Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.04.2016


Exklusiv

Prostitution in Problemhaus am Innsbrucker Bahnhof untersagt

Das Landesgericht urteilte nun, dass das Haus am Innsbrucker Südtiroler Platz 1 laut Widmung kein „Stundenhotel“ sein darf.

Das Haus am Südtiroler Platz 1..

© Andreas Rottensteiner / TTDas Haus am Südtiroler Platz 1..



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Mitten im Herzen von Innsbruck, gegenüber dem Bahnhof, gehen seit Jahren die Wogen hoch. Im bekannten Fahrschulhaus am Südtiroler Platz 1, wo nunmehr aber auch Wettlokale einquartiert sind, klagte die Fahrschule und eine Wohnungseigentümerin eine dort ansässige Vermietungsgesellschaft.

Grund: Die Gesellschaft würde nicht nur fünf eigene Wohnungen, sondern vermutet über 30 weitere selbst angemietete Studios in dem Wohnhaus kurzfristig an Touristen und Prostituierte weitervermieten. Nicht nur, dass laut Widmung in dem Haus gar kein Beherbergungsbetrieb stattfinden dürfte, seien durch den Wildwuchs an „Kurzmietern“ die Zustände im Haus untragbar geworden. So wäre in dem Haus nicht nur ein Kommen und Gehen von Freiern verzeichnet, sondern die Gänge des zentralen Hauses auch von Nordafrikanern als Schlafstätte missbraucht worden – die TT berichtete.

Zu viel für manchen Miteigentümer. Und so erhob Rechtsanwalt Matthias König für sie eine Unterlassungsklage gegen gewerbliches Vermieten der Wohnungen, das Bewerben dieser Studios und Apartments mittels des meterlangen Schildes auf der Fassade des Südtiroler Platzes, deren Anpreisung im Internet und das völlig willkürliche Aufstellen eines Getränkeautomaten im Haus.

Nach Prüfung der Widmung und einem teils durch Privatdetektive erhobenen Zustandsbericht pflichtete das Landesgericht Anwalt König nun großteils bei. Während der Getränkeautomat bereits wieder so schnell verschwunden ist, wie er einst aufgestellt worden war und der Südtiroler Platz 1 nun auch wieder keine Adresse diverser Buchungsportale mehr ist, wird sich nämlich auch am Stadterscheinungsbild am Bahnhof schon bald etwas ändern.

Anwältin Julia Lang, die die Vermietungsgesellschaft vertritt: „Da wir die Studios ohnehin schon lange nicht mehr an Touristen vermieten, und um die Sache nicht weiter eskalieren zu lassen, werden wir gegen das Urteil kein Rechtsmittel ergreifen. Das Schild wird vom Südtiroler Platz demnächst entfernt.“ Dazu betont Anwältin Lang, dass laut Urteil normale gewerbliche Vermietungen „selbstverständlich auch in diesem Haus erlaubt“ seien: „Wir vermieten unsere Wohnungen derzeit an Firmenmitarbeiter und an das Innsbrucker Sozialamt und sind schon deshalb an einer Beruhigung der Situation interessiert.“

Nunmehr schaut übrigens wieder ein Wachdienst auf die Sicherheit des Hauses. Erst im März wurde ein Eindringling an der Haustüre entwaffnet.