Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 19.04.2016


Tirol

Immer weniger Glücksspielautomaten in Tirol

Illegales Glücksspiel wird in Tirol nur noch in 28 Lokalen angeboten.

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© photonews.at/Georges Schneider



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Der Kampf gegen das illegale Glücksspiel trägt Früchte. Wie aus der Statistik der Internetseite spielerinfo.at hervorgeht, ist die Anzahl der verbotenen Automaten in Tirol gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Aber auch die Möglichkeiten für ein schnelles Spielchen werden rarer – in immer weniger Lokalen sind Automaten aufgestellt.

Vor allem der Rückgang bei den Standorten ist signifikant: Im September 2015 listete spielerinfo.at 39 Lokale auf, in denen Spielgeräte verfügbar waren. Ein halbes Jahr später stehen den Spielern nur noch 28 Automaten-Standorte zur Verfügung.

Auch die Automaten wurden weniger: Waren es im Vorjahr noch 180, so sind es jetzt 171 Geräte. Zum Vergleich: 2014 konnten Tiroler Zocker noch zwischen 296 Glücksspielautomaten an 79 Standorten wählen.

Der empfindliche Aderlass hat vor allem einen Grund: Druck, der von den Behörden, aber auch von privaten Initiativen auf die Branche ausgeübt wird. Allein im Vorjahr haben Tiroler Finanzpolizisten und die Bezirkshauptmannschaften fünf Spiellokale von Amts wegen geschlossen. Weitere Wirte haben nach wiederholten Kontrollen freiwillig die Notbremse gezogen, ihre Betriebe zugesperrt oder zumindest die Automaten entfernt. „Fakt ist, dass der Kontrolldruck Auswirkungen hat“, sagt Thomas Wörgötter, Chef der Tiroler Finanzpolizei: „Wie groß dieser Einfluss ist, lässt sich aber nur schwer abschätzen.“ Zumal auch private Initiativen ihren Anteil haben: So erstatteten allein die Betreiber der Homepage spielerinfo.at im Vorjahr 39 Anzeigen gegen Spiellokale bzw. deren Chefs.

Die Kontrollen laufen stets nach demselben Schema ab. Zunächst werden die illegalen Automaten von der Finanzpolizei beschlagnahmt und mit einem Amtssiegel versehen. Eine weitere Verwendung ist damit unterbunden, die Geräte bleiben aber in der Regel am Standort. Stehen bei der dritten Kontrolle noch immer illegale Automaten im Lokal, gibt es eine letzte Verwarnung. Beim vierten „erfolgreichen“ Besuch der Finanzpolizei pickt dann das Amtssiegel am Eingang, der Betrieb ist damit geschlossen.

Dass trotz der Bemühungen der Behörden noch immer 171 illegale Spielgeräte in Tirol in Betrieb sind, liegt an den enormen Verdienstmöglichkeiten. Wie die Ermittlungen der Finanzpolizei im Vorjahr ergaben, werfen die Spieler durchschnittlich 10.000 bis 50.000 Euro in einen einzigen Automaten. Pro Monat. Spitzengeräte erzielen im selben Zeitraum bis zu 100.000 Euro Umsatz. Kein Wunder also, dass so mancher Wirt eines eher schlecht besuchten Lokals in den Spielautomaten einen rettenden Strohhalm sieht. Bis eben die Finanzpolizei vor der Tür steht.