Letztes Update am Mi, 15.06.2016 12:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Massaker in Florida

Ehefrau des Orlando-Attentäters rückt in Fokus der FBI-Ermittler

Wusste die Frau des 29-Jährigen, dass ihr Mann einen Anschlag auf den Schwulenclub in Orlando plante? Auf der Suche nach dem Motiv der Bluttat rückt nun auch die Ehefrau in den Fokus der Ermittlungen.

Gedenken an die 49 Todesopfer in einer Kirche in Orlando.

© Reuters/Jim YoungGedenken an die 49 Todesopfer in einer Kirche in Orlando.



Orlando – Die Kapuze ihres Pullis tief ins Gesicht gezogen wurde eine junge Frau von Polizisten zu einem Auto geführt. Es war Noor Salman, die zweite Ehefrau des Mannes, der am Sonntag 49 Menschen in einem Nachtclub in Orlando tötete und 53 verletzte. Sie wurde in den vergangenen Tagen mehrmals zum Verhör gebracht. Laut CNN unterzog sie sich auch einem Lügendetektortest. Was wusste die Frau, die mit dem Todesschützen Omar Mateen einen kleinen Sohn hat, über seine Pläne?

Offenbar mehr, als bislang bekannt war. Sie habe versucht, ihrem Mann die Anschlagspläne auszureden, berichtete als erstes der US-Sender NBC News am Dienstag. Auch andere Medien – darunter Fox News, The New York Times und CBS News – bestätigten dies unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen beim FBI. Übereinstimmend heißt es, Salman habe ausgesagt, ihren Mann vor dem Anschlag mindestens einmal zum „Pulse“ gefahren zu haben. Er habe den Schwulenclub ausspähen wollen. Sie sei auch dabei gewesen, als er Munition und ein Holster gekauft habe.

Ehefrau nicht in Gewahrsam

Möglicherweise habe Mateen sogar während der Bluttat aus dem Club angerufen, heißt es übereinstimmend in Medienberichten. Laut Fox News wurden zwei Mobiltelefone beschlagnahmt, die dem Attentäter gehörten. Die Daten würden nun überprüft. Ermittler wollten damit auch herausfinden, mit wem der 29-Jährige in Kontakt stand.

„Es gibt Hinweise, dass sie in bestimmten Abschnitten des Prozesses dabei war und wir überprüfen das jetzt“, wird ein Ermittler, der anonym bleiben wollte, von der New York Times zitiert. „Wir wissen nicht, was wahr ist und was nicht.“ Die Ehefrau sei nicht festgenommen worden – und es stehe auch keine Verhaftung unmittelbar bevor. Noch sei nicht entschieden, ob sie angeklagt wird.

Anklage wegen Beihilfe zum Mord und Mitwisserschaft droht

Hingegen berichtet FoxNews.com, dass die Staatsanwaltschaft bereits ein Vorverfahren gegen Salman eingeleitet hat. Die Frau soll demnach wegen Beihilfe zum 49-fachen Mord und 53-fachen versuchten Mord sowie wegen falscher Aussage gegenüber FBI-Agenten angeklagt werden. Zudem werde ihr vorgeworfen, nicht die Polizei über die bevorstehende Terrorattacke informiert zu haben. Die sogenannte Grand Jury sei bereits einberufen, berichtet Fox News auf seiner Internetseite. Deren Mitglieder entscheiden, ob die Beweise der Staatsanwaltschaft für eine Anklage ausreichen.

US-Senator Angus King, der über den Stand der Ermittlungen in einem Ausschuss informiert wurde, erklärte gegenüber CNN: „Sie ist sicher jemand, für den sich die Ermittler interessieren. Sie scheint zu kooperieren und kann uns mit wichtigen Informationen versorgen.“

Sechs Opfer schweben noch in Lebensgefahr

Mateen hatte in der Nacht zum Sonntag in dem vor allem von Schwulen und Lesben besuchten Club „Pulse“ um sich geschossen. 49 Menschen starben. Er selbst wurde von einem Polizisten erschossen.

53 Menschen wurden verletzt. Sechs Opfer schweben noch in Lebensgefahr, berichteten Ärzte in Regional Medical Center von Orlando am Dienstagvormittag (Ortszeit). Insgesamt werden dort noch 27 Patienten behandelt, meist an Schusswunden. „Die meisten erholen sich stetig“, sagte der behandelnde Arzt, Mike Cheatham. Es seien jedoch weiterhin Operationen notwendig. Einige Patienten müssten auch mit lebenslangen Beeinträchtigungen rechnen. (smo, dpa)