Letztes Update am Mi, 09.12.2015 17:35

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Justiz und Kriminalität

Erneut Massengrab in der Nähe von Srebrenica entdeckt

Ein Augenzeuge des Massakers hatte jahrelang geschwiegen, letztlich aber den entscheidenden Hinweis zu dem Massengrab gegeben.

Die Gedächtnisstätte Potocari wurde in Andenken an die Opfer des Srebrenica-Massakers geschaffen.

© ReutersDie Gedächtnisstätte Potocari wurde in Andenken an die Opfer des Srebrenica-Massakers geschaffen.



Srebrenica – Mehr als 20 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica ist unweit der Stadt in Bosnien erneut ein Massengrab entdeckt worden, das Gebeine der Opfer enthalten könnte. Wie die zuständige Staatsanwaltschaft mitteilte, begannen bosnische Forensiker am Mittwoch mit der Exhumierung der Leichen. Entdeckt wurde das Grab demnach im Dorf Kozluk, etwa 70 Kilometer nördlich von Srebrenica.

Bisher seien die sterblichen Überreste von „mindestens 15 Opfern“ gefunden worden, erklärte die Staatsanwaltschaft. An dem Ort, wo das Massengrab entdeckt wurde, seien damals rund tausend muslimische Männer und Buben getötet worden. Noch immer sei der Verbleib von 200 von ihnen unklar.

Den Hinweis auf das Grab bekamen die Behörden von einem bosnischen Serben, der Zeuge der Gräueltaten wurde, wie die Vorsitzende der Organisation Mütter von Srebrenica, Munira Subasic, sagte. Der Mann habe sie in einem kleinen Restaurant in Kozluk sprechen wollen. „Er sagte zu mir: ‚Ich muss Dir etwas erzählen. Hier in der Nähe gibt es ein Massengrab. Ich kann vor Schuldgefühlen nicht mehr schlafen‘.“

Schon im Jahr 1999 waren in Kozluk drei Massengräber mit Gebeinen von insgesamt 340 Opfern gefunden worden. Das Massaker von Srebrenica im Juli 1995 war das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg und wurde vom UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag als Völkermord eingestuft. Kurz vor dem Ende des Bosnienkriegs waren damals bosnisch-serbische Milizen in die UN-Schutzzone einmarschiert und hatten an leichtbewaffneten niederländischen UN-Blauhelmsoldaten vorbei rund 8000 muslimische Buben und Männer verschleppt und getötet. (APA/AFP)

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