Letztes Update am Di, 03.01.2017 09:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Tiroler Politiker fordern: Keine Toleranz bei Sex-Übergriffen

Nach mehreren Fällen von sexuel­ler Belästigung in der Silvesternacht in Innsbruck ermittelt die Polizei auf Hochtou­ren. Unterdessen wird der Ruf nach Konsequenzen immer lauter.

Mehrere Frauen sollen in der Silvesternacht am Innsbrucker Marktplatz belästigt worden sein.

© TT/Michael KristenMehrere Frauen sollen in der Silvesternacht am Innsbrucker Marktplatz belästigt worden sein.



Von Mario Zenhäusern

Innsbruck – In der Silvesternacht kam es in der Innsbrucker Innenstadt bekanntlich zu einer Reihe von sexuellen Übergriffen. Zumindest in elf Fällen geht die Polizei von einer einzigen Tätergruppe aus. Den Schilderungen der betroffenen Frauen zufolge sollen sich fünf bis sechs Männer im Gewühl des Marktplatzes an ihre Opfer herangemacht, sie umringt und mehrfach unsittlich berührt haben. Strafrechtlich dürfte die Deliktpalette vom sexuellen Übergriff bis zur geschlechtlichen Nötigung reichen.

Nach Angaben von Ernst Kranewitter, der die Ermittlungen der Kriminalabteilung im Stadtpolizeikommando Innsbruck leitet, befinden sich unter den betroffenen Frauen drei Innsbruckerinnen, drei Italienerinnen, zwei Deutsche, eine Vorarlbergerin und eine Schweizerin. Sie alle haben bei der Polizei in etwa gleichlautende Angaben über die Vorgangsweise gemacht. Die Täter haben sie als vom Typus her eher ausländisch, dunkelhäutig, teils mit, teils ohne Bart beschrieben; einer der Männer soll durch einen ausgeschlagenen Schneidezahn aufgefallen sein.

Die Polizei hofft trotz dieser mehr als vagen Beschreibung, den einen oder anderen Täter schnappen zu können. Als Hilfestellung dient ihnen unter anderem ein privates Video vom Marktplatz, das allerdings erst gesichtet werden muss. Auf eigene Aufnahmen der Exekutive kann Kranewitter nicht zurückgreifen: Die Videoüberwachung der Polizei ist ausschließlich für den Einsatz vor Ort vorgesehen, zeichnet aber keine Bilder auf.

Außerdem hofft Ernst Kranewitter auf die Auswertung mehrerer Fotos, die ein Opfer geistesgegenwärtig in der Tatnacht geschossen hat. Allerdings handelt es sich dabei um Handyfotos, aufgenommen um Mitternacht, deshalb sind diese sehr rotstichig und unscharf.

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Strenge Strafen gefordert

„Jegliche Art von sexuellen Übergriffen auf Frauen ist auf Schärfste zu verurteilen und gegen die Täter ist mit aller Härte vorzugehen“, stellte gestern ÖVP-Klubobmann Jakob Wolf zu den Vorfällen beim Innsbrucker Bergsilvester klar. Bei derart sensiblen Themen dürfe es „null Toleranz geben, egal ob es sich um inländische oder ausländische Tätergruppen handelt“. Die Tatsache, dass die Innsbrucker Polizei derzeit Videoaufnahmen auswerte, beweist für Wolf die Bedeutung der Videoüberwachung: „Die Forderung der Innsbrucker ÖVP nach einer verstärkten Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen und insbesondere bei Großveranstaltungen ist für mich daher klar berechtigt. Datenschutz darf nicht zum Schutz der Täter werden.“

In seiner Forderung nach mehr Videoüberwachung bestätigt sieht sich auch StR. Franz X. Gruber (ÖVP): „Neben der technischen Ausrüstung müssen auch die rechtlichen Voraussetzungen an die aktuelle Sicherheitslage angepasst werden.“

FPÖ-Obmann Markus Abwerzger stellt sich die Frage, ob „die Polizeiführung die Situation zu Silvester in Innsbruck nicht unterschätzt hat, denn es gab bereits in der Silvesternacht 2015/2016 derartige Übergriffe in Innsbruck“. Solche Übergriffe müssten nach Ansicht des FPÖ-Politikers nicht nur verhindert, „sondern auch streng bestraft werden. Daher muss die Exekutivführung im Vorfeld massive Maßnahmen ergreifen, damit derartige skandalöse Zustände verhindert werden.“