Letztes Update am Fr, 02.06.2017 21:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mordfall Lucile K.

Fall Lucile vor Klärung:

Verdächtiger in Deutschland festgenommen

Im Fall der vor über drei Jahren in Kufstein getöteten Studentin aus Frankreich ist offenbar ein Tatverdächtiger in Deutschland festgenommen worden. Der Mann soll auch eine Joggerin in der Nähe von Freiburg erschlagen haben.

© ZOOM-TIROLSpurensicherung am Inn: In der Nacht von 11. auf 12. Jänner 2014 wurde die junge Französin Lucile ermordet.



Endingen – Der Mordfall Lucile K. steht möglicherweise vor der Klärung: Im Fall der vor mehr als drei Jahren in Kufstein getöteten 20-jährigen Studentin aus Frankreich ist offenbar ein Verdächtiger in Deutschland festgenommen worden. Dies teilte die Polizei am Freitagabend mit. Der Täter soll Anfang November auch eine 27-jährige Joggerin in Endingen bei Freiburg in Deutschland getötet haben. Die Ermittler hatten an beiden Opfern übereinstimmende DNA-Spuren gefunden.

Pressekonferenz am Samstag

Nach Informationen der Bild soll es sich bei dem Festgenommenen um einen Fernfahrer handeln, der im Raum Freiburg arbeitet. Nähere Informationen zu dem Fall will die Freiburger Polizei am Samstag bei einer Pressekonferenz in Endingen mitteilen. Von der Landespolizeidirektion Tirol wird LKA-Chef Walter Pupp teilnehmen.

Die Tiroler Polizei veröffentlichte dieses Phantombild nach dem Mord an Lucile.
- Polizei

Lucile war am 12. Jänner 2014 tot am Innufer in Kufstein aufgefunden worden. Freunde und Studienkollegen hatten die 20-Jährige als vermisst gemeldet. Die junge Französin wurde von einem Unbekannten angegriffen, sexuell missbraucht und erschlagen. Todesursache waren laut Obduktion heftige Schläge auf den Kopf. Taucher fanden schließlich die Tatwaffe – eine Eisenstange – im Inn.

Im Laufe der Ermittlungen verglichen die Tiroler Beamten zahlreiche ähnlich gelagerte Delikte in Österreich und im benachbarten Ausland mit dem Mord an der Studentin. Gesucht wurde nach Hinweisen auf Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen bei den Taten.

Anfang November vergangenen Jahres war schließlich in Endingen Carolin G. auf ihrer Joggingrunde spurlos verschwunden. Tagelang wurde nach der jungen Frau in Baden-Württemberg gesucht. Ein Suchhund fand die Leiche der 27-Jährigen vier Tage nach ihrem Verschwinden in einem Gebüsch. Die junge Frau war vergewaltigt und erschlagen worden.

Zwei Fälle, zahlreiche Parallelen

Beide sichergestellten DNA-Spuren waren von schlechter Qualität. Die am Tatort in Kufstein gefundene DNA wurde hochgerechnet, und dieses Profil dann mit den in Deutschland sichergestellten Fragmenten direkt verglichen. Das Ergebnis lasse keinen vernünftigen Zweifel zu, dass es sich nicht um dieselbe Person handelt, hatten die Tiroler Ermittler im Jänner bekannt gegeben. Doch auch die Veröffentlichung eines Phantombilds in Deutschland lieferte zunächst keine heiße Spur.

Auch eine Reihe anderer Umstände ließ die Ermittler nicht daran zweifeln, dass beide Verbrechen von ein und dem selben Täter begangen worden waren. Neben der Auswahl der Opfer und wie diese nach der Tat abgelegt wurden, war auch auffallend, dass beide an einem Sonntag getötet worden waren.

Beide Opfer wurden mit massiver Gewalteinwirkung erschlagen – Lucile mit einer Eisenstange, die bei hydraulischen Hebesystemen etwa bei Lkw-Führerkabinen zum Einsatz kommt. Auch in Deutschland dürfte die Tatwaffe eine Art Eisenstange gewesen sein, sie blieb aber bis zuletzt verschwunden. Darüber hinaus wurden beide Opfer sexuell missbraucht. Während der Übergriff bei Lucile laut den Ermittlern „leicht“ war, wurde die 27-Jährige in Deutschland schwer missbraucht.roler Ermittler. (TT.com, APA)

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12. Jänner 2014: Polizisten finden am Innufer in Kufstein die Leiche der französische Studentin, die aus der Gegend von Lyon stammt und seit vier Monaten im Rahmen eines Austauschprogrammes in Kufstein weilt. Die junge Frau ist zuvor von Studienkollegen als vermisst gemeldet worden.

13. Jänner 2014: Für die Ermittler stellt sich schnell heraus, dass es sich um ein Gewaltverbrechen handelt. LKA-Chef Walter Pupp spricht am Tag danach von „stumpfer Gewalt", die zum Tod der 20-Jährigen geführt hat. Hinweise auf den oder die Täter bzw. auf die Tatwaffe gibt es vorerst keine. Auch die Sachen der jungen Frau - Tasche und Handy - bleiben vorerst verschwunden. Deshalb schließen die Ermittler auch einen Raubmord als Motiv nicht aus.

27. Jänner 2014: Bei einem Tauchgang im Inn finden Polizeitaucher die Tatwaffe. Dabei handelt es sich um ein 58 Zentimeter langes Rohr mit einem 2,3 Zentimeter großen Durchmesser. Die 1,7 Kilogramm schwere Eisenstange kommt laut Ermittlern bei der Bedienung von hydraulischen Hebesystemen, aber auch bei Lastkraftwagen zum Einsatz, um die Fahrerkabine anzuheben.

24. Juni 2015: Der Fall wird in der ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY... ungelöst" ausgestrahlt. In den folgenden Tagen gehen etliche Hinweise ein. Laut Ermittlern befindet sich aber nichts Brauchbares darunter.

26. Jänner 2017: Ein Verbrechen in Deutschland gibt dem Fall eine neue Wende: Am Tatort einer Anfang November in Endingen bei Freiburg getöteten 27-jährigen Joggerin stellen die Ermittler DNA-Fragmente sicher, die mit den Spuren im Fall Lucile übereinstimmen. Die Ermittler sprechen beim deutschen Opfer von schwerem sexuellen Missbrauch. Die Tiroler Ermittler ziehen daher nun auch sexuellen Missbrauch als Tatmotiv in Betracht. Zudem sprechen sie von einem Durchbruch bei den Ermittlungen.

5. April 2017: Die deutschen Kriminalisten veröffentlichen ein Phantombild. In der Folge gehen zahlreiche Hinweise ein, auch bei den hiesigen Stellen. Vorerst scheint aber keine heiße Spur darunter zu sein.

2. Juni 2017: Die deutschen Ermittler vermelden die Festnahme eines Verdächtigen. Ersten Informationen zufolge soll es sich um einen Fernfahrer handeln, der im Raum Freiburg arbeitet.