Letztes Update am Do, 26.01.2017 14:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kufstein

DNA-Spur im Fall Lucile führt die Ermittler zu Mord in Deutschland

Der Mord an der 20-jährigen Austauschstudentin steht offenbar im Zusammenhang mit dem Mord an einer Joggerin in Endingen bei Freiburg.

Spurensicherung am Inn: In der Nacht von 11. auf 12. Jänner 2014 wurde die junge Französin Lucile ermordet.

© ZOOM-TIROLSpurensicherung am Inn: In der Nacht von 11. auf 12. Jänner 2014 wurde die junge Französin Lucile ermordet.



Kufstein, Endingen – Im Fall um die ermordete Ausstauschstudentin Lucile in Kufstein gibt es eine neue Spur: Die Tat steht offenbar in Verbindung mit dem Mord an einer 27-Jährigen im Raum Freiburg in Deutschland. Die Joggerin war im November schwerst sexuell missbraucht und getötet worden.

Lucile wurde vor drei Jahren ermordet am Innufer in Kufstein aufgefunden. Nach den neuesten Ermittlungen hängen die beiden Verbrechen zusammen. Das Tiroler Landeskriminalamt ist sich sicher, dass es sich bei dem Mord in Endingen um einen zweiten Tatort handelt. LKA-Chef Walter Pupp erklärte gegenüber der Tiroler Tageszeitung: „Wir können nun einige Dinge in Kufstein ausschließen. Wir gehen von einem mobilen und sehr gefährlichen Täter aus.“ Der Mord an der 20-jährigen Französin wird nun auch als Sexualverbrechen eingestuft. Die junge Französin wurde von dem Unbekannten angegriffen, sexuell missbraucht und mit einer Eisenstange erschlagen.

Im Laufe der Ermittlungen verglichen die Tiroler Beamten zahlreiche ähnlich gelagerte Delikte in Österreich und im benachbarten Ausland mit dem Mord an Lucile. Gesucht wurde nach Hinweisen auf Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen bei den Taten.

DNA-Spuren stimmen überein

Anfang November vergangenen Jahres war in Endingen nahe Freiburg Carolin G. auf ihrer Joggingrunde am Sonntagnachmittag spurlos verschwunden. Tagelang wurde nach der jungen Frau in Baden-Württemberg gesucht. Ein Suchhund fand die Leiche der 27-Jährigen in einem Dickicht. Die junge Frau war vergewaltigt und getötet worden.

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Der Fall Carolin G.

Deutsche Joggerin auf Laufrunde verschwunden: http://bit.ly/2j7wkn5>

16 Hinweise zu Mordfall in Endingen bei Aktenzeichen XY: http://bit.ly/2jUvsPO

DNA-Analysen im Fall der getöteten Frauen in Endingen und Freiburg: http://bit.ly/2jUxy1Y

Festnahme im Fall Freiburg, Endingen-Mord weiter ungeklärt: http://go.tt.com/2fWceWe

Die Sonderkommission „Erle“ übernahm die Ermittlungen in Endingen. Wie das Tiroler LKA am Donnerstag mitteilte, wurde bereits vor einiger Zeit mit den deutschen Kollegen Kontakt aufgenommen. „Kriminaltechnische Abgleiche von täterbezogenen Spuren aus beiden bisher ungeklärten Fällen“ hätten nun eine derartige Übereinstimmung ergeben, dass die deutschen und Tiroler Ermittler „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ von ein und demselben Täter ausgehen.

Dabei handelt es sich unter anderem um DNA-Spuren, die an beiden Tatorten gefunden worden waren und die höchstwahrscheinlich vom Täter stammen. Diese waren jedoch von schlechter Qualität, erklärte LKA-Leiter Pupp. Die Probe aus Kufstein wurde von Experten der Gerichtsmedizin mit mathematischen Methoden vervollständigt. In Datenbanken mit bereits gespeicherten Profilen gab es im Laufe des vergangen Jahres jedoch keinen Treffer.

