Letztes Update am Mo, 22.05.2017 15:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Jakarta

141 Festnahmen bei Razzia in Schwulen-Club in Indonesien

Weil sie in einem Schwulen-Club in Jakarta waren, wurden 141 Männer von der indonesischen Polizei festgenommen. Unter den Verhafteten waren vier Ausländer. Zehn Männern droht eine Strafe von bis zu zehn Jahren Haft.

Einige der Verhafteten wurden am Montag der Presse vorgeführt. Ihre Gesichert waren mit schwarzen Masken verhüllt.

© AFPEinige der Verhafteten wurden am Montag der Presse vorgeführt. Ihre Gesichert waren mit schwarzen Masken verhüllt.



Jakarta - Bei einer Razzia in einem Schwulen-Club in der indonesischen Hauptstadt Jakarta sind 141 Männer festgenommen worden. Beamte durchsuchten am Sonntag ein Gebäude in der Hauptstadt Jakarta, in dem eine Sauna und ein Fitnessstudio untergebracht sind, wie die Polizei am Montag mitteilte. Zehn der Festgenommenen drohe eine Verurteilung wegen Verstoßes gegen die indonesischen Anti-Pornografie-Gesetze.

Bis zu zehn Jahre Haft drohen

Unter den Festgenommenen waren nach Angaben der Polizei vier Ausländer: ein Brite, ein Mann aus Singapur und zwei Malaysier. Unter den zehn Festgenommenen, denen bis zu zehn Jahre Haft drohen, sind die Organisatoren der Party sowie mutmaßliche Prostituierte und Stripper. Die anderen Festgenommenen wurden als mögliche Zeugen befragt.

Der Polizist Nasriadi sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Razzia sei nach verdeckten Ermittlungen erfolgt. Seinen Angaben zufolge bezahlten die Teilnehmer der Party Eintrittsgelder. In einer Etage des Gebäudes habe es eine Stripshow gegeben, in einer anderen Etage habe es eine "Sex-Party" gegeben.

Die indonesischen Ermittler präsentieren die Kostüme, die angeblich bei der Sex-Party getragen wurden.
Die indonesischen Ermittler präsentieren die Kostüme, die angeblich bei der Sex-Party getragen wurden.
- AFP

Einige der Festgenommenen wurden am Montag von der Polizei bei einer Pressekonferenz vorgeführt. Ihre Gesichter waren unter schwarzen Masken verdeckt.

Bürgerrechtsgruppen verurteilten die Festnahmen und die Behandlung der Männer. Nach ihren Angaben durften sich die Festgenommenen nicht anziehen, bevor sie abgeführt wurden, und sie seien sogar während ihres Verhörs noch nackt gewesen. Außerdem warfen die Bürgerrechtler Polizisten vor, Nackfotos der Männer in sozialen Netzwerken verbreitet zu haben.

Homophobie nimmt zu

Homosexualität ist in Indonesien nur in der Provinz Aceh gesetzlich verboten. Aber Feindseligkeiten gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender nahmen in dem südostasiatischen Land in jüngster Zeit zu. Konservative Politiker und Minister sowie einflussreiche islamische Gruppierungen wetterten öffentlich gegen Homosexuelle.

Anfang des Monats nahm die Polizei acht Männer fest, die an einer Schwulen-Party in der Stadt Surabaya teilgenommen haben sollen. In der vergangenen Woche verurteilte ein Scharia-Gericht in Aceh zwei Männer zu einer Prügelstrafe, weil sie miteinander Sex hatten. (APA, AFP)