Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 03.02.2016


Tirol

Nach Tod von Ex-Miss: Ena Kadics Eltern misstrauen Freund

Ena Kadics Eltern haben bei der Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Mitwirkung am Selbstmord angeregt. Ena stand mit einem Vertrauten noch nach dem Sprung in Kontakt.

© Gerry FrankDie Tiroler Ex-Schönheitskönigin Ena Kadic.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – 2013 ging die Innsbruckerin Ena Kadic als strahlende Siegerin aus den Miss-Austria-Wahlen hervor. Nur zwei Jahre später, am 16. Oktober 2015, wurde die schöne Tirolerin unterhalb der Bergisel-Aussichtsplattform „Drachenfelsen“ schwerst verletzt aufgefunden. Nur Tage später erlag die 26-Jährige in der Intensivstation ihren inneren Verletzungen, die sie sich durch den 30-Meter-Absturz zugezogen hatte. Bis heute sind die Umstände der Tragödie nicht aufgeklärt. Das ausgewertete Handy der Innsbruckerin legt aber einen Freitod nahe. Hatte Ena Kadic doch vor dem Sturz einem Verwandten per Kurznachricht angekündigt, dass sie versuchen werde, sich das Leben zu nehmen und ihr Auto beim Bergisel geparkt sei.

Zeitnah scheint auf dem Handy allerdings auch immer wieder die Nummer eines engen Bekannten von Ena Kadic auf. Selbst nach dem Sturz soll die Miss erst noch die Nummer des Mannes anstatt die der Eltern angewählt haben. Dass genau dieser Mann – es gilt die Unschuldsvermutung – noch immer nicht einvernommen wurde, lässt Kadics Eltern nicht mehr ruhen.

Über Rechtsanwalt Hermann Holzmann brachten sie bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck nun zusätzliche Beweisanträge zu den laufenden Ermittlungen ein.

Anwalt Holzmann: „Dazu regen wir gegen den Vertrauten von Ena Ermittlungen wegen ,Mitwirkung am Selbstmord‘ nach §78 StGB an, da es laut dem vorliegenden Datenmaterial denkbar ist, dass dem Mann die Gedankengänge von Ena Kadic bekannt waren und er ihre Pläne allenfalls mit einer einfachen Meldung an die Eltern oder Behörden hätte verhindern können.“

Laut Holzmann hatten Ena Kadics Eltern den Mann schon länger im Visier. So sei die junge Frau zuletzt fast jede freie Minute bei ihm gewesen und habe sich von ihm auch über Akupunkturen behandeln lassen. Der Einfluss auf die 26-Jährige sei dabei enorm gewesen.

Als die Verstorbene beispielsweise vor eineinhalb Jahren Opfer einer Hundeattacke mit tiefen Bisswunden geworden war, seien ihr vom Arzt Antibiotika verschrieben worden, um die Infektionen zu bekämpfen. Laut den Eltern habe der Vertraute – der von der Familie auch als Guru und Wunderheiler gesehen wurde – Ena darauf untersagt, diese Medikamente weiter einzunehmen, worauf diese die Antibiotika-Therapie auch tatsächlich abgebrochen habe.

„Allein schon daraus ergibt sich ein sehr starker Bezug zu diesem Mann, der sich eben bis nach dem Absturzgeschehen fortgesetzt hat. Es erscheint der Familie deshalb völlig unverständlich, dass dieser Bekannte von der Polizei noch nicht einvernommen worden ist“, monierte Holzmann gegenüber der Staatsanwaltschaft als Leiterin der Ermittlungen. Ein von den Eltern zwischenzeitlich aufgefundenes Schreiben mit großteils wirrem Inhalt könnte zudem sogar auf eine sektenähnliche Beteiligung hinweisen. Weiter behängen laut Staatsanwaltschaft zudem die Ermittlungen zu Blutspuren, die an einem Geländer sichergestellt worden waren.

Auch in diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass verzweifelte Personen nicht alleine sind. Rund um die Uhr erreichbar sind die Telefonseelsorge (142), die Rettung (144, 112) und für Jugendliche „Rat auf Draht“ (147).