Letztes Update am Mo, 07.12.2015 15:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbrucker Klinik

Kardiologie-Chef soll 200 Patienten geprellt haben

Der Primararzt der Kardiologie in Innsbruck soll mit ungerechtfertigten Rechnungen einen Schaden von 50.000 Euro verursacht haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zudem wegen fahrlässiger Tötung.

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© Thomas BöhmSymbolfoto.



Innsbruck – In einer Woche wollen die Klinikführung und die Medizin-Uni darüber entscheiden, ob der Primar der Kardiologie in Innsbruck, Wolfgang-Michael Franz, gehen muss oder nicht. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.

Am Montagnachmittag wurde der Bericht der unabhängigen Expertenkommission der Öffentlichkeit präsentiert. Die vier Gutachter nahmen Franz‘ Patienten-Abrechnungen und seine Mitarbeiterführung unter die Lupe.

200 Patienten eine ungerechtfertigte Rechnung gestellt

Das Ergebnis ist für den Kardiologen schwerwiegend. 200 Patienten habe Franz eine Rechnung gestellt, die sie eigentlich nicht bekommen hätten dürfen. Es handelt sich um normalversicherte, ambulante Patienten, die zu viel gezahlt hätten. Es ist ein Schaden von 50.000 Euro entstanden, erklärte der Vorstand der tirol kliniken, Stefan Deflorian, bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Das Geld müsse Franz zurückzahlen, wenn sich Patienten melden würden, meinte Deflorian.

Helga Fritsch, Rektorin der Medizin-Universität, und Stefan Deflorian, Vorstand der tirol kliniken, suchen gemeinsam eine Lösung. (Archivfoto)
Helga Fritsch, Rektorin der Medizin-Universität, und Stefan Deflorian, Vorstand der tirol kliniken, suchen gemeinsam eine Lösung. (Archivfoto)
- zeitungsfoto.at

Auch bei der Mitarbeiterführung schnitt Franz schlecht ab. Vor mehr als einem Jahr hatten sich Oberärzte an der Kardiologie über Franz beschwert. Dabei ging es in erster Linie um die offenbar mangelnden klinischen Fähigkeiten des Professors. Mehrere Todesfälle und Komplikationen wurden untersucht. Man lasse diese erneut prüfen, ein Sachverständiger aus der Schweiz sei beauftragt, die „zwei bis drei Todesfälle und Komplikationen“ zu prüfen. Insgesamt gehe es um sechs bis sieben Patienten, erklärte Deflorian.

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Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und hat ein Sachverständigengutachten eingeholt. Dieses liege seit Mitte November vor. Es hätten sich noch weitere Fragen ergeben. Die Staatsanwaltschaft habe noch einmal das Landeskriminalamt eingeschaltet.

Franz ist Angestellter der Medizin-Universität. Deren Rektorin, Helga Fritsch, hielt sich bei der Pressekonferenz zurück. Die Universität wolle die Ergebnisse der Kommission von einem Rechtsanwalt prüfen lassen. Bis dato hat sich die Medizin-Universität noch nie von einem Primararzt getrennt - außer im Einvernehmen. (aheu)