Letztes Update am Mi, 20.04.2016 06:38

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Kommissar Zufall führte Polizei zu 65 Kilo Cannabis

Zwei Polizeibeamte ließen sich bei einer Routinekontrolle nicht beirren – und wurden mit dem größten Drogenfund der letzten zehn Jahre belohnt.

Eine stattliche Menge: 65 Kilogramm Cannabis stellte die Innsbrucker Polizei sicher. Das entspricht einem Straßenverkaufswert von rund 650.000 Euro.

© POLIZEIEine stattliche Menge: 65 Kilogramm Cannabis stellte die Innsbrucker Polizei sicher. Das entspricht einem Straßenverkaufswert von rund 650.000 Euro.



Von Renate Perktold

Innsbruck – Ein sensationeller Schlag gegen die Innsbrucker Drogenszene gelang der Polizei vergangene Woche in einer städtischen Wohnung, wie die Tiroler Tageszeitung erfuhr. Ein Routineeinsatz und die Hartnäckigkeit zweier Polizeibeamter führte die Exekutive zum Fund von 65 Kilogramm Cannabis mit einem Straßenverkaufswert von rund 650.000 Euro. Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler bestätigte die Sicherstellung auf Anfrage. „Es handelt sich hier um den größten Fund in Innsbruck in den vergangenen Jahren – zumindest in den letzten zehn Jahren.“

Rückblick: Am Freitag, 8. April, wird eine Funkstreife zu Erhebungen in einen Innsbrucker Wohnblock gerufen. Vor Ort angekommen riechen die beiden Polizisten plötzlich Marihuana. Die Beamten läuten sofort an der betroffenen Wohnungstür und stellen den Inhaber zur Rede.„Er hat dann zugegeben, dass er eine kleinere Suchtgiftmenge zuhause hat. Aber die Beamten wurden misstrauisch“, erzählt Kirchler.

55-Jähriger hat nur untergeordnete Bedeutung

Sie fordern über Funk einen Drogenspürhund an. Noch bevor der tierische Ermittler eintrifft, knickt der 55-Jährige ein und führt die Polizisten zu den restlichen Drogen, die er in seiner Wohnung versteckt hat. 65 Kilogramm – größtenteils Cannabisplatten – kann die Exekutive schließlich aus den Räumlichkeiten tragen.

Laut Einschätzung der Polizei dürfte der 55-Jährige nicht der Haupttäter sein, sondern nur eine untergeordnete Rolle spielen: Er war überwiegend dazu da, seine Wohnung als Bunker zur Verfügung zu stellen und diente möglicherweise als Mittelsmann. Die zentralen Figuren hinter den Drogen sind aber andere. „Die Suche nach den Hintermännern läuft“, erklärt auch Kirchler. In den kommenden Wochen werden wohl noch einige Male die Handschellen klicken. Der Stadtpolizeikommandant ist zuversichtlich, dass auch die Zulieferer der Drogen bald ausgeforscht werden können. „Für die Innsbrucker Drogenzene ist das ein absoluter Schlag. Es sind zwar immer wieder größere Mengen an Drogen im Umlauf, aber so ein Fund ist schon etwas Besonderes“, freut sich der Stadtpolzeikommandant, der vor allem stolz auf den Spürsinn der zwei Streifenbeamten ist.

Der Fund war übrigens schon der zweite binnen weniger Tage für die Innsbrucker Polizei: Wie berichtet, hatte ein Spürhund der Zollfahndung vergangene Woche in einem Zug zwischen Wörgl und Innsbruck das richtige Näschen bewiesen und in einem Rucksack 1,6 Kilogramm Cannabis erschnüffelt.

Die Drogen gehörten einem 18-jährigen Afghanen, der bestritt, mit den Drogen in seinem Rucksack etwas zu tun zu haben. Sowohl der Besitzer als auch das Cannabis mit einem Straßenverkaufswert von über 10.000 Euro wurden in Innsbruck der Polizei übergeben.