Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 01.03.2017


Bezirk Innsbruck-Land

Entsetzen über „Naturfrevel“ im Schutzgebiet Rosengarten

Eine gesunde Linde im Patscher Naturschutzgebiet wurde trotz Verbots ge­fällt. Anzeige wurde erstattet, der Bauer ist sich keiner Schuld bewusst.

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© Auffinger



Von Denise Daum

Patsch – Eine „äußerst rare Schönheit“ sei sie gewesen, „beeindruckend zu jeder Jahreszeit“ – Stephan Hofinger kann nicht fassen, dass die imposante Doppellinde im Naturschutzgebiet Rosengarten gefällt wurde. Sie stand neben einem beliebten Wanderweg in Patsch. Der Obmann des Vereins „Freunde des Naturschutzgebiets“ findet es „erschütternd, wie manche Bauern mit der Natur umgehen“.

Der zuständige Schutzgebietsbetreuer, Klaus Auffinger, erklärt auf Nachfrage der TT, dass Flurgehölz im Naturschutzgebiet nicht gefällt werden dürfe. Im Umweltreferat der Bezirkshauptmannschaft ist bereits eine Anzeige eingegangen. Auffinger wurde von der Behörde um eine Stellungnahme gebeten. Der Schutzgebietsbetreuer betont, dass „die Entfernung der Gehölzgruppe einen beträchtlichen ökologischen Schaden am Schutzgebiet verursacht hat“. Die Blüten der Linden waren u. a. für Bienen und Hummeln im Rosengarten eine wichtige Nahrungsquelle, der Baum diente auch als Brutstätte für Vögel. Zudem sei durch die Entfernung das Landschaftsbild in seiner Einzigartigkeit und Schönheit signifikant geschmälert worden.

Grundbesitzer und Landwirt Andreas Rinner zeigt sich gegenüber der TT unbeeindruckt von dem Wirbel, den die Fällung ausgelöst hat. „Der Baum ist auf meinem Grund gewachsen, das ist mein Holz“, sagt Rinner. Die Doppellinde sei eine große Einschränkung gewesen, da daneben nichts mehr gewachsen sei. Dass die Fällung verboten war, stellt er in Abrede. „Ich habe mich erkundigt, ich darf das.“

Klaus Auffinger erklärt, dass fast alle Landwirte eine finanzielle Entschädigung im Rahmen des „Österreichischen Programms für umweltgerechte Landwirtschaft“ für die Erschwernis und den Ertragsentgang durch die Einhaltung der Naturgesetze bekommen. Halten sie sich nicht daran, müssten diese Gelder zurückgezahlt werden. „Man darf nicht alle Bauern in einen Topf werfen. Viele Landwirte stecken intensive Arbeit in die Erhaltung von Lärchenwiesen und Bergmähder“, erklärt Auffinger.

Der Patscher Bürgermeister Andreas Danler zeigt sich entsetzt über den „Naturfrevel“, wie er es nennt. „Die Doppellinde war eine sehr seltene Naturschönheit.