Am Tatort in Endingen wurden ebenfalls nur DNA-Fragmente gefunden – eigentlich zu wenig für einen Abgleich in der Datenbank. Die beiden Profil wurde nun jedoch direkt verglichen. „Das Ergebnis lässt keinen vernünftigen Zweifel zu“, sagte Staatsanwaltschaftssprecher Hansjörg Mayr bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.

Ähnliche Tatwaffen und Ortskenntnisse

So gibt es auch auffallende Ähnlichkeiten bei den Tatwaffen: Im Fall Lucile benutzte der Unbekannte eine Eisenstange, die bei hydraulischen Hebesystemen zum Einsatz kommt, zum Beispiel bei hydraulischen Hubwagen oder zum Abkippen von Lkw-Führerkabinen. Auch in Endingen wurde die junge Frau mit einem Gegenstand – vermutlich einer Eisenstange – erschlagen. „In Deutschland blieb die Tatwaffe bisher verschwunden“, saget Pupp. Beide Fälle sind „ungewöhnlich, in vieler Hinsicht mysteriös“, da kaum verwertbare Spuren an den Tatorten gefunden werden konnten.

Auf Grund der Tatwaffe im Fall Lucile und einer wohl sehr ähnlichen im Fall Carolin G. und den Tatumständen fokussieren sich die Ermittlungen in beiden Ländern verstärkt darauf, dass es sich bei dem Täter um einen Fernfahrer handeln könnte. Ein weiter Hinweis darauf: Die Morde wurden zu Uhrzeiten begangen, zu denen sowohl in Tirol als auch in Deutschland ein Lkw-Fahrverbot besteht.

Phantomfotos des Verdächtigen.
Phantomfotos des Verdächtigen.
- Polizei

In beiden Fällen gehen die Ermittler von einer gewissen Ortskenntnis des Täters aus. So sei die Joggerin ihrem Mörder nahe des Wäldchens begegnet, in dem später ihre Leiche gefunden wurde. Der Täter müsse schon einmal dort gewesen sein, wird der baden-württembergische Polizeisprecher von der Badischen Zeitung zitiert. Nun werde nach allem gesucht, was den Täter mit Kufstein und Endingen verbinden könne, welchen Bezug er zu den Tatorten haben könnte.

Im Fall Lucile können die Ermittler laut Pupp ein Motiv aus dem Beziehungsumfeld oder eine Raub laut LKA-Chef nun ausschließen. „Jetzt können wir uns auf ein sexuell motiviertes Verbrechen spezialisieren.“ Die Ermittler können nicht mit Sicherheit ausschließen, ob der Täter innerhalb Europas noch mehr Verbrechen begangen hat. Der Bitte um Abgleichung ähnlicher Fälle von Seiten den Tiroler Kriminalisten seien einige Länder bisher noch nicht nachgekommen.

Die Wahrscheinlichkeit, den Täter nun zu fassen, sei gestiegen, nachdem es nun zwei Tatorte gebe. Von beiden Verbrechen gebe es Spuren und Erkenntnisse, die nun zusammengeführt werden können.

Einen Zusammenhang zu dem Sexualmord an einer 19 Jahre alten Studentin Mitte Oktober in Freiburg sehen die Ermittler nicht. Verdächtig in diesem Fall ist ein junger Flüchtling aus Afghanistan. Er sitzt seit seiner Festnahme Anfang Dezember in Untersuchungshaft.

Polizei bittet um Hinweise

Die Ermittler in Tirol und Deutschland bitten weiterhin um Hinweise: Das Landeskriminalamt für Tirol ist telefonisch unter 059133/70-3333 zu erreichen, die Soko „Erle“ in Deutschland unter der Telefonnummer +49 7641/582-114.

Im Mordfall Lucile ist eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt, im Fall Caroline G. sind 6000 Euro von der Staatsanwaltschaft sowie 22.500 Euro von privater Seite ausgesetzt. (smo)