Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 27.06.2016


Umhausen

Wirt der Gehsteigalm gibt nach Behördenstreit auf

Die Umhauser Gehsteigalm sperrt zu. Der Hüttenwirt konnte Auflagen der Behörde nicht erfüllen. Die fand Keime im Trinkwasser.

null

© Ötztalblog



Von Matthias Reichle

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Umhausen – „Ich hab noch nie gehört, dass auf der Alm einer an einer Bakterienvergiftung gestorben ist“, ärgert sich Hüttenwirt Alois Mair – für ihn sind die Vorschreibungen der Behörde weder „nachvollziehbar“ noch „finanzierbar“. Sie bedeuten das Aus für seine Gehsteigalm. Das beliebte Umhauser Ausflugsziel auf dem Weg hinauf zur bekannten Erlanger Hütte hat in diesem Frühjahr nicht mehr aufgesperrt. „Wegen Vorschreibungen der Behörde geschlossen“, heißt es knapp auf der Homepage.

Das Ehepaar Edith und Alois Mair führte die Wirtschaft seit 1972 – wie zuvor der Vater. Man wollte noch einige Jahre weitermachen. Zu teuer waren nun jedoch die Investitionen in eine neue Quellfassung bzw. eine UV-Anlage zur Keimreduktion, die nötig gewesen wären, um den Betrieb aufrechterhalten zu können, so Mair. „Wir können nicht 30.000 bis 40.000 Euro für drei Monate investieren, die wir Saison haben“, ärgert er sich, nachdem die Behörde nach Untersuchungen des Quellwassers Auflagen erteilt hatte. Der Wirt nahm es mit Humor: „Ich habe auf den Brunnen geschrieben: frisches Quellwasser, kein Trinkwasser.“ Er selbst trinke es trotzdem.

Das Wasser war nicht der einzige Grund aufzuhören, erklärt er. „Aber das hört nicht mehr auf.“ Es kämen immer neue Vorschriften.

„Wir haben ein schönes Land, aber es wird kaputtgemacht“, sieht Mair eine Entwicklung, die – wie er glaubt – nicht nur seine Hütte betrifft. Für ihn sind Anforderungen wie sensorgesteuerte Wasserhähne in Almküchen überzogen. „Wir sind Vorreiter bei der Photovoltaik. Die Anlage ist 20 Jahre alt“, nennt er ein anderes Beispiel. Vor einigen Jahren musste nun aber ein Dieselaggregat installiert werden, um einen Geschirrspüler in Betrieb zu nehmen. „Wir verbrauchen jetzt 300 bis 400 Liter Diesel im Jahr. Dafür dürfen wir aber nur einen 100er nach Innsbruck fahren.“ Für kleine Almen sei das einfach nicht mehr machbar.

Leid tut es ihm um die Gäste, die eigentlich Freunde waren. Dazu zählen auch Prominente, wie der Ministerpräsident der Bundesländer Thüringen und Rheinland-Pfalz, Bernhard Vogel. Viele Wanderer zur Erlanger Hütte machten Halt, stärkten sich, gingen auf die Toilette oder trockneten die Kleidung, wenn sie in ein Unwetter gekommen waren. Mair kümmerte sich um den Steig zur Hütte. „Wir nutzen die Alm nun privat“, erklärt er. Dass die Gehsteigalm wieder aufsperrt, ist für ihn derzeit nicht vorstellbar. „Wir werden älter.“

Von einem fünfjährigen Hin und Her berichtet der Akt, der in der Bezirkshauptmannschaft Imst zur Gehsteigalm geführt wurde, sagt BH Raimund Waldner. Es gab Untersuchungen der Hygieneabteilung: „Das Wasser war nicht einwandfrei, es wurden Keime festgestellt. Es gibt einen Bescheid der Abteilung Gesundheitsrecht, der besagt, dass die Maßnahmen bis 30. Juni umzusetzen sind“, erklärt der Bezirkshauptmann, der versteht, dass es im Fall der Gehsteigalm aufgrund des Geländes und der Stromversorgung schwierig ist, diese Anforderungen auch zu erfüllen. Bei der Wasserqualität stelle man jedoch an eine Alm die gleichen Anforderungen wie an ein normales Gasthaus im Tal. Mit der Gesundheit dürfe man nicht spielen.