Letztes Update am Do, 04.02.2016 17:20

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Justiz und Kriminalität

Lehrer soll nach Urteil wegen Kinderpornos Schuldienst verlassen

Ein Urteil in Schwerin dürfte bald wegweisend sein: Demnach darf ein Lehrer, der wegen des Besitzes von kinderpornographischem Material verurteilt worden war, nicht mehr in den Schuldienst zurückkehren.

Symbolfoto.

© KeystoneSymbolfoto.



Schwerin/Bensheim – Nach der Verurteilung eines zuletzt auf der Rügen tätigen Lehrers aus Hessen wegen des Besitzes von Kinderpornos treibt das Bildungsministerium in Schwerin dessen Entlassung aus dem Schuldienst voran. Es werde dafür Sorge getragen, dass der 34-Jährige nach dem Ende der Winterferien in gut einer Woche nicht wieder vor die Klasse trete. „Wir werden ihm die Ausführung der Dienstgeschäfte untersagen, so dass er als Lehrer nicht mehr unterrichten kann“, sagte Ministeriumssprecher Henning Lipski am Donnerstag.

Das Amtsgericht im hessischen Bensheim hatte den Mann als „pädophil und latent gefährlich“ eingeschätzt und ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten ohne Bewährung verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Am Donnerstag legten sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft Berufung ein. Die Ankläger hatten eine höhere Strafe gefordert. Wie Lipski sagte, endet nach dem Beamtengesetz bei einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr für eine vorsätzliche Tat das Beamtenverhältnis mit Rechtskraft des Urteils.

Ministerium wusste nichts von pädophiler Neigung

Der geständige Mann war angeklagt, während seiner Beschäftigung an der inzwischen insolventen Odenwaldschule Unmengen an kinderpornografischen Dateien auf seinem privaten Computer gehabt zu haben. Der Fall war im April 2014 bekanntgeworden. Die wegen eines weiter zurückliegenden Missbrauchsskandals in Verruf geratene Privatschule hatte ihn daraufhin entlassen.

Erst durch eine Aussage der Mutter des Verurteilten im Prozess hatte sich herausgestellt, dass der Mann inzwischen im Schuldienst Mecklenburg-Vorpommerns beschäftigt war. Der Angeklagte räumte dies erst auf Nachfrage des Gerichts ein. Er hatte zuvor geschildert, als freiberuflicher Versicherungsmakler tätig zu sein. Offenbar deshalb war auch das Schweriner Bildungsministerium nicht über Ermittlungen und Prozess informiert.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Die zuständigen Behörden in Mecklenburg-Vorpommern hätten bei der Prüfung der Bewerbungsunterlagen nichts von den Neigungen des Mannes gewusst, sagte Ministeriumssprecher Lipski. Aus der Personalakte sei nicht hervorgegangen, dass ein Strafverfahren gegen ihn laufe und er habe dies auch in der vor der Ernennung zum Beamten auf Probe abgeforderten Erklärung verschwiegen. (dpa)