Letztes Update am Do, 29.12.2016 11:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


USA

Amazon-Sprachassistent könnte Mord beobachtet haben

Ein per Sprache aktivierbarer Assistent könnte während eines Mordes aufgenommen haben. Bislang gibt Amazon jedoch die Daten nicht frei.

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Seattle – „Alexa“ ist möglicherweise Zeugin eines Mordes im US-Bundesstaat Arkansas geworden. Ihre Befragung durch die Ermittler gestaltet sich allerdings schwierig, denn „Alexa“ ist ein digitaler Assistent des US-Unternehmens Amazon, der am Ort des Verbrechens installiert war.

Der Zugriff auf die Daten sei unbedingt notwendig, betonte der Staatsanwalt von Benton County, Nathan Smith. Die Ermittler erhoffen sich Aufschluss über den Mord an dem 47-jährigen Victor Collins. Er war im November 2015 tot in der Badewanne von James Bates in Bentonville gefunden worden, an seiner Leiche fanden sich Spuren von Schlägen. Bates wird des Mordes verdächtigt.

Während der Ermittlungen fand ein Polizist in dessen Haus die Amazon Echo-Anlage. Sie besteht aus mehreren Lautsprechern und wird mit dem Wort „Alexa“ aktiviert, um Rechercheanfragen und ähnliche Befehle entgegenzunehmen.

Anwältin: Amazon schützt Privatsphäre

Bisher hat Amazon keine Daten von Bates‘ digitalem Assistenten herausgegeben, wie Bates‘ Verteidigerin Kimberly Weber mitteilte. Auch wenn mögliche Aufnahmen des digitalen Assistenten ihren Mandanten wahrscheinlich entlasten würden, begrüße sie „die Bemühungen von Amazon, die Privatangelegenheiten meines Mandanten zu schützen“.

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Amazon wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern. Diese Woche hatte der Konzern mitgeteilt, er habe im diesjährigen Weihnachtsgeschäft „Millionen“ der Anlagen verkauft. Nach Schätzungen von Analysten waren seit der Markteinführung von Amazon Echo bis zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft rund fünf Millionen der Geräte verkauft worden.

Datenschutz versus Sicherheitsbehörden

Der Fall in Arkansas wirft erneut die Frage auf, wie angesichts der zunehmenden Nutzung digitaler Geräte der Datenschutz und die Interessen von Sicherheitsbehörden in Einklang zu bringen sind. Nach einem islamistischen Anschlag in San Bernardino, bei dem im Dezember vergangenen Jahres 14 Menschen erschossen worden waren, hatte das US-Justizministerium versucht, Apple zur Entschlüsselung des iPhones des Täters zu zwingen.

Apple begründete seine Weigerung damit, dass kein Präzedenzfall für eine Missachtung der Bürgerrechte geschaffen werden dürfe. Das FBI knackte das Smartphone des Attentäters schließlich ohne Hilfe des Technologiekonzerns. (APA/AFP)