und Dauerfolgen befürchten muss. Da die Staatsanwaltschaft jedoch kein Verschulden beim Piloten erkennen konnte – er hatte ausgeklinkt, um das Trio vor dem allenfalls abstürzenden Heli zu retten –, sieht es mit Schadenersatz für die zahlreichen und teuren Behandlungen jedoch trist aus. Gerade 114.000 Euro gesteht der österreichische Gesetzgeber Opfern von Flugunfällen aus verschuldensunabhängiger Haftung zu. Darüber wäre eigentlich Schluss. Eine bittere Pille. Sind es in Dänemark doch beispielsweise 1,3 Millionen Euro und weist jede simple Kfz-Haftpflicht eine gesetzliche Mindestdeckungssumme von sieben Millionen Euro (normal 15) auf.

Um Kosten und Entgang abdecken zu können, klagte der Bergretter über Anwalt Johannes Hibler gestern am Landesgericht etliche Positionen vom Piloten, dem Heli-Unternehmen und der Versicherung ein. Der Pilot hätte den Flug bei so schlechten Bedingungen nicht durchführen dürfen, zudem sei er im Personentransport unerfahren und mit dem Gelände nicht vertraut gewesen. Zuletzt hätte der Alpinpolizist gar nicht mittransportiert werden dürfen. Alle diese Punkte würden eine Verschuldenshaftung begründen.

Aufgrund der enormen Komplexität des Falls, benötigter Gutachten und einer Verjährungsproblematik durch das EU-Flugrecht riet der erfahrene Richter Hannes Neurauter jedoch zur Besonnenheit vor einem Verfahren, das letztlich über alle Instanzen ein knappes Jahrzehnt dauern könnte. Da nahm auch die Versicherung Vergleichsgespräche gerne auf. Nun stehen für Anwalt Hibler pauschal 35.000 Euro im Raum, um die letzten Ansprüche zu begleichen.