Letztes Update am Mo, 31.10.2016 13:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zivilcourage

Keine Hilfe für Sterbenden in Bank: Polizei hat Namen von Kunden

Ein Mann brach ein einer Bank zusammen. Eine Videoaufnahme zeigt, dass sich keiner der Kunden um ihn kümmerte und auch keine Hilfe riefen.

Symbolfoto.

© dpa/Wolfram KastlSymbolfoto.



Essen — In einer Bankfiliale bricht ein alter Mann zusammen.Vier Menschen kümmern sich nicht um ihn, wie ein Video zeigt. Der Pensionist verstarb einige Tage später im Krankenhaus.

Die Bank hat jetzt die Namen der Kunden übermittelt, deren Karten zur Tatzeit am Automaten genutzt wurden. Nun sind die Ermittler am Zug.

Nach der unterlassenen Hilfeleistung für einen hilflosen alten Mann in einer Essener Bankfiliale hat die Polizei die Namen und Wohnorte der in Frage kommenden Bankkunden erhalten. Das Kreditinstitut habe eine Liste derjenigen erstellt, mit deren Karten im betreffenden Zeitraum Geldgeschäfte erledigt wurden, sagte Polizeisprecher Christoph Wickhorst am Montag. Die Ermittler gehen davon aus, dass alle auf dem Video zu sehenden Personen - Männer ebenso wie Frauen - mit ihren eigenen Karten am Geldautomaten waren. Die vier sollen jetzt vernommen werden.

Erst der fünfte Kunde rief die Rettung

Der 82 Jahre alte Mann war am Feiertag 3. Oktober in Essen im Vorraum einer Bank zusammengebrochen. Eine Videoaufnahme zeigt, wie sich anschließend vier Kunden nicht um ihn kümmerten und auch keine Hilfe riefen. Erst der fünfte Kunde alarmierte 20 Minuten nach dem Zusammenbruch den Rettungsdienst. Der Mann kam nicht wieder zu Bewusstsein und starb einige Tage später. Die Polizei ermittelt wegen unterlassener Hilfeleistung gegen die vier auf dem Video zu sehenden Menschen.

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Bei ihnen handele es sich um erwachsene Männer und Frauen. Darunter seien augenscheinlich junge Erwachsene Anfang 30 aber auch ein Kunde, der etwa 60 Jahre alt sei, sagte der Sprecher. Bis Montagmorgen hatte sich nach seinen Angaben noch niemand von sich aus bei der Polizei gemeldet.

Der Sprecher wollte nicht ausschließen, dass auch noch gegen weitere Menschen ermittelt wird. Nachdem der fünfte Kunde den Rettungsdienst verständigt hatte, hatten sie den Vorraum betreten und sich dem Überwachungsvideo zufolge ebenfalls nicht um den hilflosen Mann gekümmert. Es ist allerdings unklar, ob sie in dem Moment bereits wussten, dass der Rettungsdienst schon verständigt war. Dann sei ihr Handeln straffrei, sagte der Sprecher. (dpa)